Maler und Lackierer oder Kfz-Mechatroniker: Frauen als Lehrlinge in Männerberufen
Die Exotinnen

In Handwerksberufen sind weibliche Auszubildende wie Shari Müller, die in Düsseldorf zur Malerin ausgebildet wird, die Ausnahme. (Foto: dpa)
(dpa)

Mit dem Farbeimer auf das Gerüst steigen, Wände tapezieren und Fensterrahmen beschichten: Auf Baustellen fühlt Shari Müller sich wohl. Die 19-Jährige ist im zweiten Ausbildungsjahr als Malerin und Lackiererin. Dass sie in ihrer Arbeitswelt oft die einzige Frau unter Männern ist, stört sie nicht. Eine bevorzugte Behandlung bekommt sie deshalb aber nicht. „Ich mache ohne Ausnahmen die gleiche Arbeit wie die anderen“, sagt Müller.

Unter bundesweit 19 000 Auszubildenden zum Maler und Lackierer waren in den
letzten Jahren nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) lediglich 2647 Frauen. Noch geringer ist die Quote bei den Kfz-Mechatronikern: Von den 57 973 Lehrlingen in diesem Beruf waren lediglich 1598 weiblich. Viele Handwerksberufe sind immer noch eine klassische Männerdomäne. Das liegt aber nicht daran, dass Frauen nicht willkommen wären.

Gegenwind im Alltag


„Längst hat auf Arbeitgeberseite ein Umdenken eingesetzt. Frauen haben bei Bewerbungen gute Karten“, sagt Hans Voss. Er leitet bei der Maler- und Lackiererinnung Düsseldorf das Berufsbildungs- und Technologiezentrum (btz). Ein Grund sind nicht zuletzt die guten Erfahrungen, die Handwerksmeister mit Frauen als Azubis und Gesellinnen machen. „Sie überzeugen oft durch herausragende Leistungen“, erklärt Voss. Er kennt inzwischen Fachbetriebe, die auf einen ausgeglichenen Mitarbeitermix achten. Bei praktischen Arbeiten fallen Mitarbeiterinnen vor allem bei filigraneren Tätigkeiten häufig positiv auf.

„In Zeiten des drohenden Fachkräftemangels kann es sich das Handwerk nicht
leisten, weibliche Bewerber außen vor zu lassen“, betont Wilhelm Hülsdonk, Bundesinnungsmeister des Kfz-Handwerks. Dass Frauen im Arbeitsalltag einer Werkstatt dennoch auf Gegenwind stoßen können, weiß er. „Es gibt immer wieder die Situation, dass ein Kunde ein Problem nicht einem weiblichen Kfz-Mechatroniker erzählen will, sondern stattdessen fragt: „Ist der Meister nicht da?“.“ Dann könnten Frauen mit Überzeugungsarbeit und Fachwissen punkten. Sie sollten dann auf jeden Fall freundlich und gelassen bleiben“, rät Hülsdonk.

Ich mache ohne Ausnahmen die gleiche Arbeit wie die anderen.Ich mache ohne Ausnahmen die gleiche Arbeit wie die anderen.

Auch Shari Müller kennt die Skepsis, die ihr mitunter von Kundenseite entgegenschlägt. „Können Sie das alles auch?“ wird die junge Frau manchmal gefragt, wenn sie anfängt, etwa Tapetenrollen zu holen und Tapeziertische aufzubauen. „Dann muss man cool bleiben“, so Shari Müller.

Im Betrieb ist sie von sieben Beschäftigten die einzige Frau. Doch das Miteinander
funktioniert gut. Ganz gefeit vor dummen Sprüchen ist sie in ihrem Arbeitsalltag allerdings nicht. Auf Großbaustellen, wo auch Beschäftigte von anderen Fachbetrieben tätig sind, herrscht mitunter ein rauer Ton. Dann kann auch schon mal ein derbes Wort in ihre Richtung fallen. Hier ist Schlagfertigkeit gefragt. „In solchen Situationen muss man ein paar Gegensprüche parat haben“, so die 19-Jährige.

Generell verbessere eine Frau im Team oft den Umgangston, hat Voss beobachtet. "Männer treten häufig verbindlicher und höflicher auf, wenn Frauen dabei sind“, sagt Voss. Er ermuntert junge Frauen ausdrücklich, einen Handwerksberuf zu ergreifen. Fehl am Platz könne es jedoch sein, den eigenen Minderheitenstatus permanent Kollegen unter die Nase zu halten. „Das könnte negative Gegenreaktionen hervorrufen.“

Mit Humor in bestimmten Situationen können Frauen ebenfalls überzeugen. Das gilt etwa, wenn die Kollegen sich fortlaufend das erzählen, was gemeinhin als Männerwitz gilt – um auszuloten, wann es der Frau in ihrem Kreise zu viel wird. Dann sollten sie nicht verschämt reagieren, sondern für solche Momente ebenfalls einen Männerwitz parat haben. Der Punkt geht dann in aller Regel an die Frau. Hat sie den Eindruck, dass sie von ihren männlichen Kollegen nicht hinreichend genug akzeptiert wird, sollte sie das offen gegenüber dem Vorgesetzten ansprechen.

Neben dem Maler- sowie dem Kfz-Handwerk gibt es auch andere Berufe, in denen Männer derzeit in deutlicher Überzahl sind. „Generell sind im Bausektor wenig Frauen vertreten“, erklärt Michael Assenmacher vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Wer sich als Frau für einen Bauberuf interessiert und
Karriere machen will, sollte Durchhaltewillen zeigen und sich nicht abschrecken lassen, wenn das erste Bewerbungsschreiben nicht gleich zum Ausbildungsplatz führt.

Praktikum absolvieren


Auch Hülsdonk sieht Vorteile, wenn es künftig mehr Kfz-Mechatronikerinnen als bisher gäbe. „Frauen sind häufig im kommunikativen Bereich ihren männlichen Kollegen deutlich voraus“, betont er. Diese Fähigkeit macht sich vor allem im Kundengespräch bezahlt.

Shari Müller hat für junge Frauen, die in einem als Männerdomäne geltenden Beruf eine Ausbildung absolvieren möchten, noch einen Ratschlag: „In jedem Fall vor
Ausbildungsbeginn ein Praktikum absolvieren, um zu gucken, ob einem die Tätigkeit auch wirklich liegt.“



Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.