Langfristig soziale Bedeutung für Kinder
Ergebnisse der deutschen "Vorlesestudie 2015"

Vorlesen macht Kinder schlau und stark. Bild: dpa

Berlin. Regelmäßiges Vorlesen unterstützt die individuelle Entwicklung von Kindern, von schulischen Leistungen bis hin zu familiären Bindungen: Die Vorlesestudie 2015 wies erstmals die längerfristige soziale Bedeutung des Vorlesens nach.

Wurde Kindern regelmäßig vorgelesen, sind diese häufiger darum bemüht, andere in die Gemeinschaft zu integrieren. Auch ist der allgemeine Gerechtigkeitssinn dieser Kinder besonders ausgeprägt, selbst jenseits ihres unmittelbaren Umfelds. Die Studienleiterin Dr. Ehmig wies darauf hin, dass die Bedeutung des Vorlesens unabhängig vom Bildungshintergrund der Familien nachweisbar ist. "Tägliches Vorlesen unterstützt Kinder auch dann in ihrer Entwicklung, wenn die Eltern kein Abitur und keinen Hochschulabschluss haben. Jeder Vater und jede Mutter sollte diese Möglichkeit nutzen, um das eigene Kind zu fördern."

Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde, werden häufiger als fröhlich und selbstbewusst beschrieben als Kinder, denen nur selten oder nie vorgelesen wurde (93 bzw. 75 Prozent gegenüber 59 bzw. 44 Prozent). Vorlesen stärke aber nicht nur die Kinder selbst, sondern auch die sozialen Beziehungen, in denen sie leben. Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde, sind häufiger darum bemüht, andere zu integrieren, als Kinder, denen nur selten oder nie vorgelesen wurde (40 gegenüber 17 Prozent). Diese Kinder seien empathischer und handelten auch entsprechend, hieß es bei der Vorstellung der Studienergebnisse in Berlin. Dafür bekommen sie Anerkennung und Wertschätzung von anderen zurück. Solidarisches Handeln sei keine Einbahnstraße, sondern für alle Seiten ein Gewinn. 85 Prozent der Kinder, denen täglich vorgelesen wurde, besitzen nach Aussage ihrer Mütter einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, im Unterschied zu 40 Prozent der übrigen Kinder.

Die Vorlesestudie ist ein gemeinsames Projekt der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung DIE ZEIT und der Deutsche Bahn Stiftung GmbH und wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2015 wurden 524 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren und ihre Mütter persönlich befragt.
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