Ex-Flüchtling Bystron führt Landesverband der Rechtskonservativen - "Keine Extremisten"
Das AfD-Phantom

München. Die AfD führt in Bayern eine seltsame Schattenexistenz: Bei der Staatsregierung und im Landtag kennt kaum jemand die Vertreter der rechtskonservativen Konkurrenz. In den Umfragen geht es aber seit September auch für den Landesverband der Alternative für Deutschland nach oben.

"Acht Prozent für eine Partei, die es nicht gibt", seufzten im November manche Landtagsabgeordnete nach Veröffentlichung der jüngsten Bayern-Umfrage des Hamburger Umfrageinstituts GMS. Tatsächlich ist der Landesverband vorhanden und hat Überraschungen zu bieten.

Ein "Deutscher aus Liebe"


Der seit Oktober amtierende Landesvorsitzende Petr Bystron (43) ist anerkannter Asylbewerber. "Die meisten Menschen hier sind Deutsche durch Geburt", sagt er. "Ich bin Deutscher aus Liebe zu diesem Land." Bystrons Eltern kamen 1988 als Flüchtlinge aus der früheren Tschechoslowakei. Das Etikett des Rechtspopulismus, das der AfD inzwischen fast durchgängig angeheftet wird, ärgert Bystron, der früher FDP-Mitglied war. "Wir sind eine Partei der Mitte."

Eine saubere Abgrenzung von rechtskonservativ zu rechtspopulistisch ist schwierig. Viele CSU-Abgeordnete halten die AfD für rechtspopulistisch, obwohl der Großteil der Forderungen in der Flüchtlingspolitik auch von CSU- oder Freie-Wähler-Politikern stammen könnte - Sicherung der Grenzen, schnellere Asylverfahren oder die strikte Ausweisung abgelehnter Asylbewerber.

Dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre und die EU nicht das Ende des Nationalstaats bedeuten dürfe, wäre in der CSU ebenfalls mehrheitsfähig. "Zu uns kommen viele Menschen von FDP und CSU, die noch etwas bewegen wollen. Und auch viele, die noch nie in einer Partei Mitglied waren", sagt Bystron.

Schlagzeilen macht vor allem der Thüringer Fraktionschef Björn Höcke, der auch vielen im AfD-Bundesvorstand zu weit nach rechts abgedriftet ist. Dazu möchte Bystron nichts sagen, betont aber, dass die AfD jedem Extremismusverdacht vorbeugen wolle: Jedes neue Mitglied werde erst nach sorgfältiger Prüfung aufgenommen. Wer vorher bei extremen Gruppen aktiv war, dürfe nicht in die AfD. "Unsere Ausschlussliste von Gruppierungen vom linken und rechten Rand umfasst 70 Seiten", sagt der 43-Jährige. "Von denen nehmen wir niemand auf. Für Ex-Mitglieder der NPD ist es leichter, zur CSU zu gehen als zu uns."

Komplettes Wahlprogramm


CSU-Politiker glauben, dass die AfD wieder verschwinden wird, sobald die Flüchtlingszahlen zurückgehen. Doch der Landesvorstand bereitet ein breites Programm mit einer konservativ-liberalen Wirtschaftspolitik vor. "Es weht ein frischer Wind durch die bayerische AfD", so der Landeschef. Derzeit hat die AfD in Bayern laut Bystron etwa 3000 Mitglieder - deutlich weniger als die FDP, die seit Jahrzehnten mit der Verankerung in den Kommunen kämpft. Bystron rechnet jedoch mit Zuwachs.

Spendensegen für AfDDie AfD erhält für ihren Gold-Umsatz zwar kein staatliches Geld mehr. Trotzdem geht die rechte Partei ohne Finanznöte ins neue Jahr. Die Alternative für Deutschland habe in den vergangenen drei Wochen Spenden in Höhe von insgesamt 2,1 Millionen Euro erhalten, sagte Parteisprecher Christian Lüth. Daher werde ihr aus der Reform der staatlichen Parteienfinanzierung in diesem Jahr kein finanzieller Nachteil erwachsen. Laut Lüth nahm die Bundes-AfD 1,7 Millionen Euro zusätzlich ein. In den Landesverbänden seien weitere 400 000 Euro eingesammelt worden. Damit erreiche die Partei die Obergrenze der Spendeneinnahmen, für die es Geld vom Staat gibt. (dpa)
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