Vorwurf: Betrug in Millionenhöhe
Staatsanwaltschaft verlangt Haftstrafe für Laborchef Bernd Schottdorf

Bernd Schottdorf. Bild: dpa

Im Prozess um angeblichen Abrechnungsbetrug durch die Laborunternehmer Schottdorf verlangt die Staatsanwaltschaft Gefängnis für die beiden Angeklagten. Die Verteidiger sehen keine Straftaten und wollen einen Freispruch. Nun muss das Gericht entscheiden.

Augsburg. (dpa) Bei Laborabrechnungen soll ein Unternehmerpaar Betrug in Millionenhöhe begangen haben - nun fordert die Staatsanwaltschaft je viereinhalb Jahre Haft für das Ehepaar Schottdorf. Die Verteidiger von Laborarzt Bernd Schottdorf (75) und dessen mitangeklagter Ex-Ehefrau Gabriele Schottdorf (61) beantragten am Montag vor dem Landgericht Augsburg hingegen Freisprüche für ihre Mandanten. Das Urteil soll an diesem Mittwoch verkündet werden.

Die Staatsanwaltschaft sieht nach dem vier Monate langen Prozess einen von den Schottdorfs begangenen gewerbsmäßigen Betrug in 124 Fällen. Bernd Schottdorf sei Planer gewesen, seine frühere Partnerin habe dies dann ausgeführt, sagte Staatsanwältin Simone Bader am Montag vor dem Landgericht Augsburg. Die Schottdorfs sollen laut Anklage ein bundesweites Netz mit scheinselbstständigen Labors betrieben haben, um Laborleistungen im Wert von knapp 79 Millionen Euro zu teuer abrechnen zu können und vorgeschriebene Rabatte zu umgehen.

Dem gesetzlichen Kassensystem soll dadurch ein Schaden von fast 13 Millionen Euro entstanden sein. Das Dienstleistungsunternehmen der Schottdorfs soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft deswegen auch zu einer Geldbuße von rund 15,8 Millionen Euro verurteilt werden.

In dem Prozess ging es darum, ob der Augsburger Dienstleister die Ärzte in den Labors in Bochum, Hamburg, Mainz und anderen Orten von 2004 bis 2007 als leitende Angestellte beschäftigte oder ob die Mediziner in der Praxis selbstständige Unternehmer waren. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es keine wirklichen Unternehmer waren und es sich nur um ein Scheinmodell handelte, um die vom Gesetzgeber beschlossene Rabattpflicht zu umgehen.

Unstrittig ist, dass es einen sehr weit reichenden Vertrag zwischen dem Schottdorf-Unternehmen und den Ärzten gab. Der Dienstleister kümmerte sich weitgehend um den täglichen Ablauf in den Labors. Letztlich sei das Modell aber nicht verboten gewesen, sagte Verteidiger Martin Imbeck. Sein Kollege Klaus Leipold betonte, dass bei der Gestaltung der Verträge penibel darauf geschaut wurde, ob die Vereinbarungen verboten sind. «Man wusste ganz genau, dass die Staatsanwaltschaft ein Auge auf die Schottdorfs wirft.»

Bernd Schottdorf stand bereits im Jahr 2000 wegen ähnlicher Vorwürfe vor Gericht, wurde damals aber freigesprochen. Mit Vorwürfen gegen ihn und andere Mediziner beschäftigt sich derzeit auch ein Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags. Dabei geht es aber um andere Abrechnungsfälle als in dem Prozess.
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