Mehr Jugendliche mit HIV

Ein mehrere Meter hohes aufgeblasenes Kondom weist in Köln auf die HIV-Infektionsgefahr hin. Bild: dpa

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnt vor einem dramatischen Anstieg von HIV-Neuinfektionen bei Jugendlichen. Diese Zahl könne bis 2030 um fast 60 Prozent steigen.

New York/Manila/Hannover. Um diesen Wert könne die Zahl der Fälle steigen, wenn Jugendliche nicht besser aufgeklärt würden, heißt es in einem neuen Unicef-Bericht anlässlich des heutigen Welt-Aids-Tages. Auf den Philippinen ist etwa von einer "HIV-Epidemie" unter jungen Leuten die Rede. Hauptübertragungsweg sei ungeschützter Geschlechtsverkehr, betonte die Nationale Jugendkommission (NYC) des Landes.

Der Prognose von Unicef zufolge werden HIV-Neuinfektionen bei Jugendlichen weltweit voraussichtlich von 250 000 im Jahr 2015 auf jährlich fast 400 000 bis zum Jahr 2030 steigen. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) in Hannover infizieren sich jeden Tag zudem mehr als 5200 Erwachsene mit HIV - das seien 1,9 Millionen Menschen jährlich.

"Die Welt hat enorme Fortschritte in der globalen Anstrengung gemacht, Aids ein Ende zu setzen, aber der Kampf ist noch lange nicht vorbei - vor allem für Kinder und Jugendliche", sagte Unicef-Direktor Anthony Lake. "Alle zwei Minuten infiziert sich ein weiterer Jugendlicher - höchstwahrscheinlich ein Mädchen - mit HIV." Aids habe im Jahr 2015 das Leben von 41 000 Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren gekostet.

Besser aufklären


Weltweit gab es den Angaben zufolge im Jahr 2015 fast zwei Millionen HIV-infizierte Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren. Die am stärksten von HIV betroffene Region der Welt sei Afrika südlich der Sahara. Dort träfen in der Altersgruppe von 15 bis 19 Jahren drei von vier Neuinfektionen Mädchen. Der Unicef-Bericht hält effektivere Präventionsmaßnahmen und eine "umfassende Sexualerziehung" für dringend notwendig. Auch der Präsident von Missio München, Wolfgang Huber, mahnte mit Blick auf Afrika mehr präventive Maßnahmen an.

Papst Franziskus mahnte zu "verantwortungsvollem Handeln, um eine weitere Verbreitung dieser Krankheit zu verhindern". Er forderte auch eine bessere medizinische Versorgung für Aidskranke in Entwicklungsländern. "Millionen Menschen leben mit dieser Krankheit, aber nur die Hälfte von ihnen hat Zugang zu lebensrettenden Therapien", sagte er.

Die Nationale Jugendkommission (NYC) der Philippinen zeigte sich unterdessen "alarmiert" angesichts der steigenden Zahl von HIV-Infektionen bei jungen Menschen im Land. "Die HIV-Epidemie hat ein neues Gesicht - und das ist das Gesicht eines jungen Menschen", sagte NYC-Chefin Aiza Seguerra der Tageszeitung "Philippine Star" (Mittwoch). Bei Personen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren wurden den Angaben zufolge 62 Prozent aller Neuinfektionen in diesem Jahr diagnostiziert.

Die mehrheitlich katholischen Philippinen befinden sich unter den wenigen Ländern weltweit, in denen die Zahl der HIV-Infektionen weiterhin stark steigt. "Im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt nimmt die Aids-Epidemie auf den Philippinen rapide zu", warnte auch die Aidshilfe-Organisation der Vereinten Nationen (UNAIDS).
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