Ewiger Zweiter
Paul Keres

 

Am 7. Januar hätte der in Narva/Estland geborene Paul Keres seinen 100. Geburtstag gefeiert. Das enorme Talent Keres', der Schach mit fünf Jahren von seinem Vater lernte, offenbarte sich schon früh. 1930, 1931 und 1932 überlegener estnischer Schülermeister, gewann er 1935, 19-jährig, erstmals die Landesmeisterschaft. Dies war Startschuss zu einer glanzvollen internationalen Karriere. Bei einunddreißig top-besetzten Turnieren trug er den Sieg davon. Zweimal wurde er estnischer Landesmeister und gewann, nach der Annexion Estlands durch die UdSSR, dreimal die sowjetische Landesmeisterschaft.

Traurige Bekanntheit erlangt Keres, exzellenter Verfasser von Studien und ausgezeichneter Autor von Eröffnungsbüchern, jedoch dadurch, dass es ihm als einer der stärksten Spieler des 20. Jahrhunderts nicht gelang, um die höchste Schachkrone zu spielen. Bei drei Kandidatenturnier belegte er auf tragische Art und Weise jeweils nur den zweiten Platz, weswegen ihn die Schachwelt als den "Ewigen Zweiten" betitelte. Seine beste historische Elo-Zahl erreichte er im März 1947 mit 2786.

Seine brillante Kombinationsgabe zeigt anschaulich die am 5. Januar 1940 gespielte vorentscheidende Partie Nr. 9 des über vierzehn Partien angesetzten "Freundschaftskampfes" gegen den niederländischen Exweltmeister Max Euwe. Tatsächlich erwarb dessen Sieger das moralische Recht, Weltmeister Dr. Alexander Aljechin herauszufordern. Den Wettkampf übrigens gewann Keres mit 7,5 : 6,5 Punkten.

Weiß: Max Euwe

Schwarz: Paul Keres

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 Lb7 5.Lg2 Le7 6.0-0 0-0 7.Sc3 Se4 8.Dc2 Sxc3 9.Dxc3 d6 10.Dc2 f5 11.Se1 Dc8 12.e4 Sd7 13.d5 fxe4 14.Dxe4 Sc5 15.De2 Lf6 16.Lh3 Te8 17.Le3 Dd8 18.Lxc5 exd5 19.Le6+ Kh8 20.Td1 dxc5 21.Sg2 d4 22.f4 d3 23.Txd3 Dxd3 24.Dxd3 Ld4+ 25.Tf2 Txe6 26.Kf1 Tae8 27.f5 Te5 28.f6 gxf6 29.Td2 Lc8 30.Sf4 Te3 31.Db1 Tf3+ 32.Kg2 Txf4 33.gxf4 Tg8+ 34.Kf3 Lg4+ 0-1

Tagesnotizen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 113a wurde 1955 beim Interzonenturnier zur Ermittlung der Kandidaten für eine Herausforderung des Weltmeisters Michail Botwinnik zwischen Paul Keres und dem damals 18 Jahre alten Boris Spassky gespielt. Wir erinnern uns: Spassky wurde 1969 Weltmeister und im legendären WM-Kampf Reykjavik 1972 von dem Amerikaner Bobby Fischer vernichtend geschlagen. Es gilt die Frage zu beantworten, wie Weiß den letzten schwarzen Zug 0...Sf6-d7 entscheidend ausnutzt.

Auch mit dem in Deutschland lebenden rumänischen Problemschachkomponisten Friedrich Hariuc (geb. 11. Januar 1937) als Aufgabe Nr. 113b starten wir in das Schachjahr 2016. Dass es mit einem Matt in 16 Zügen geschieht, ist kein Zufall. Damit wünschen wir allen Schachfreunden ein gesundes, glückliches neues Jahr. Lassen Sie sich nicht von der Ankündigung "Matt in 16" ins Bockshorn jagen. Die leicht ersichtlich beengte Stellung des schwarzen Königs werden Sie in der geforderten Zügezahl auszunutzen wissen. Doch beim Schlüsselzug heißt es aufgepasst!

Lösungen: Die Partie zu Taktikaufgabe Nr. 112a (Schäfer-Umansky, W: Ke1, Dc1, Td1, Th3, Le2, Sf1, Bb2, c2, e4, f3, g2, h4 [12], S: Kg7, Dc5, Td8, Tf8, Se5, Sf6, Bb4, c4, d4, e6, g6, h5 [12]) wurde 2007 in der Landesliga Süd zwischen Manfred Schäfer und dem ehemaligen deutsch-russischen Fernschachweltmeister Mikhail Umansky gespielt. Die Stellungsanalyse lässt eine schlecht koordinierte weiße Streitmacht und deutlichen schwarzen Raumgewinn erkennen. Mit seinem letzten Zug 1.Sg3-f1 wollte Weiß seinen auf Feld h3 abseits stehenden Turm wieder ins Spiel bringen, der nach f3-f4 Wirkung entfalten könnte. Doch mit 1...b3! holt Schwarz zum entscheidenden Schlag aus.

Er begründet dies mit der Atemnot des Läufers e2. Schwarz droht nach 2...bxc2 3.Dxc2 mit der Gabel 3...d3 den Läufer e2 zu gewinnen. Weiß meinte, diese Drohung mit 2.f4 zu parieren, wollte er sich doch nach 2...bxc2 3.Dxc2 d3 4.Lxd3 Sxd3 5.Txd3 die Fesselung des c-Bauern zu Nutze zu machen. Allerdings musste er nach 2.bxc2 3.Dxc2 d3 4.Lxd3 die Ausweglosigkeit seines Vorhabens erkennen.

Zwar hat Weiß gegen 4...Sxd3 vorgebeugt (5.Txd3 Txd3 6.Txd3, und nun scheitert 6...cxd3 an der ungedeckten Dame c5). Doch bringt Schwarz zunächst mit 4...Db4+ seine Dame mit Tempo aus der Fesselung und kann nach 5.Se2 gefahrlos mit 5...cxd3 den Läufer schlagen. Mit einer Mehrfigur ist dann der Partiegewinn nur noch eine Frage der Zeit.

Ein gutes Beispiel für die Bestrafung der Immobilität der gegnerischen Figuren.

Einen gut gebauten symmetrischen Tannenbaum als Zweizüger in Aufgabe Nr. 112b (W: Kd7, Td6, Sb3, Sf3 [4], S: Kd3, Td2, Sc2, Se2, Bc3, c4, d5, e3, e4 [10]) stellte der Bearbeiter der Schachecke zum Weihnachtsfest auf.

Und wie nadelt der Baum? Im Satz mit Schwarz am Zug ist zu erkennen, dass auf schwarze Springerzüge ein Satzmatt bereitliegt: 1...Sc beliebig 2.S(x)e1# und 1...Se beliebig 2.S(x)c1#. Auch auf Läuferzüge finden sich Satzmatts: 1...La7(Lb6) 2.Se5# und 1...Lh8(Lg7, Lf6) 2.Sxc5#. Nur auf Bauernzüge ist kein Satzmatt zu finden. Diese Lücke schließt der die Symmetrie aufrecht erhaltende Schlagschlüssel 1.Txd5!, wodurch der schwarze Läufer gefesselt wird und deshalb doppelt 2.Sc5# und 2.Se5# droht. Folgende schwarze Paraden begegnen dieser Drohung:

a) 1...Sc beliebig (gibt Fluchtfeld c2, aber auch Feld e1 frei) 2.Se1# und das Echo

b) 1...Se beliebig (gibt Fluchtfeld e2, aber auch Feld c1 frei) 2.Sc1#, beides wie in den Satzspielen.

c) 1...cxb3 (gibt Fluchtfeld c4 frei, deshalb) 2.Se5# und das Echo

d) 1...exf3 (gibt Fluchtfeld e4 frei, deshalb) 2.Sc5# .

Ein schnell nadelnder Tannenbaum zu den Themen "Symmetrie" und "Genre Braune" mit doppelten symmetrischen Echomatts, benannt nach dem österreichischen "Apostel der Symmetrie" Robert Braune (1845-1924).
Weitere Beiträge zu den Themen: Schachecke (4)Paul Keres (1)
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