Was sich nach der Hochzeit alles ändert – Neuvermählte müssen sich um zahlreiche Formalitäten kümmern – Wichtige Vorteile und Baustellen
Vom Namen bis zur Rente

Der Ring am Finger der Braut besiegelt die Hochzeit – und damit auch eine ganze Reihe von rechtlichen, finanziellen und steuerlichen Veränderungen. (Foto: Archivbild: dpa/ Andrea Warnecke)
 
Nach der Hochzeit kann es sich durchaus lohnen, die Steuerklasse zu wechseln. (Foto: dpa/ Andrea Warnecke)
(dpa/tmn)

Nach dem Gang zum Traualtar kommt der Gang zu den Behörden. Vom Bankkonto über die Versicherungen bis zum Mietvertrag ändert sich mit der Hochzeit einiges. Vieles davon hat seine Vorteile, gleichzeitig gibt es für Frischvermählte aber auch einiges zu erledigen. Die wichtigsten Vorteile und Baustellen im Überblick.

■ Neue Rechte:


Auskunft im Krankenhaus, Pakete annehmen, Vollmachten schreiben? Viele glauben, dass die Hochzeit an solchen Stellen das Leben erleichtert. „Eine rechtliche Grundlage gibt es dafür eigentlich nicht“, sagt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht.

Es kann aber trotzdem sein, dass eine Ehefrau im Krankenhaus leichter Informationen über ihren Mann bekommt als eine Lebensgefährtin. „Für das Krankenhaus ist es damit leichter, zu sehen, dass da tatsächlich eine Beziehung besteht.“

■ Der neue Name:


Wer nach der Hochzeit anders heißt, muss seinen Personalausweis schnellstmöglich ändern lassen. Beim Führerschein gibt es keine Änderungspflicht – bei den Fahrzeugpapieren aber schon. Und natürlich müssen auch alle anderen Dienstleister, Vertragspartner, Versicherer und so weiter den neuen Namen kennen.

Soziale Netzwerke haben für die Namensänderung nach der Hochzeit eigene Funktionen. Und die alte E-Mail-Adresse lässt sich so einrichten, dass sie Post automatisch an die neue weiterleitet.

■ Steuern:


Durch die Hochzeit rutschen Arbeitnehmer in eine andere Lohnsteuerklasse. Der Wechsel von Klasse eins zu Klasse vier ändert zunächst aber nichts. „Das ist nur eine neue Bezeichnung“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Für Paare mit großen Unterschieden beim Einkommen lohnt es sich aber, in die Steuerklassen drei und fünf zu wechseln. Die Entscheidung muss aber nicht sofort fallen, Frischvermählte können damit bis zur Steuererklärung warten. Die geben Ehepaare gemeinsam oder getrennt ab.

Die Zeiten, in denen Frauen nur mit Erlaubnis des Ehemanns arbeiten durften, sind ja zum Glück vorbei.Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht

■ Der Arbeitgeber:


Arbeitnehmer müssen ihre Heirat oft dem Chef mitteilen. „Entsprechende Regelungen gibt es in fast jedem Arbeitsvertrag“, sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Selbst ohne gilt: Alles, was für die Gehaltsabrechnung relevant ist, muss der Arbeitnehmer wissen. Dazu gehört auch der Wechsel der Steuerklasse. Sonst ändert sich für Verheiratete im Job kaum etwas. „Die Zeiten, in denen Frauen nur mit Erlaubnis des Ehemanns arbeiten durften, sind ja zum Glück vorbei“, so Oberthür.

■ Die Altersvorsorge:


Änderungen gibt es durch die Hochzeit vor allem bei der privaten Altersvorsorge. Für die Riester-Rente reicht es zum Beispiel, wenn nur ein Ehepartner förderberechtigt ist: Damit hat der andere automatisch Anspruch auf Zuschüsse vom Staat, erklärt die Deutsche Rentenversicherung Bund.

Um sich gegenseitig abzusichern, können Ehepaare außerdem eine gemeinsame Risikolebensversicherung abschließen. Laut Bund der Versicherten lohnt sich das aber in der Regel nur für kinderlose Paare. Wer Kinder hat, ist demnach mit zwei getrennten Versicherungen besser bedient.

■ Die Wohnung:


Wer vor der Hochzeit schon zusammenwohnt, muss sich nach der Hochzeit um kaum etwas kümmern. Wichtig ist nur, einen neuen Namen dem Stromversorger und anderen Providern mitzuteilen, etwa fürs Telefon. Wer jetzt erst zusammenzieht, muss zudem den Vermieter darüber informieren.

"Der kann dagegen aber keinen Einspruch erheben“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Das gelte für verheiratete ebenso wie für andere Paare. Außerdem lohnt sich ein Blick in die Nebenkostenabrechnung: Wird die nach Personen aufgeteilt, steigt durch das Zusammenziehen die Warmmiete.


■ Das Konto:


Mit der Hochzeit bekommen Frischvermählte nicht automatisch Zugriff auf das Bankkonto ihres Ehepartners. „Sie können Ihrem Ehepartner aber bei der Bank eine Vollmacht ausstellen“, erklärt Thomas Schlüter vom Bankenverband. Der Partner bekommt dann auch eigene Karten und Zugriff aufs Online-Banking.

Alternativ legen sich Eheleute ein gemeinsames Konto an. Die praktischste Variante ist das Oder-Konto, mit dem beide unabhängig voneinander Zugriff haben.

■ Versicherungen:


Wer nur wenig oder gar kein Geld verdient, kann sich in der gesetzlichen Krankenversicherung eventuell über den Ehepartner mitversichern. In einer privaten Krankenversicherung zahlt dagegen jeder eigene Beiträge, erklärt der
Bund der Versicherten.

Viele weitere Policen wie Haftpflicht-, Hausrat- oder Rechtsschutzversicherung
brauchen Ehepaare nur einmal. Doppelte Versicherungen lassen sich nach der
Hochzeit daher getrost kündigen. Und auch bei anderen Versicherungen, etwa für das Auto oder gegen Berufsunfähigkeit, gibt es durch die Hochzeit eventuell Änderungen – Nachfragen lohnt sich.

■ Hartz IV, Bafög,Kindergeld, Rente:


Viele Bezüge wie das Arbeitslosengeld I oder das Kindergeld ändern sich durch die Hochzeit nicht. „Die bekommen Sie ja nicht wegen Ihrem Familienstand,
sondern zum Beispiel wegen Ihrer Arbeitsleistung“, sagt Anwältin Becker.

Anders ist es bei Sozialleistungen wie Hartz IV: Hier bilden Eheleute eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft. Reicht deren Einkommen zum Leben aus, gibt es eventuell kein Geld vom Staat. Das hat mit der Hochzeit aber eigentlich nichts zu tun. Denn auch Lebensgefährten, die zusammenleben, sind in der Regel eine Bedarfsgemeinschaft.

■ Kinder:


Bringt einer der Eheleute Kinder aus anderen Beziehungen mit, hat der Partner
deswegen zunächst keine Rechte oder Pflichten. Er kann die Kinder aber adoptieren. „Die rechtlichen Voraussetzungen dafür sind die gleichen wie sonst auch“, sagt Becker.

„Bei der Beurteilung durch die Behörden kann die Ehe aber helfen.“ Theoretisch
können die Kinder auch den bei der Hochzeit gewählten Familiennamen annehmen – dem muss der andere Elternteil aber zustimmen.



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