HWS-Syndrom: Bewegung ist die beste Vorsorge
Den Schmerz im Nacken

Die Ursachen für Kopfschmerzen können in der Halswirbelsäule liegen. (Foto: Fotolia)

Egal ob stechend, dumpf oder drückend, fast jeder kennt sie: quälende Kopfschmerzen. Rund 30 Prozent der Deutschen leiden mindestens einmal im Jahr darunter. Auslöser für die Schmerzen gibt es viele. Nicht selten ist eine Funktionsstörung der Halswirbelsäule Schuld am Übel.

„Einseitige Kopfschmerzen, die sich vom Nacken bis zur Stirn ziehen, entstehen in der Regel durch ein Problem in den obersten sieben Wirbeln des Rückgrats“, sagt Privatdozent Dr. Konstantinos Kafchitsas, Chefarzt der Abteilung für Wirbelsäulenerkrankungen an der Asklepios Orthopädische Klinik Lindenlohe. „Wir Mediziner sprechen dann von einem Halswirbelsäulensyndrom – kurz HWS-Syndrom genannt.“ Darunter fasst man sämtliche Beschwerden in diesem Bereich zusammen. Unterschieden wird dabei zwischen einer akuten und einer chronischen Erkrankung. Erstere entsteht häufig durch Verletzungen. Bei einem Schleudertrauma beispielsweise müssen Wirbelsäule und Muskulatur binnen Sekundenbruchteilen unnatürlich starke Kräfte ausgleichen, die auf sie wirken. Die Folge sind starke Nacken- und Hinterkopfschmerzen – oft erst Stunden nach dem eigentlichen Aufprall.

Schleichender – und deshalb manchmal nicht sofort als Auslöser von Kopfschmerzen zu erkennen – schreiten degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule fort. „Dazu zählen zum Beispiel altersbedingte Abnutzungen an den Wirbelkörpern oder den Bändern, die normalerweise den Halsbereich stabilisieren“, erklärt Dr. Kafchitsas. Ursache Nummer eins für Beschwerden im Nackenbereich sind und bleiben allerdings Muskelverspannungen aufgrund von Fehlhaltungen. „Mittlerweile verbringen wir sehr viel Zeit im Sitzen. Dabei ist unser Körperbau auf ein Leben in Bewegung programmiert. Ist man nur wenig aktiv, baut die Muskulatur, die unsere Wirbelsäule stützt, ab und wird anfällig für Überlastungen.“ Zunehmender Stress in Alltag und Beruf trägt ebenfalls seinen Teil bei.

Starke Nackenschmerzen, die bis in den Hinterkopf ausstrahlen, plagen die Betroffenen dann oft täglich. Sie werden stärker, wenn man den Kopf bewegt oder dreht und können bis in die Arme ausstrahlen. „Durch die verspannte Muskulatur sind zudem die umliegenden Nerven gereizt, was zu einem unangenehmen Kribbeln, Taubheitsgefühlen und im schlimmsten Fall Lähmungserscheinungen führt“, so der Wirbelsäulenexperte. Spätestens dann sollte man einen Facharzt aufsuchen.

Wieder schmerzfrei werden


Die Behandlung von HWS-Problemen richtet sich nach ihrer Ursache: „Bei akuten Beschwerden nach einer Verletzung greift man normalerweise zuerst zu schmerzstillenden Medikamenten und Physiotherapie.“ Die helfe, die verspannte Muskulatur zuerst zu lockern, dann zu kräftigen und somit die Halswirbelsäule wieder beweglich zu machen. Bei chronischen Erkrankungen kommen diese Methoden zwar auch zum Einsatz, alleine reichen sie aber oft nicht mehr aus. Dr. Kafchitsas und sein Team greifen in diesen Fällen an der Asklepios Klinik Lindenlohe auf spezielle Injektionsverfahren zurück. „Dabei spritzen wir ein lokales Betäubungsmittel direkt an die betroffenen Stellen. Das beruhigt die gereizten Nerven und entspannt die verkrampften Muskeln.“ Viele Patienten seien so über lange Zeit schmerzfrei oder haben zumindest deutlich weniger Schmerzen.

Besser als die Beschwerden zu behandeln, sei allerdings – soweit möglich – einem HWS-Syndrom frühzeitig vorzubeugen. „Ausreichend Bewegung ist dabei das einfachste Hilfsmittel.“ Gezielte Rückengymnastik oder Krafttraining helfen, Muskulatur, Bänder und Sehnen zu stärken und damit die Halswirbelsäule langfristig zu stabilisieren.