Schwimmer im weißen Anzug

Sicherheit im Bad hat für Horst Lindner oberste Priorität. Bild: mic

Andere schwitzen im Büro oder in der Fabrik, Horst Lindner genießt die Sonne. Der Chef des Freibads Windischeschenbach arbeitet dort, wo viele ihre Freizeit verbringen. Doch Aufsicht in einem Bad zu führen, bedeutet viel mehr, als braungebrannt gute Laune zu verbreiten.

Wer als Bademeister arbeiten will, muss nicht nur fit sein und schwimmen können, sondern auch außerhalb der Öffnungszeiten jede Menge Einsatz und Engagement zeigen.

Ist Bademeister eigentlich die richtige Berufsbezeichnung?

Horst Lindner: Naja, man sagt auch zu denen Bademeister, die den Beruf nicht erlernt haben, wie zum Beispiel zu einem Rettungsschwimmer, der gerade Aufsicht hat. Der Lehrberuf hieß früher Schwimmmeistergehilfe. Heutzutage ist das der Fachangestellte für Bäderbetriebe. Und der Meister für Bäderbetriebe.

Also ist nicht jeder in der Lage, über die Badegäste zu wachen.

Lindner: Nein, er muss rettungsfähig sein. Und das ist man, wenn man mindestens das Rettungsschwimmabzeichen in Silber abgelegt hat. Dazu gehört ein gültiger Erste-Hilfe-Kurs mit Reanimation und die Zertifizierung für den Defibrilator. So verlangt das der Gesetzgeber.

Was muss ein Rettungschwimmer können, um das Abzeichen in Silber zu schaffen?

Lindner: Auf jeden Fall besser schwimmen als der Durchschnitt. Dazu gehören Dinge wie Kraulen, Streckentauchen, keine Angst vor der Tiefe haben oder das Kleiderschwimmen.

Man springt in Jeans und T-Shirt ins Wasser?

Lindner: Nein, aber fast (schmunzelt). Es gibt einen speziellen Anzug aus weißem Jeansstoff, der sogenannte Drillingsanzug. Der entspricht ungefähr der Alltagskleidung.

Saugt sich dieser Anzug nicht mit Wasser voll?

Lindner: Doch, natürlich. Aber wer das Schwimmen mit Anzug geübt hat, schafft das locker. 300 Meter in 12 Minuten sind für einen guten Schwimmer kein Problem.

Wie oft sollte ein Rettungschwimmer trainieren, um fit zu bleiben?

Mehrmals die Woche. Wer Bademeister werden will, sollte es schaffen, die 1000 Meter unter 20 Minuten zu schwimmen. Das sagte meine Schwimmlehrerin Sandra Albrecht, die bereits mehrmals den Bodensee der Länge nach durchquert hat.

Aber mit Kondition alleine ist es nicht getan, oder?

Lindner: Auch die verschiedenen Befreiungsgriffe, das Schleppen und Ziehen eines Verunglückten oder das an Land ziehen sollten regelmäßig geübt werden. Die Übungen müssen einem in Fleisch und Blut übergehen.

Ich kann mich nicht erinnern, dass es in Windischeschenbach seit Bestehen des Freibads einen tödlichen Badeunfall gegeben hat.

Lindner: Das ist richtig. Die Vorteile eines Freibades liegen klar auf der Hand. Im Gegensatz zu einem Weiher ist das Wasser klar. Man sieht sehr schnell, wenn jemand Probleme bekommt und kann reagieren.
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