Geht ganz einfach: Linolschnitt als Kunstform des Expressionismus
Vom Geißfuß und Hohleisen

Macht Spaß und sieht gut aus: Linolschnitt. (Foto: mna)
 
(Foto: mna)
(Manuela Madsen)

Schon Pablo Picasso war berühmt für die Technik des Linolschnitts. Er funktioniert im Prinzip wie der vielleicht bekanntere Holzdruck. Beim Linolschnitt wird jedoch statt einer Holzplatte eine Druckplatte aus Linoleum gefertigt. Eine etwas in Vergessenheit geratene Kunstform, die besonders die Zeit des Expressionismus geprägt hat.



Was in vielen Ateliers und Kunstwerkstätten noch immer gerne umgesetzt wird, ist als alltägliche Kunstform in Schulen oder Kindergärten längst nicht mehr flächendeckend verbreitet. Und doch bereitet der Linolschnitt vielen Kindern und Erwachsenen noch immer große Freude. Zeit, diese Technik wieder aufleben zu lassen.

Was wird für einen Linolschnitt benötigt? Jedenfalls ein sogenannter Geißfuß. Dieses Hebelwerkzeug - das in früheren Zeiten tatsächlich auch für Zahnextraktionen verwendet wurde - hat wohl mit die wichtigste Funktion für einen anständigen Linolschnitt: die des flachen Aushebens des Materials aus der Linoleum-Druckplatte. Diese kann man übrigens in vielen Bastelläden kaufen. Aber auch Reste von PVC-Bodenbelägen können entsprechend bearbeitet werden, sofern sie einfarbig sind oder man sich von den Mustern auf dem PVC nicht verwirren lässt.

Außerdem empfehlen sich hölzerne Schraubhalter mit verschiedenen Schneideklingen als Aufsatz und ein Konturmesser. Für den Druck an sich braucht man Farbe, Farbroller und natürlich Papier. Ordentliche Geißfüße haben meist einen längeren Griff um ein beidhändiges Arbeiten oder den Einsatz eines Holzhammers oder sogenannten "Klüpfel" zu ermöglichen.

Die Linolplatte wird am besten auf eine hölzerne Unterlage gelegt.
Hat man sein Muster vorgezeichnet oder eine Idee frei Hand, fällt das Schneiden bzw. Ausheben leichter, wenn das Linoleum etwas angewärmt wird.

Problematisch wird es, wenn man durch die Platte hindurch schneidet oder die Kanten verletzt. Das beeinträchtigt den sauberen Abdruck später.
Die Kunstform ist nicht ganz ungefährlich, aber Verletzungen kann man vermeiden, indem man die haltende Hand immer hinter das Schneidewerkzeug legt und beim Herausschneiden oder Hebeln entsprechend vorsichtig vorgeht. Es gibt auch spezielle Handschuhe mit Metalleinsätzen. Jedoch braucht man für einen Linolschnitt immer ein gutes Gefühl in den Händen. Unbedingt immer vom Körper weg schneiden!

Ist das Muster aus dem Linoleum entsprechend ausgearbeitet, bepinselt man die Platte mit einer oder mehreren Farben. Jetzt eilt es etwas, den Druck damit zu fertigen - zu schnell trocknet leider Farbe an der Platte an. Einfach Papier auf die bepinselte Platte legen und mit einem glatten Farbroller überwalzen. Aber aufpassen: Das Papier reißt leicht durch, wenn zu viel Farbe oder Flüssigkeit auf der Platte steht. Druck auch auf die Kanten ausüben. Dann vorsichtig das Papier abziehen und trocknen lassen. Fertig ist ein wirklich eindrucksvolles Bild.

Schön werden auch zwei oder mehrere Drucke übereinander, da sich dann die Farben vermischen und sogenannte subtraktive Farbmischungen entstehen, was besonders schöne, eigenartige Bilder entstehen lässt. Diese Technik nennt man Eliminationsdruck, Pablo Picassos Lieblingsmethode. Man kann aber auch eine Platte gleich mit mehreren Farben bepinseln. Dies hat einen ähnlichen Effekt und vermeidet ein Wellen des Papiers oder gar Durchnässen.

Mit Hilfe des Linoldrucks lassen sich jedenfalls wahre Meisterwerke an Bildern für zum Beispiel Glückwunschkarten herstellen. Und alle werden eine sehr individuelle Note haben, denn niemals sieht ein Bild nach dem Druck gleich aus.
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