Richtig reagieren lernen: Kindernotfall-Kurse für Großeltern
Wenn es drauf ankommt

In Kindernotfall-Kursen speziell für Großeltern lernen diese, was im Notfall zu tun ist: Wo man anruft, was geeignete Erste-Hilfe-Maßnahmen sind und auch, wie man sein Zuhause kindersicher gestaltet. (Foto: Universitätsklinikum Bonn/Harald Weller)
(tmn)

Was tun, wenn das Kind sich verschluckt? Wie geht man mit einer Verbrennung um? Solche Fragen machen Großeltern im Umgang mit Kindern unsicher. In speziellen Kursen lernen sie genau das: wie man bei Kindernotfällen richtig reagiert.

Im Alltag kann Kindern so einiges gefährlich werden: Die Tasse mit heißem Kaffee, die sie umkippen. Oder ein kleines Spielzeug, das sie verschlucken zum Beispiel. Wie reagiert man dann richtig? Diese Frage betrifft nicht nur Eltern, sondern auch die Großeltern. «Sie sind in der Betreuung viel mehr eingebunden als früher», sagt Till Dresbach vom Zentrum für Kinderheilkunde am Universitätsklinikum Bonn. Deshalb gibt er regelmäßig Kindernotfall-Kurse extra für Großeltern. Dort lernen jeweils rund 15 Großeltern in einem zweistündigen Kurs, was im Notfall zu tun ist: wo man anruft, was geeignete Erste-Hilfe-Maßnahmen sind und, wie man sein Zuhause kindersicher gestaltet, um Unfälle zu vermeiden.

Solche Kurse bietet auch die Fachkinderkrankenschwester für Intensivpflege und Heilpädagogin Tina Tappehorn an. Der Unterschied zu anderen Notfall-Kursen ist gar nicht so sehr inhaltlich. Vielmehr gehe es darum, dass sich viele im Umfeld anderer Großeltern eher trauen, mitzumachen und auch Fragen zu stellen, erklärt sie. Sind Eltern oder sogar die eigenen Kinder dabei, hätten die meisten Großeltern Hemmungen sich zu beteiligen, sagt Tappehorn.

Ein solcher Kurs sei für Großeltern durchaus sinnvoll, findet Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen. «Das gibt älteren Menschen mehr Sicherheit, und sie können vielleicht unbefangener mit ihrem Enkel umgehen», sagt sie. «Zwar haben viele einen Erste-Hilfe-Kurs beim Führerschein gemacht, aber im Laufe der Jahre vergisst man doch einiges.»

Und es hat sich in Sachen Erste Hilfe ein bisschen was getan. So hält sich - nicht nur unter Großeltern - wacker das Gerücht, Verbrennungen sollten mit Mehl bestäubt oder mit Quark oder Butter eingerieben werden. Bloß nicht, sagt Kinderarzt Dresbach. «10 bis 15 Minuten bei kaltem Wasser aus dem Hahn kühlen.» Bei Säuglingen sollten größere Verbrennungen oder Verbrühungen, die etwa nicht nur eine Hand oder einen Finger betreffen, nicht gekühlt werden, da sonst Unterkühlung droht. Hat auch die Kleidung etwa heiße Flüssigkeit abbekommen, sollte man sie so schnell wie möglich ausziehen - das gilt auch für die Windel, betont Dresbach.

Außerdem lernen die Teilnehmer in Dresbachs Kurs, das Kind ein wenig vorgebeugt zu halten und ihm auf den Rücken zu klopfen, wenn es etwas verschluckt und deshalb Atemprobleme hat. «So wird der Fremdkörper in die Mundhöhle transportiert», erklärt er. Hat das Kind etwa Medikamente oder Putzmittel verschluckt, sollte man den Giftnotruf wählen. Die Telefonnummer der jeweiligen Region sollten Großeltern sich am besten vorsorglich raussuchen und notieren.

Anderes wird im Kurs wieder aufgefrischt - etwa die Reanimation. Aus Angst, etwas falsch zu machen, fangen viele in einem Notfall gar nicht erst damit an, weiß Dresbach. Aber: «Gar nichts machen ist immer falsch.» Deshalb üben die Großeltern in den Kursen an der Uniklinik an Reanimationspuppen. Alles, was man schon mal getestet hat, macht man auch im Notfall viel eher. Und das ist das Ziel, das Dresbach mit den Kursen verfolgt: den Teilnehmern die Scheu nehmen.

Manche Großeltern sind vor dem Kurs sehr ängstlich im Umgang mit dem Enkel, weiß Tina Tappehorn. «Manche möchten gar nicht mit dem Kind alleine sein.» Andere wiederum bekommen einen Gutschein für einen Kurs geschenkt und wissen gar nicht, wofür das gut sein soll, erzählt sie. Nach den rund fünf Stunden seien die meisten aber froh, doch mitgemacht zu haben.

Bei ihr geht es in den Kursen neben Verhalten im Notfall zum Beispiel auch um Laufräder. Die kennen die Großeltern nämlich nicht von früher - und gehen - nichts böses ahnend - mit ihrem Enkel spazieren. «Und dann stellen viele fest, wie schnell die Kinder damit werden», sagt Tappehoren. So können leicht Unfälle passieren - vor allem wenn die Kinder das Bremsen nicht sicher beherrschen. Deswegen sollten Großeltern vorgewarnt sein und mit ihrem Enkel etwa im Garten oder im Hinterhof das Bremsen üben, bevor man zum großen Spaziergang aufbricht.

Angeboten werden solche Kurse auch von Organisationen, die Erste-Hilfe-Kurse im Programm haben, wie das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser, die Johanniter, der Arbeiter-Samariter Bund, aber auch von Kinderärzten, sagt Lenz.

Wer einen Kurs besuchen möchte, sollte sich vorher überlegen, welche Situationen man besonders fürchtet. Diese sollte man dann im Kurs unbedingt ansprechen, rät Lenz. Am besten erkundigen die Teilnehmer sich am Anfang, ob es ein Skript gibt. Falls nicht, sollten sie mitschreiben. Und wenn möglich, sollten beide Großeltern zum Kurs gehen, denn «vier Ohren hören mehr als zwei».
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