So wird die Hochzeit zum wahren Fest – Paare sollten ein Jahr vor Termin mit Vorbereitungen beginnen – Mit Profi muss Chemie stimmen
Mit Profi-Planer oder allein

Ob mit oder ohne Hochzeitsplaner: Für Braut und Bräutigam soll es der schönste Tag im Leben werden. (Foto: dpa/ Westend61/Raba)
(dpa/tmn)

Es war am Abend vor der Hochzeit, als doch noch etwas schiefzugehen drohte: das weiße Zelt, gedacht für das Büfett, wurde vom Wind gepackt und hob ab. Das war der einzige Moment, in dem Jutta Handrup Zweifel kamen, ob alles klappen würde. Monatelang hatte sie mit der Hilfe von Freunden und Verwandten ihre Hochzeit vorbereitet. Die Location gestaltet, die Dekoration entworfen, Kuchen gebacken und Einladungen verschickt. Sie hat alles selbst gemacht – manche Paare wünschen sich aber auch einen Profi an ihrer Seite.

Handrup heiratete im Juni 2012. „Wir haben bei meinen Eltern auf dem Hof in einer Scheune gefeiert.“ Besonders die Dekoration lag ihr am Herzen. Inzwischen teilt sie Deko-Tipps – etwa für Hochzeiten – auf ihrem Blog. Sie versteht aber auch, dass das nicht jedem Spaß macht.

Perfekte Organisation


Wer sich für einen Hochzeitsplaner entscheidet, kann die komplette Organisation abgeben, sagt Bettina Funke Redlich, Sprecherin beim Bund deutscher Hochzeitsplaner. Die Paare können auch einzelne Leistungen buchen, etwa wenn sie Beratung bei der Location brauchen oder Musiker suchen.

„Ein Hochzeitsplaner ist für Paare empfehlenswert, die viel Wert auf eine perfekte Organisation ihrer Feier legen“, sagt die Expertin. Und für Paare, die außerhalb von Hotels oder Restaurants feiern. „Paare, die sich eine Location buchen, in der alles organisiert werden muss – vom Caterer über die Möbel
und die gesamte Infrastruktur.“

Alexandra Dionisio ist selbst Hochzeitsplanerin und hat ein Buch geschrieben, in dem sie Paaren Tipps gibt. „Jeder kann seine eigene Hochzeit organisieren“, sagt sie. „Viele Paare haben unglaublich viel Spaß daran, dieses besondere Ereignis gemeinsam zu planen und Schritt für Schritt darauf hinzuarbeiten.“

Bei den Planungen einen Mittelweg zu finden, steht meiner Meinung nach sehr symbolisch für die Kompromisse, die Braut und Bräutigam im Laufe der Ehe auch weiterhin schließen müssen.Alexandra Dionisio, Hochzeitsplanerin

Wichtig sei, sich genug Zeit zu nehmen – besonders wenn beide berufstätig sind. Dann empfiehlt Dionisio, rund ein Jahr vor dem großen Tag mit den Planungen zu beginnen.

Ein häufiger Fehler bei der Planung ist, kleine Hochzeiten zu unterschätzen. Auch eine kleine, intime Hochzeit mit wenigen Gästen sei aufwendig, sagt Dionisio. Ganz wichtig ist, dass die Paare miteinander offen über die Hochzeit sprechen. „Wie genau soll er aussehen, der schönste Tag im Leben? Wie hoch soll das Budget sein?“

Symbolischer Mittelweg


Manchmal stellen Paare erst im Lauf der Planungen fest, dass ihre Vorstellungen weit voneinander entfernt sind. „Hierfür einen Mittelweg zu finden, steht meiner Meinung nach sehr symbolisch für die Kompromisse, die Braut und Bräutigam im Laufe der Ehe auch weiterhin schließen müssen“, sagt die Buchautorin.

Aber manchen Paaren graut es vor der Organisation. Wichtig ist, sich zuerst ein
Budget zu setzen und dieses durch exakte Buchhaltung immer im Blick zu behalten. Wer einen „Wedding Planner“ engagiert, muss das natürlich in der Budgetplanung berücksichtigen. „Für einen perfekten Service sollte man ab 3000 Euro rechnen“, sagt Funke-Redlich. Generell komme es aber auf die individuellen Wünsche des Brautpaars an.

Wer sich für professionelle Hilfe entschieden hat, steht vor der nächsten Frage: Wer ist der richtige Hochzeitplaner für uns? Da sollte man auf sein Bauchgefühl hören, rät Autorin Dionisio. „Treffen Sie sich mit mindestens zwei, im Idealfall sogar drei Anbietern und lassen Sie sich deren Portfolio zeigen.“

Das Paar sollte darauf achten, welche Fragen der Wedding Planner beim ersten
Treffen stellt: „Er oder sie sollte versuchen, Sie so gut es geht kennenzulernen.“ Nur wenn die Chemie stimmt, fühlen sich Braut und Bräutigam in guten Händen. Jemand, der dagegen nur von sich, seinen Leistungen und prunkvollen Hochzeiten erzählt, sei vielleicht weniger gut geeignet, Verständnis für das Brautpaar zu entwickeln.

Viele Gespräche


Nach einem ausführlichen Beratungsgespräch schlägt der Planer zuerst eine Location vor. Anschließend entwickelt er anhand der Wünsche des Paares ein Hochzeitskonzept und ein Angebot im gewünschten Budgetrahmen. „Danach folgen die Detailplanung und viele Beratungsgespräche“, erklärt Funke Redlich.

Etwa zwei Wochen vor dem großen Tag folgt ein Regiegespräch. Dabei wird der
Hochzeitstag mit allen Facetten theoretisch durchgespielt, erläutert die Expertin. Die Trauung ist der erste große Moment – dabei seien die Paare sehr aufgeregt. Und dabei wird es auch für den Planer ernst: „Er schickt die Gäste in die Kirche, bittet den Bräutigam zum Altar, nimmt die Ringe entgegen und legt sie auf den Altar, ruft das Brautfahrzeug, übergibt den Brautstrauß und richtet die Schleppe.“

Auch später am Tag ist es Aufgabe des „Wedding Planners“, etliche Abläufe zu koordinieren. Und wenn mal etwas schiefgeht, springt er ein – im besten Fall so, dass die Gäste gar nichts von dem Missgeschick mitbekommen. Klassische Fauxpas: ein zu spät kommender DJ, ein im Hotel liegen gebliebener Brautstrauß, ein Riss im Brautkleid oder ein vergessener Gast in der Sitzordnung.

Ganze Familie half mit


Das alles war kein Problem auf der Hochzeit von Jutta Handrup. Etwa die Blumendekoration machte sie zusammen mit ihrer Mutter. Und die ganze Familie half dabei, die Scheune auf Hochglanz zu bringen. „Die Vorbereitungszeit war schön. An den Wochenenden haben wir alle zusammen vor der Scheune gesessen, Kaffee getrunken und alles geplant“, erzählt die Bloggerin.

Viele Paare haben unglaublich viel Spaß daran, dieses besondere
Ereignis gemeinsam zu planen und Schritt für Schritt darauf hinzuarbeiten.Alexandra Dionisio, Hochzeitsplanerin

„Und als ich dann am Hochzeitstag alles gesehen habe, war es so schön, diese Gemeinschaftsleistung zu sehen.“ Aber sie sagt auch: Die Dekoration und Co. rückten am Tag selbst in den Hintergrund. „Das Wichtigste ist, dann die Planungsgedanken erst mal abzulegen und die Hochzeit zu genießen.

Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.