Wie natürliche Arzneien aus der „Baumapotheke“ helfen können
Husten, Fußpilz, schlechter Schlaf…

All das ist Medizin. (Foto: Madsen)
 
Statt Kaffeebohnen: Eicheln helfen gegen Darmentzündung. (Foto: Madsen)
(Manuela Madsen)

Seit Tausenden von Jahren bedienen Menschen sich der Heilmittel aus der Natur. Wir in der Oberpfalz haben Dank unserer Wälder eine ganz große Auswahl davon – in Form unserer Bäume. Viele Heilmittel aus der Natur sind leider in Vergessenheit geraten. Hier soll aber einiges wieder in Erinnerung gebracht werden.

Der Weißdorn gilt als bekanntes Herzheilmittel. Da er gefäßerweiternd wirkt, kann man mit seiner Hilfe Bluthochdruck in den Griff bekommen. Hierfür werden vorwiegend Blüten, aber auch Blätter im Frühjahr gesammelt und mit heißem Wasser übergossen als Tee getrunken. Die Dosierung lautet zwei Teelöffel Blüten und Blätter auf eine Tasse Wasser. Weißdorn-Tee ist außerdem auch ein bei nervös bedingten Schlafstörungen hilfreiches Getränk.

Später im Jahr werden die Früchte des Weißdorns geerntet und gemischt mit Schachtelhalm gegen Arterienverkalkung eingesetzt. Dazu die Früchte und den Schachtelhalm zusammen kurz aufkochen, zehn Minuten ziehen lassen und davon drei Tassen pro Tag trinken.

Der Birke sagt man grundsätzlich blutreinigende Wirkung nach. Auch können bestimmte Teile des Baumes entzündungshemmend und antibakteriell wirken. Hierfür wird beispielsweise die Rinde als Tinktur angesetzt. Bei Gicht und Arthritis bzw. Wasseransammlungen hilft Birkenblätter-Tee. Dafür zwei Teelöffel Blätter oder Blattknospen auf eine Tasse heißes Wasser. Davon zwei- bis dreimal täglich trinken. Dies kann auch den Harnsäure-Spiegel im Blut senken. Der Grund hierfür ist vor allem von die harntreibende Wirkung in den Blättern. Besonders ergiebig ist der Birkensaft, den man durch Anzapfen der Birke gewinnen kann.

Unsere gewöhnliche Eberesche, auch als Vogelbeere bekannt, hilft bei Magen-Darm-Beschwerden, aber auch bei Halsschmerzen und Bronchitis. Sie hat eine keimhemmende, immunstärkende Wirkung vor allem in den Blüten und Früchten. Die Früchte darf man jedoch nicht roh verzehren. Sie sind nicht giftig, enthalten aber Parasorbinsäure, die zu Magenproblemen führen kann.

Gekocht wiederum wirken die Früchte als wahre Vitamin C-Bombe aufbauend nach langer Krankheit oder auch vorbeugend in den Wintermonaten. Ein gesunder Tipp hier ist auch Vogelbeeren-Marmelade.

Blätter und Blüten der Eberesche werden frisch oder getrocknet als Tee getrunken. Auch hier gilt Dosiermenge zwei Teelöffel auf 250 Milliliter heißes Wasser.

Die uns bekannte Eiche kann bei Hautunreinheiten helfen. Bei Ekzemen oder schlecht heilenden Wunden kann sie die Heilung fördern. Fußpilz kann der Eichensaft eindämmen oder auch Entzündungen im Mund beenden. Hierfür nimmt man von der Eiche am besten zwei Teelöffel Rinde und kocht diese mit 100 Milliliter Wasser für fünf Minuten aus. Dies als Tinktur entsprechend äußerlich anwenden.

Für eine innerliche Anwendung ist die Eiche aufgrund ihrer Bitterstoffe nicht wirklich geeignet - obwohl ihre Früchte früher oft zu Eichenmehl gemahlen wurden. Wie Kaffee zubereitet, also überbrüht, sollen die Eicheln dann Darmentzündungen heilen.

Der Silberweide sagt man eine fiebersenkende, schmerzstillende Wirkung nach. Auch von ihr nimmt man vorwiegend die Rinde. Sie enthält Salycilsäure, ein Wirkstoff, der uns im Aspirin bekannt ist. Tatsächlich kann Weidenrinden-Tee Kopfschmerzen lindern. Die Dosierung hier ist wiederum zwei Teelöffel Rindenstückchen auf 250 Milliliter heißes Wasser. In kleinen Schlucken über mehrere Stunden hinweg trinken.

Die Rotbuche hilft mit ihren entzündungshemmenden Blättern bei Verbrennungen oder Hautentzündungen. Auch bei Erfrierungen kann sie helfen oder Geschwüre und Schwellungen lindern. Hierfür wird eine hoch konzentrierte Tinktur angesetzt.

25 Gramm frische Blätter mit 100 Milliliter heißem Wasser übergießen und einige Stunden stehen lassen. Dann die Blätter entfernen und die Tinktur im Schraubglas kühl und dunkel aufbewahren. Die Haltbarkeit beträgt hier mehrere Wochen.

Buchen spielten übrigens in der Vergangenheit in der menschlichen Ernährung eine große Rolle. Trotz der leichten Giftigkeit wurde im 19. Jahrhundert und in Notzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Nüssen Öl gepresst, das sowohl beim Kochen als auch als Lampenöl Verwendung fand.

Eine Handvoll Bucheckern kann wegen ihrer Inhaltsstoffe Trimethylamin, Fagin bzw. Blausäure-Glykoside bereits Unwohlsein hervorrufen. Die essbaren Blätter der Buchen gelten als entzündungshemmend und wurden oftmals als Salat zubereitet. Auch kann man sie bei Zahnfleischproblemen zerkauen.
Als medizinisch besonders wertvoller Nadelbaum gilt übrigens die Tanne. Ihre Nadeln helfen frisch als Tee zubereitet bei Verspannungen, Muskel- und Nervenschmerzen. Zwei Teelöffel frische oder schonend getrocknete Tannennadeln werden mit einem Viertelliter kochenden Wassers übergossen. Dann zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen und durchseihen. Man trinkt den Tee lauwarm langsam in kleinen Schlucken und kann auch etwas Honig dazugeben, um den herben Geschmack zu verbessern.

Zweigspitzen der Tanne können Arthrose lindern, Rinde und das Harz Verschleimung, Asthma und Husten lösen. Am besten hierfür einen Sirup herstellen: 500 Gramm Zweispitzen oder das Harz mit einem Kilogramm Zucker in einem geeigneten Gefäß in Schichten ansetzen. Die oberste Schicht muss Zucker sein. An einem sonnigen Fensterplatz gelagert setzt sich über Wochen hinweg im Glas ein Sirup ab, der gefiltert und in dunkle Flaschen gefüllt den ganzen Winter halten kann. Denn dann wird er als Schleimlöser auch wirklich gebraucht.

Ein weiterer Wunderbaum unserer Breiten ist übrigens der Apfelbaum. Blüten, Blätter, Früchte und Schalen kann man vielseitig als Heilmittel einsetzen. Während Blüten und Blätter als Tee mit einer Dosierung von zwei Teelöffeln auf 200 Milliliter heißes Wasser bei Rheuma und Gicht helfen können, sind besonders die Schalen der Früchte ein Wundermittel bei Durchfall oder auch Verstopfung.

Es ist das hochdosierte Pektin, das darmregulierend wirkt. Getrocknete Apfelscheiben haben eine ähnliche Wirkung. Aber speziell die Schalen sollten getrocknet und bei Magenproblemen verzehrt werden. 50 Gramm über den Tag verteilt können bereits helfen.

Die Früchte des Apfelbaums sind Allrounder der Heilmedizin. Nicht umsonst heißt es auf Englisch: „An apple a day keeps the doctor away”. Also einen Apfel pro Tag essen und man bleibt gesund und fit.
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