"#NichtEgal": Hassrede am Video-Pranger
YouTube startet Kampagne gegen Hass-Kommentare

Wer sich heute im Netz äußert - sei es per Video, Post, Tweet - läuft Gefahr, angefeindet zu werden. Dagegen will YouTube jetzt ein Zeichen für Demokratie und Toleranz setzen.

Berlin. Die Videoplattform YouTube hat eine Initiative gegen Hass im Internet gestartet. Unter dem Motto «#NichtEgal» soll damit online wie offline in Deutschland zu Mut, Courage und Respekt aufgerufen werden, wie das Google-Tochterunternehmen am Montag in Berlin zum Start der Kampagne mitteilte.

Unterstützt wird die Initiative unter anderem von 22 erfolgreichen deutschsprachigen Youtubern wie «SpaceFrogs», «Datteltäter», «Doktor Allwissend», «Bullshit TV», «DFashion», «DagiBee» und «DieLochis». In einem gemeinsamen Video-Statement rufen die YouTube-Stars zu mehr Engagement gegen Hassrede auf. Laut YouTube haben sie eine Gesamtreichweite von etwa zehn Millionen Abonnenten und wollen in eigenen Clips auf ihren Kanälen gegen «Hate-Speech» mobil machen.


200 Workshops mit rund 6.000 Schülern


Außerdem seien bundesweit in 40 Schulen etwa 200 Workshops mit rund 6.000 Schülern geplant. Dort sollten Schüler-Mentoren jüngeren Mitschülern vermitteln, wie sie mit Hass im Netz umgehen und sich für Demokratie und Toleranz einsetzen könnten, sagte die zuständige Leiterin für Verbraucher- und Jugendschutz bei Google Deutschland, Sabine Frank.

Wieviel YouTube sich die Kampagne kosten lässt, wollte das Unternehmen auf Nachfrage nicht sagen. Ein ähnliches Projekt soll demnächst in Großbritannien starten. Auch eine globale Kampagne gegen Hasskommentare sei geplant, sagte Unternehmenssprecher Henning Dorstewitz bei der Präsentation in Berlin. In Frankreich ist YouTube den Angaben zufolge bereits mit einer Kampagne gegen die Radikalisierung von jungen Muslimen präsent.

92 Millionen Inhalte entfernt


Im vergangenen Jahr wurden laut YouTube weltweit 92 Millionen Inhalte mit Hasskommentaren oder Gesetzesverstößen aus dem Internet entfernt. Aktuell würden 400 Stunden Videomaterial pro Minute auf YouTube hochgeladen, sagte Frank.

Die Schirmherrschaft über die Initiative #NichtEgal hat Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) übernommen. Partner sind unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung sowie die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter Berlin. Beide Institutionen haben Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte erstellt, in denen die Rolle von Demokratie, Umgang mit «Hate Speech» und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit behandelt werden. Außerdem geben sie Tipps etwa für die Produktion von Videos. Die Materialien sind kostenlos als Download erhältlich.

In den ersten Wochen will YouTube das Video mit dem Aufruf zur Beteiligung an der Kampagne häufiger auf der deutschen Startseite zeigen, hieß es. Schwesig fügte hinzu, «gegen den Hass im Netz brauchen wir eine Kultur gemeinsamer Verantwortung». Engagement und Gegenrede gegen Hass und Ausgrenzung müsse im Netz gestärkt werden.

Unterstützt wird #NichtEgal unter anderem von der Amadeu-Antonio-Stiftung, «Betterplace.org», der Jugendzeitschrift «Bravo», dem Grimme Institut und «jugendschutz.net».
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