Kräuter
Galgant

Bereits im Altertum verwendete man Galgant als Gewürz und in der Heilkunde. Schon in der Hildegard-Medizin wurde die positive Wirkung von Galgant als Heilpflanze genutzt.

Medizinisch wirkt Galgant verdauungsfördernd und krampflösend (wird deshalb oft in Magenbittern verwendet), beseitigt Blähungen und kann bei Gastritis oder Gallenkolik Linderung bringen. Die krampflösende und verdauungsanregende Wirkung hilft auch bei Seekrankheit, Reisekrankheit, Magenbeschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen, Herzproblemen, Durchblutungsstörungen, Durchfall und Schluckauf. Dank der antibakteriellen und analgetischen Wirkung ist Galgant auch nützlich bei Hautausschlag, Gelenkschmerzen und Hexenschuß, hilft aber auch gegen Fieber und Schnupfen.

Galgant wirkt euphorisierend und aphrodisierend, stimmungsaufhellend, anregend, motivierend und wirkt so gegen Niedergeschlagenheit, Schlappheit, Frühjahrsmüdigkeit und verwandte Beschwerden, auch gegen Appetitlosigkeit und er hat auch eine positive Auswirkung auf die Konzentrationsfähigkeit und das Denkvermögen.

Die Galgantwurzeln werden bei der Ernte in 10 bis 20 cm lange Stücke geschnitten. Die Wurzel ist dann meist 1 bis 2 cm im Durchmesser dick und zeigt an den Schnittstellen wulstige Verdickungen. Die Wurzeln werden bei uns meist nur in speziellen Asialäden angeboten. Im Kühlschrank, im Gemüsefach halten sich die Wurzeln gut 2 bis 3 Wochen frisch, wenn sie in Klarsichtfolie eingepackt sind und so vor dem Austrocknen geschützt werden.

Die fasrige Galgantwurzel kann man auch geschält in dünne Scheiben schneiden und trocknen, so kann man die Wurzel weit länger als 3 Wochen aufbewahren. Getrocknete Galgantwurzeln weicht man vor dem Gebrauch am besten 1 bis 2 Stunden in etwas Wasser ein. Wem die Arbeit des Trocknens zu viel ist, der kann auf industriell getrocknete Wurzeln aus dem Handel (Hildegard v. Bingen) zurückgreifen.

Galgant ist auch in Pulverform oder Tabletten erhältlich. Man kann die Tabletten übrigens auch in heißem Wein oder Wasser auflösen und spürt, wie die wohltuende Hilfe durch den Körper strömt. Mit diesem Galgantwein oder -tee lassen sich auch Rücken- oder Lendenschmerzen gut beheben. Hildegard von Bingen riet in diesem Fall: »Wem Rücken oder Weichen durch Unsäfte schmerzen, walle Galgant in Wein und trinke ihn oft warm und der Schmerz weicht«.

Dinkel und Galgant als Gewürz im Schwäbischen Habermus von Hildegard von Bingen

In der Ernährungslehre der Ordensfrau von Bingen wird die Bedeutung des Dinkels stets hervorgehoben. Das wichtigste Rezept ist das Schwäbische Habermus, das sowohl mit Galgant als auch mit Bertram gewürzt wird. Rezept für ein einfaches Frühstück oder als Zwischenmahlzeit: 4 Tassen Wasser, 2 knappe Tassen Dinkelschrot, 2 klein geschnittene Äpfel, 2 Messerspitzen Galgant- und Bertrampulver, 4 Teel. Honig, Zimt Dinkelschrot in kaltes Wasser einrühren und 5 Minuten unter Umrühren vorsichtig aufkochen. Apfel, Galgant, Bertram und Honig beimengen. Bei kleiner Hitze ungefähr 10 Minuten aufquellen lassen und anschließend mit Zimt bestreuen.

Dinkelbrot nach Hildegard von Bingen

350 g Dinkelmehl Type 630, 100 ml Brottrunk (Supermarkt, Drogeriemarkt), ½ Würfel Hefe (20 g), 1 TL heller Honig, gut 1 TL Salz, 1 EL Sonnenblumenöl, 1 EL gemahlene Bertramwurzel (Bioladen, Hildegard-von-Bingen-Gewürz), 1 TL gemahlener Galgant (Asienregal im Supermarkt, Bioladen oder Reformhaus), 1 TL Fenchelsamen, 1 TL getrockneter Quendel (Feldthymian, ersatzweise normaler Thymian), Mehl zum Arbeiten und Fett für die Form, Brotbackform (1 ½ l)

Schritt 1

100 g Dinkelmehl in eine Schüssel geben, mit dem Brottrunk verrühren und sehr warm (mindestens 25° – auf der Heizung oder über dem Kühlgitter des Kühlschranks) 4 Std. gehen lassen.

Schritt 2

Die Hefe mit 125 ml warmem Wasser und dem Honig verrühren. Mit den übrigen 250 g Dinkelmehl, Salz, Sonnenblumenöl, Bertramwurzel, Galgant, Fenchel und Quendel zum Brottrunk-Ansatz geben, alles zu einem weichen Teig vermischen und gut rühren, bis der Teig ganz glatt ist. Schritt 3 Eine Brotbackform (1 ½ l) gut fetten und mit Mehl ausstreuen, überschüssiges Mehl wieder ausschütten. Den Teig einfüllen und zugedeckt ca. 45 Min. warm gehen lassen, bis der Teig die Form fast ausfüllt.

Schritt 4

Den Backofen auf 230° (Umluft 210°) vorheizen, eine hitzefeste Schale mit Wasser auf den Ofenboden stellen. Den Brotteig mit einem nassen Messer längs ca. 2 cm tief einschneiden, die Form in den Ofen (Mitte) stellen und das Brot ca. 40 Min. backen, bis die Kruste schön gebräunt ist. Zwischendurch mit Wasser besprühen.

Schritt 5

Die Form aus dem Ofen nehmen und das Brot 10 Min. ruhen lassen. Dann auf ein Kuchengitter stürzen und vollständig abkühlen lassen.