Wenn Kopfweh die Lebensqualität einschränkt
Schmerz, lass nach

(Foto: Fotolia)
 
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Wer immer wieder unter Kopfschmerzen leidet, für den ist es freilich wenig tröstlich, dass er dieses Schicksal mit 54 Millionen Menschen in Deutschland teilt. Denn chronischer Kopfweh belastet das Leben schwer – ja, kann sogar dazu führen, dass der Alltag nicht mehr bewältigt werden kann. Die beiden häufigsten Arten von Kopfschmerzen sind Migräne und Spannungskopfschmerz, wobei letzterer mit knapp 90 Prozent die Migräne noch bei weitem übertrifft. Insgesamt unterscheiden Fachleute sogar über 200 verschiedene Formen von Kopfschmerzen.

Jeder Leidgeplagte kennt das: Starke Kopfschmerzen machen das Leben zur Tortur. Wer an Migräne oder Spannungskopfschmerz leidet, für den ist ein geregelter Alltag während der akuten Phase kaum möglich. Das Leben steht still, ist gelähmt vom Schmerz – alles ist geprägt von dem Wunsch: Schmerz, lass nach. Die Formen von Kopfschmerzen sind so vielfältig wie die Ursachen, Symptome und Therapien. Kopfschmerzen werden grundsätzlich in zwei Gruppen eingeteilt: in primäre, also selbstständige, die keiner Ursache zuzuordnen sind – und nichtprimäre, die als Folge von Krankheiten auftreten. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 54 Millionen Deutsche entweder chronisch oder anfallsweise unter Kopfschmerzen leiden, wobei der Spannungskopfschmerz und die Migräne am häufigsten vorkommen. Warum es zu ei-ner Migräne, also zu einer attackenweise auftretenden Störung in der Schmerzverarbeitung mit Übelkeit und erhöhter Lichtempfindlichkeit kommt, ist nicht endgültig geklärt. Als mögliche Ursachen kommen Stress, Schlafmangel, unregelmäßige Lebensweise, Reizüberflutung, bestimmte Wetterlagen oder Veranlagung in Frage. Um diese auslösenden Faktoren eingrenzen zu können, raten Experten Betroffenen, ein Kopfschmerz-Tagebuch zu schreiben. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen lassen sich gezielte Therapiestrategien erarbeiten.

Migräne tritt meistens bei Erwachsenen auf, etwa acht Prozent aller Männer und 14 Prozent aller Frauen leiden darunter. Bezeichnend für Migräne sind pulsierende Kopfschmerzen, typischerweise lokal auf einer Kopfhälfte. Bei rund 20 Prozent kündigt sich eine Migräne im Vorfeld durch bestimmte Symptome wie beispielsweise Sehstörungen, Lichtblitze und Taubheitsgefühle an. Neurologen stellen bei Migränepatienten eine übermäßig starke Aktivität einiger Nervennetze fest, außerdem eine Veränderung des Stoffwechsels, insbesondere des Botenstoffs Serotonin.

Medikamente haben sich sowohl als Prophylaxe als auch in der Akutphase bewährt. Die Wirkstoffe Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac, Acetylsalicylsäure lindern in erster Linie Entzündungen, Schmerzen und Übelkeit. Bei schweren Migräneanfällen können Triptane helfen, die in den Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin eingreifen und verengte Blutgefäße weiten. Allerdings ist es wichtig, sich mit seinem Arzt zu beraten, denn eine zu häufige Einnahme in falscher Dosis kann in die Medikamenten-Abhängigkeit führen. Vielmehr kommt es darauf an, bei Migräne aktive Selbsthilfe zu praktizieren: Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen zu erlernen, Ausdauersport zu betreiben – zudem Akupunktur als Behandlungsmethode zu nutzen. Auch eine Verhaltenstherapie kann helfen, wenn dadurch auslösende Faktoren vermieden oder herabgesetzt werden können.

Neben der Migräne gibt es weitere häufig auftretende primäre Kopfschmerzen wie zum Beispiel stechenden Kopfschmerz, bei dem blitzartig Schmerzen an wechselnden Stellen des Schädels ohne weitere Begleitsymptome auftreten. Verbreitet sind auch Anstrengungskopfschmerz und schlafgebundener Kopfschmerz. Während beim zuerst Genannten die Kopfschmerzen bei körperlicher Belastung auftreten, sind vor allem ältere Menschen während der Nacht von teils heftigen Kopfschmerzen geplagt.

Den wohl bekanntesten sekundären Kopfschmerz dürfte jeder Mensch schon einmal erlebt haben – vorzugsweise im Winter. Dann nämlich, wenn eine Erkältung das Immunsystem lahm gelegt hat. Eine Erkältung kommt selten ohne Kopfschmerzen daher. Diese verschwinden allerdings wieder, wenn der grippale Infekt überstanden ist. Und in der Zwischenzeit helfen Medikamente gut, die Beschwerden auf ein Minimum zu reduzieren. Sekundäre Kopfschmerzen treten in den meisten Fällen jedoch schon sehr viel früher auf: im Kindesalter. Wenn typische Infektionskrankheiten ausbrechen, werden diese hauptsächlich von Husten, Fieber und Kopfschmerzen begleitet.

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Ursachen für sekundäre Kopfschmerzen: Als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas zum Beispiel, aber auch und gerade als Nebenwirkung von Medikamenten. Erkrankungen von Hals, Zähnen, Augen, Nase und Nasennebenhöhlen werden ebenfalls oft von Kopfschmerzen gegleitet. Grundsätzlich gilt: Wer regelmäßig von Kopf-schmerzen geplagt ist, sollte die Ursachen von einem Arzt abklären las-sen. Gemeinsam lässt sich dann eine individuelle Therapie entwickeln – denn so unterschiedlich die Schmerzen sind, so persönlich und komplex verhält es sich auch mit den Entstehungsgeschichten.

Hilfe in akuten Fällen

Es gibt eine Reihe von „Hausmitteln“, die gegen akute Kopf-schmerzen helfen – wir haben einige davon zusammengestellt:

Machen Sie einen Spaziergang

Manchmal hilft es schon, ein paar Schritte an der frischen Luft zu gehen, denn die Frischluftzufuhr versorgt den Kopf mit ausreichend Sauerstoff und gibt neuen Elan. Allerdings: Bei Migräne wirkt ein Spaziergang kontraproduktiv, da dieser die Bechwerden meist noch verschlimmert.

Trinken Sie starken Kaffee

Linderung kann Kaffee verschaffen: Denn Kaffee, besonders starke Sorten wie Espresso oder Mocca, steigert die Durchblutung des Gehirns, Schmerzen werden dadurch reduziert. Menschen die ansonsten wenig Kaffee trinken, profitieren stärker von diesem Effekt.

Nutzen Sie einen kalten Waschlappen

Simpel, aber effektiv: Legen Sie sich einen kalten Waschlappen auf die Stirn – ein ruhiger, abgedunkelter Raum begünstigt die wohltuende Wirkung. Alternativ können Sie Ihren Kopf auch kurz unter kaltes Wasser halten.

Essen Sie ausreichend

Neben ausreichendem Trinken ist es wichtig, genug zu essen, um Kopfschmerzen vorzubeugen. Denn wenn der Blutzuckerspiegel absinkt, kann dies zu Kopfschmerzen führen. Vor allem eignen sich Vollkornprodukte, da diese den Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum stabil halten.

Entspannen Sie

Kündigen sich Kopfschmerzen schleichend an, ist es wichtig, schon bei den ersten Anzeichen auf Entspannungsmodus zu schalten: Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung eignen sich sehr gut, um schnell und effektiv in den Entspannungsmodus zu gelangen; und so Kopfschmerzen aktiv entgegenzuwirken.

Massieren Sie Ihre Schläfen

Schnell und effektiv kann eine Selbstmassage helfen: Mit leichtem Druck langsam über die schmerzende Stelle kreisen, das entspannt und kann den Schmerz im wahrsten Sinne vertreiben.

Trinken Sie viel

Ein Flüssigkeitsmangel macht sich in erster Linie durch Kopfschmerz bemerkbar. Wenn der Körper ausreichend Flüssigkeit hat, wird das Blut nicht dick und die Zellen sind mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Über den Tag verteilt dürfen es ruhig zwei Liter sein, vorzugsweise Wasser.
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Maria Linhardt aus Zell | 18.06.2016 | 17:24  
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