Lebensrettend und bedrohlich: Wie Ängste unser Leben beeinflussen
Wenn Angst krank macht

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Der Mensch ist ein sensibles Wesen – wie sehr, das zeigt sich an seinen Ängsten. Denn obwohl urmenschlich und lebensrettend, kann die Angst den Alltag ebenso in einen bedrohlichen Dauerzustand versetzen. Dann, wenn die Angst außer Kontrolle gerät und eine Angststörung die Oberhand gewinnt. Ein Überblick über Ursachen und Therapiemöglichkeiten.

Angst sichert Überleben


Wohl kaum ein Mensch, der nicht schon einmal Angst hatte. Das ist auch gut so, denn Angst ist ein urmenschliches Gefühl, das lebensrettend sein kann. Vor allem in Zeiten, als der Mensch noch vielen existenziellen Gefahren ausgesetzt war, rettete die Angst das eigene Leben: erhöhte Aufmerksamkeit, Gefahren erkennen, Kräfte mobilisieren. Es war die Angst, die mit Flucht oder Angriff das Überleben vor wilden Tieren sicherte. Die körperlichen Reaktionen die mit Angst einhergehen, sind bis heute unverändert. Die Muskeln spannen sich an, das Herz schlägt schneller, Stresshormone werden ausgeschüttet und sowohl Körper als auch Geist sind hochkonzentriert und leistungsbereit. Ist die Gefahr gebannt, werden ganz automatisch alle Warnsysteme wieder heruntergefahren, Entspannung und Erholung setzen ein.

Wenn sich Angst verselbstständigt


Soweit so gut. Problematisch wird es allerdings, wenn sich die Angst verselbstständigt, wenn es keinen offensichtlichen Grund gibt für Atemnot, Schwindel und Zittern. Dann gilt es, diesen Ursachen auf den Grund zu gehen, nachzuforschen wo die Gründe liegen, denn so bedrohlich Ängste ohne erkennbaren Auslöser sind, so beruhigend ist die Tatsache: Es gibt Gründe dafür – und diese lassen sich therapieren.

Auslösende Faktoren können mitunter viele Jahre oder auch Jahrzehnte zurückliegen. Manchmal waren Ereignisse in der Vergangenheit so schmerzhaft, dass das Gehirn als Schutzmechanismus diese Ereignisse ausblendet, ein bewusstes Erinnern ist dann erst einmal nicht mehr möglich. Lediglich können bestimmte Gefühle, die damals in Zusammenhang mit dem Erlebten standen, hervortreten. Dafür reichen oftmals schon kleine Impulse, wie etwa ein spezieller Geruch oder das Aufhalten an gewissen Plätzen oder Räumen. Wer ohne erkennbaren Grund an Angst- oder gar Panikattacken leidet, ist auf professionelle Hilfe angewiesen, etwa durch eine Psychotherapie. Im Rahmen einer Therapie werden komplexe Zusammenhänge analysiert und Ursachenforschung betrieben.

Unterschiedliches Angstniveau


Ängste müssen allerdings nicht immer am Ende einer Kette schmerzlicher Erfahrungen stehen, grundsätzlich hat jeder Mensch ein unterschiedliches Angstniveau. Wo der eine lediglich ein mulmiges Gefühl hat, wird der andere von heftigen Angstwellen mit deutlichen körperlichen Beschwerden übermannt. Ein Flugzeug, das in den blauen Himmel aufsteigt, weckt bei vielen Menschen Sehnsucht nach Urlaub und Erholung – anderen treibt es den Angstschweiß auf die Stirn.

Doch wo liegt der Unterschied, die Grenze zwischen normaler und krankhafter Angst? Generell lässt sich sagen: Sobald Ängste die Gefühlswelt dauerhaft belasten, das eigene Leben und die eigene Handlungsfähigkeit einschränken, sollte man die Ursachen herausfinden. Denn wer seinen Alltag aufgrund von Ängsten nicht mehr frei gestalten und leben kann, leidet sehr wahrscheinlich an einer ernsthaften Angststörung.

Generalisierte Angst


Die Gedanken rasen hin und her, drohen, übermächtig zu werden – wie in einem Karussell lassen sich die aufschaukelnden Gedanken nicht stoppen. Es fällt schwer, die Gedanken in eine vernünftige Richtung zu lenken, dazu kommen innere Anspannung und Unruhe, zudem ein Druck in der Magengegend. Mediziner sprechen in diesem Fall von generalisierter Angst. Die einzelnen Symptome kennen zwar viele Menschen, allerdings nur vorübergehend und in Zusammenhang stehend mit einer akuten Situation. Bei erkrankten Menschen bleibt das Angstgefühl in unterschiedlicher Intensität und längerer Zeit bestehen.

Der Besuch beim Hausarzt, der über das weitere Vorgehen – möglicherweise mit der Überweisung an einen Psychologen – entscheidet, ist dringend ratsam. Denn meist finden Betroffene selbst keinen Weg aus dieser Spirale der generalisierten Angst.

Panikattacken


Panikattacken sind ein wahrer Teufelskreis: Wer einmal eine Panikattacke erlitten hat, lebt in ständiger Angst vor einem neuen Anfall. Denn die Beschwerden sind massiv und wirken sehr bedrohlich – Zittern, Schmerzen in der Brust, starkes Herzklopfen, Atemnot, Schwindelanfälle; manche hyperventilieren, atmen also übererregt schnell ein und aus, was zu Krämpfen und Schwindel, bis hin zu Ohnmacht führen kann. Panikattacken treten wellenartig auf, beginnen schleichend und steigern sich bis zu einem Höhepunkt, dann verebbt die Attacke wieder. Diese panischen Anfälle können unterschiedlich lang sein, von wenigen Minuten bis hin zu Stunden.

Die Gründe können offensichtlich sein, wie beispielsweise Menschenansammlungen, Spinnen oder Aufzüge, also mit einer bestimmten Phobie in Verbindung stehen – allerdings auch ohne erkennbaren Grund „über einen herfallen“. Wie bei Angststörungen gilt es auch in diesem Fall die Ursachen herauszufinden und mit entsprechenden Therapien dagegen anzugehen.

Therapien gegen Angst


Liegt tatsächlich eine psychische Angststörung ohne organischen Befund vor, wird diese Diagnose meist vom Hausarzt in enger Zusammenarbeit mit jeweiligen Fachärzten gestellt. Im weiteren Vorgehen sind es dann Psychotherapeuten und Psychiater, die je nach Schweregrad der Erkrankung individuelle Therapiewege konzipieren. Möglich sind sowohl verhaltenstherapeutische Maßnahmen in Verbindung mit medikamentöser Behandlung als auch Entspannungsverfahren.

Mut zur Selbsthilfe• Nehmen Sie Ihre Gefühle ernst: Es kostet mitunter Mut, sich Ängste, ausgelöst mit oder ohne erkennbarem Grund, einzugestehen. Ärztlicher Rat und professionelle Hilfe sind wichtig, um wieder ein furchtloses Leben führen zu können.

• Nehmen Sie an Trainingsprogrammen teil: Ängste beim Fliegen, Zahnarztbesuch oder bei Prüfungen lassen sich mit verhaltenstherapeutischen Programmen gut in
den Griff bekommen.

• Nehmen Sie aktiv Entspannungshaltungen ein: Der Angst kann man bewusst mit Techniken wie Autogenem Training, Progressiver Muskelentspannung oder Biofeedback entgegentreten.
2 Kommentare
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Sebastian Kraemer aus Erbendorf | 15.09.2016 | 09:27  
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Sabrina Kerber aus Lohberg | 22.09.2016 | 18:25  
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