Wann sich ein Arzt die Ursachen genauer ansehen sollte
Hilfe, mein Kiefer knackt!

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Wer beim Kauen oder Gähnen unter Kieferknacken leidet, der hat mitunter das Gefühl, die ganze Welt würde ihn angesichts dieser lauten Geräuschkulisse anstarren. Dabei ist dies ein subjektiver Eindruck, denn das Knackgeräusch empfindet lediglich der Betroffene selbst als laut – befindet sich der Kiefer doch direkt neben dem Ohr. In den allermeisten Fällen ist Kieferknacken völlig normal, allerdings: Sollten Symptome wie Schmerzen im Kieferbereich oder Bewegungseinschränkungen des Unterkiefers hinzukommen, könnte es sich um eine behandlungsbedürftige Fehlfunktion im Zahn- und Kieferbereich handeln.

Knacken durch Knorpelscheibe


Die gute Nachricht vorweg: Wer unter Kieferknacken leidet, der ist nicht alleine – rund ein Drittel der Bevölkerung hat Geräusche in den Kiefergelenken. Der Grund hierfür ist simpel, ist der Kiefer doch letztendlich ein ganz gewöhnliches Gelenk wie beispielsweise das Knie. Und alle menschlichen Gelenke haben die Gemeinsamkeit, dass sie äußerst komplex aufgebaut sind und bei unterschiedlichen Bewegungen Geräusche von sich geben. Im Falle des Kiefergelenkes gibt es sehr viele Bewegungsvarianten, alleine das simple Öffnen des Mundes bewirkt eine Bewegung des Unterkiefers und somit eine Veränderung des Gelenkkopfes in der Gelenkgrube. Eigentlich sollte der Gelenkkopf, der durch eine Knorpelscheibe – den sogenannten Diskus – von der Gelenkgrube getrennt ist, beim Öffnen zusammen mit dem Diskus nach vorne gleiten. Oftmals ist es allerdings so, dass dieser bereits ohne Gelenkkopf nach vorne rutscht. Letzterer folgt dann mit Verzögerung und das Aufrutschen auf die Knorpelscheibe verursacht schließlich ein Knacken.

Wann ein Besuch beim Zahnarzt ratsam ist Kieferknacken ist in den meisten Fällen harmlos – dennoch gibt es Symptome, die in Zusammenhang mit Knackgeräuschen im Kiefer von einem Zahnarzt beziehungsweise Kieferorthopäden abgeklärt werden sollten:

• Schmerzen in den Gesichts- und Kaumuskeln

• Bewegungseinschränkungen des Unterkiefers

• Schwellungen im Kieferbereich

• psychosoziale Beeinträchtigungen durch das Kieferknacken

Zähneknirschen als Ursache


Warum beim einen der Kiefer knackt und beim anderen nicht, das kann genetische Ursachen haben – infrage kommt auch ein früherer Unfall, zudem ist Zähneknirschen als Auslöser denkbar. Wer nachts beim Schlafen mit seinen Zähnen intensiv mahlt, wacht am nächsten Morgen wahrscheinlich mit einer verhärteten oder verspannten Kiefermuskulatur auf. Fast jeder Fünfte knirscht nachts mit den Zähnen und schleift durch das immerwährende Malmen sein Gebiss ab, außerdem werden die Kiefergelenke stark überlastet. Neben der Schädigung der Zähne kann Bruxismus, wie die Experten dazu sagen, auch zu Schmerzen in Kopf und Rücken führen. Das Malmen mit den Zähnen sollte alles andere als verharmlost werden, denn beim Zähneknirschen kommt es nicht selten zu einem Druck von bis zu 150 Kilogramm, der aufgebaut wird. Ein Druck, dem weder Zähne, Kiefergelenk noch Muskeln auf Dauer ohne Schäden standhalten können. Sogar harter Zahnschmelz kann in Mitleidenschaft gezogen werden. Was gegen Zähneknirschen getan werden kann, siehe extra Textkasten „Was tun gegen Zähneknirschen?“

Frauen sind von Kieferknacken übrigens weitaus häufiger betroffen als Männer, ein Grund hierfür ist das schwächere Bindegewebe, in dem die Knorpelscheibe befestigt ist.

Was tun gegen Zähneknirschen?Zähneknirschen lässt sich für einen Zahnarzt relativ leicht diagnostizieren, denn die fein geschmirgelten Flächen glänzen viel stärker als der Rest des Zahns. Gegen Bruxismus kann Einiges getan werden. Eine sogenannte Aufbiss Schiene kann Hilfe leisten – dabei handelt es sich um einen durchsichtigen Überzug aus Kunststoff, der entweder industriell vorgefertigt ist oder vom Zahnarzt individuell angepasst wird. Das Prinzip ist denkbar einfach: Die Schiene wird nachts über die Zähne gelegt, der Druck verringert sich, die Kieferbewegungen werden somit gebremst – bedingt durch den Widerstand, den die Schiene ausübt.

Viele Mediziner gehen inzwischen davon aus, dass das Zähneknirschen psychische beziehungsweise stressrelevante Ursachen hat. Entsprechend sind Entspannungsmethoden wie Biofeedback und Autogenes Training von
nachhaltigem Erfolg. Untersuchungen von Probanden haben belegt, dass nach rund zwölf Wochen mit Entspannungsübungen das Knirschen weniger geworden oder ganz ausgeblieben ist.
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