Klima-Chaos und Wärme-Rekorde

 
Auf Spitzbergen wurde am Mittwoch plus vier Grad Celsius gemessen, das war 30 Grad über dem üblichen Niveau. Bild: dpa

Global wird es das wärmste Jahr - in Deutschland liegt 2015 auf Platz zwei. Nach dem Hitzerekord im Sommer stellt auch der Dezember neue Spitzenwerte auf. Auch im Freistaat. Alles Indizien für den fortschreitenden Klimawandel, meinen Meteorologen. Ein Wintereinbruch ist nicht in Sicht.

Offenbach/München. (dpa) Nasskalt verabschiedet sich das Jahr 2015 aus dem Freistaat. Nach vielen sonnigen und milden Tagen sorgt eine Kaltfront über Bayern zum Jahreswechsel für kühleres Wetter. Richtiger Winter sieht aber anders aus. Zwar kann es in den Bergen schneien. "Der Wintereinbruch, den sich manche erhoffen, ist aber nicht in Sicht", sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwoch.

Der letzte Tag des Jahres bringe bayernweit Regen. Vor allem im Osten und in der Donauregion werden dazu Tageshöchsttemperaturen um den Gefrierpunkt erwartet. Dabei kann es auf den Straßen glatt werden. Wer in der Silvesternacht das Feuerwerk im Freien erleben will, sollte sich also nicht nur warm anziehen, sondern auch den Regenschirm bereithalten. Vor allem im Süden soll es in der ersten Nachthälfte noch regnen. In Niederbayern und am Alpenrand ist leichter Schneefall möglich. In Franken bleibt es bewölkt.

Zweitwärmstes Jahr


Nach einer kurzen Wetterberuhigung am Freitag muss am Wochenende erneut mit (Schnee-)Regen gerechnet werden. Dabei werden Höchsttemperaturen von null bis fünf Grad erwartet. "Langsam bekommen wir das Wetter, das der Jahreszeit entspricht", sagte der Wetter-Experte. In Deutschland geht 2015 als zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 in die Statistik ein. Trotz Rekordmilde im November und Dezember sei das Temperaturniveau von 2014 nicht übertroffen worden, so der DWD. Global ist das Jahr nach Erwartungen der US-Klimabehörde das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen.

In Deutschland seien zehn der zwölf Monate zu warm, nur der September und der Oktober zu kalt ausgefallen. Insgesamt lag die Durchschnittstemperatur um 1,7 Grad über dem Vergleichswert der Jahre 1961 bis 1990 - dieser Zeitraum wird international als Referenzperiode benutzt. Im Dezember betrug die Abweichung sogar 5,6 Grad. In Deutschland teilt sich 2015 den zweiten Platz auf der Liste der wärmsten Jahre mit 2000 und 2007. Es gab hierzulande nicht nur im Sommer einen Hitzerekord - 40,3 Grad im unterfränkischen Kitzingen -, sondern auch Monatsrekorde wie im Januar im oberbayerischen Piding mit dem deutschen Höchstwert 20,5 Grad.

Meteorologen sehen deutliche Hinweise auf den Klimawandel. Die Häufung zu warmer Jahre seit 2000, extreme Sommerhitze und Monatsrekorde - "alles Indizien dafür, dass der Klimawandel voranschreitet", sagte DWD-Experte Andreas Friedrich. Regen fiel in manchen Regionen viel zu wenig. Besonders die Mitte Deutschlands litt unter einer Dürre. Die Sonnenscheinbilanz fällt dagegen positiv aus: 1723 Sonnenstunden registrierten die Messstationen, 13 Prozent mehr als üblich. Am sonnigsten war es auf Rügen, im Breisgau und in der Lausitz mit je mehr als 2000 Sonnenstunden. Am wenigsten Sonne gab es im Sauerland (1500 Stunden).

Tropische Luft am Nordpol


Doch ungewöhnliche Wetterphänomene gibt es nicht nur hierzulande. Tropisch warme Luft gelangt vom Atlantik bis zum Nordpol und sorgt dort für Plusgrade, polare Luft strömt mit Frost und Schnee bis in den Süden der USA. Beides sei Teil desselben Geschehens, sagte Friedrich.

Grund sei das Zusammentreffen von sehr tiefem Druck im Nordwesten und sehr hohem Druck im Nordosten. Warum sich eine solche Wetterlage ausgebildet habe, sei wissenschaftlich nicht zu erklären, sagte Friedrich. "Es ist ein Ausdruck des chaotischen Systems Atmosphäre." Mit dem Klimawandel habe es nichts zu tun. Eigentlich herrscht in dieser Zeit am Nordpol Winter mit minus 30 bis minus 40 Grad. Tatsächlich ist es aber 2 bis 4 Grad warm.
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