100 Jahre Leoni
Fränkischer Drahthersteller feiert Geburtstag

Gebündelte Kompetenz: Spezialkabel von Leoni gehen heute in die ganze Welt. Das fränkische Unternehmen wurde vor genau 100 Jahren gegründet, aber seine Wurzeln gehen sogar bis ins 16. Jahrhundert zurück. Archivbild: dpa
 
Ein Mitarbeiter des Kabel- und Bordnetzherstellers Leoni AG hält in der Produktionsstädte in Roth (Mittelfranken) verschiedene Spezialkabel in der Hand. Bild: dpa (Foto: dpa)

Nürnberg. Die Produktpalette des Nürnberger Draht- und Bordnetz-herstellers Leoni hat mittlerweile eine Breite erreicht, bei der selbst Insider leicht den Überblick verlieren: Leoni-Produkte stecken in Uniform-Kragenspiegeln, Priestergewändern und dem schwarzen Tuch von Mekka genauso wie in Autos, Robotern und Medizin-Lasern. Am 23. April feiert das ungewöhnliche Unternehmen seinen 100. Geburtstag.

In jenen Apriltagen hatten sich drei Unternehmen der Branche zusammengetan und die Drahtwerkstatt Leoni gegründet. Die eigentlichen Wurzeln des heute im MDax notierten Konzerns reichen jedoch bis ins 16. Jahrhundert zurück. Den Grundstein für die Drahtzieher-Tradition legte gewissermaßen der Franzose Anthoni Fournier. Er war wegen seines Glaubens aus Lyon geflohen und fand im Jahr 1569 im protestantischen Nürnberg eine neue Heimat - und ideale Bedingungen für die Herstellung "leonischscher Waren", wie man die zuerst in Lyon hergestellten Gold- und Silberfäden nannte.

Rasch entwickelte sich Nürnberg zum Zentrum des Gewerbes. "Fest steht, dass ein großer Teil der in Nürnberg produzierten Gold- und Silberfäden vom betuchten Hochadel für prachtvolle Stickereien auf Wandbehängen und Vorhängen, Tisch- und Bettdecken sowie auf Bezügen von Prunkmöbeln und Kutschen verwendet wurde", berichtet Leoni-Pressechef Bernd Buhmann.

Royale Kundschaft


Auch in Schlössern des Bayernkönigs Ludwig II. finden sich glitzernde Gespinste der leonischen Handwerkskunst. Bis zum 1. Weltkrieg ließen selbst die indischen Maharadschas Paläste und Kleidung mit Gold- und Silberstickereien aus Nürnberg ausstatten, sagt Buhmann. Indien sei seinerzeit einer der wichtigsten Exportmärkte gewesen. Und selbst heute noch bedient ein kleiner Leoni-Unternehmensbereich solche Luxusbedürfnisse: Für Mitglieder arabischer Herrschaftshäuser, reiche Beamte und Geschäftsleute liefert der Konzern das Material für wertvolle Gold- und Silberstickereien auf Krägen sogenannter Abayas, schwarzer oder grauer Umhänge.

Auch christliche Kirchen und andere Religionen schätzten entsprechend verzierte Altar-Behänge und Priestergewänder. "Selbst der Vatikan zählt zu den Abnehmern leonischer Gold- und Silberfäden", berichtet Buhmann. Und auch die Metallfäden von Schulterklappen, Kragenspiegel und Emblemen vieler Uniformen stammen meist von Leoni. Doch das sind heute nur noch Nischenprodukte, betont man bei dem Nürnberger Unternehmen. Um am Markt bestehen zu können, hat sich Leoni frühzeitig auf den lukrativen Markt für Kabel, Leitungen und Bordnetze für die Autoindustrie verlegt. Demnächst werden Spezial-Leitungen des Unternehmens bei der Steuerung autonom fahrender Autos eine Rolle spielen.

Alle Größen an Bord


Bereits 1928 produzierte Leoni die ersten Lackdrähte, 1931 die erste mit Gummi isolierte Leitung, 1943 das erste mit Kunststoff ummantelte Kabel. Zu den Kunden gehörten bald die Großen der deutschen Industrie: Siemens, AEG, Telefunken, Philips, Graetz, Schaub sowie die Autohersteller Daimler-Benz, Volkswagen, Opel und Auto-Union.

In den 1980er und 1990er Jahren internationalisierte sich das Unternehmen zunehmend, baute ein Werk im tunesischen Sousse, nach dem Fall der Mauer auch in Ungarn und anderen osteuropäischen Ländern. Mit dem Zukauf von Unternehmen verschaffte sich Leoni schließlich in den 90er Jahren Zugang zu neuen Kunden und Technologien. Der Konzernumsatz stieg von 1990 bis 2000 von 400 Millionen auf 1,18 Milliarden D-Mark.

Heute beschäftigt das Nürnberger Unternehmen mehr als 79 000 Mitarbeiter in 32 Ländern. Der Umsatz lag 2016 bei 4,431 Milliarden Euro. Kunden sind alle großen Autohersteller, aber auch andere Industriezweige. Längst gehören zur Leoni-Produktpalette auch Glasfaserkabel sowie schnelle Datenleitungen.
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