40 Jahre Apple
Einst Garagenfirma, heute Weltkonzern

Zwei Gründerväter: Steve Wozniak (links) und Steve Jobs. Bild: Apple/dpa

Apple hat in seiner Geschichte Höhen und Tiefen erlebt: Der Computer-Pionier stand 1997 sogar kurz vor der Pleite. Unter Steve Jobs wurde Apple dann nicht nur gerettet, sondern erklomm den globalen Börsengipfel.Von Christoph Dernbach, dpa

Cupertino. Zwei Zufallsbegegnungen haben den Lauf der Computergeschichte entscheidend geprägt. 1971 lernten sich der 15-jährige Schüler Steve Jobs und der fünf Jahre ältere College-Student Steve "Woz" Wozniak kennen. Die beiden "Steves" konnten sich für Elektronik begeistern, liebten derbe Späße und wurden so trotz des Altersunterschieds enge Freunde. Wozniak war ein leidenschaftlicher Tüftler, der als technisches Genie unter den vielen anderen jungen Computer-Bastlern im Silicon Valley herausragte. Jobs fehlte dieses Talent, er hatte aber schon als junger Mann - im Gegensatz zu "Woz" - eine konkrete Vorstellung davon, wie man mit Technologie die Welt verändern und auch Geld verdienen kann.

1977 traf der Wagniskapitalgeber Mike Markkula die beiden langhaarigen Jungs, die damals in der Garage von Jobs' Eltern in Los Altos ihre ersten Computer zusammenschraubten. Einige Monate zuvor, am 1. April 1976, hatten Jobs und Wozniak bereits zusammen mit ihrem Bekannten Ronald Wayne die Firma Apple gegründet. Wayne verließ aber nach wenigen Wochen das Unternehmen, weil er als Familienvater das Haftungsrisiko nicht mittragen wollte. Um aus der Bastler-Nische rauszukommen, brauchte die junge Firma damals unbedingt Geld. Markkula hatte sich mit 32 Jahren quasi schon in den Ruhestand verabschiedet, weil er in den Anfängen der Halbleiter-Industrie früh zu einem Millionen-Vermögen gekommen war. Er erkannte das Potenzial sofort.

Lange bevor IBM, Intel und Microsoft das Fundament für ihre Personal Computer legten, hatten Jobs und Wozniak bereits die Vision eines persönlich einsetzbaren Rechners in die Tat umgesetzt. 1978 setzten die Jungunternehmer 7,8 Millionen Dollar um, zwei Jahre später zum Börsengang von Apple war der Umsatz auf 117 Millionen angewachsen.

"Zuckerwasser"


1983 warb Job den bekannten Pepsico-Manager John Sculley ab. "Wollen Sie den Rest Ihres Lebens Zuckerwasser verkaufen, oder wollen Sie die Chance ergreifen und die Welt verändern?", lautete die Frage von Jobs, mit der er Sculley als Apple-Chef gewinnen konnte. Doch unter dem "Traum-Duo" Jobs und Sculley lief es bei Apple nicht mehr rund. 1985 verließ Jobs sein Unternehmen, gründete kurze Zeit später NeXT und kaufte das Trickfilmstudio Pixar.

Nach dem Weggang von Jobs konnte Apple zwar mit dem Mac insbesondere in der Publishing-Industrie einige Erfolge erzielen. Allerdings gelang es Sculley und seinem Team nicht, den Siegeslauf von Microsoft und seines Windows-Systems zu stoppen. Nach der Einführung von Windows 95 wurde es für Apple immer enger. Der Marktanteil der Macs war auf einen einstelligen Prozentsatz geschrumpft. 1996 verbuchte Apple einen Jahresverlust von einer Milliarde Dollar. Versuche, das veraltete Betriebssystem durch Eigenentwicklungen abzulösen, scheiterten. Apple stand vor der Pleite: Der damalige Chef Gilbert Amelio suchte den Ausweg bei Steve Jobs und bot an, seine Firma NeXT samt Betriebssystem zu kaufen und den einst geschassten Apple-Mitgründer als Berater zurückzuholen. Ein Jahr später verdrängte Jobs dann Amelio vom Posten des Apple-Geschäftsführers.

Hilfe von Bill Gates


Zu den großen Merkwürdigkeiten der Computergeschichte gehört, dass Jobs damals ausgerechnet Microsoft-Chef Bill Gates als Partner gewinnen konnte. Microsoft steckte 1997 nicht nur 150 Millionen Dollar in den notleidenden Konkurrenten, sondern verpflichtete sich auch, das wichtige "Microsoft Office" weiterhin für den Mac zu entwickeln. Vermutlich wollte sich Gates mit der Geste die Kartellwächter vom Hals halten, die damals die rüden Geschäftsmethoden von Microsoft im "Browserkrieg" gegen Netscape im Visier hatten.

Jobs erneuerte nach seiner Rückkehr zunächst die Computer-Modelle von Apple. Der erste I-Mac (1998) war auf das Internet ausgerichtet und fand auch durch sein außergewöhnliches Design viele Käufer. 2001 krempelte Jobs mit seinem Team dann den Musikmarkt um. Zwar gab es schon vor dem I-Pod mobile MP3-Player, doch nirgendwo war es so einfach, tausende Songs für unterwegs in die Tasche zu packen. Sein Meisterstück lieferte Jobs 2007 ab. In San Francisco präsentierte er das erste I-Phone, das die Mobilfunkbranche komplett auf den Kopf stellen sollte. Nur Google konnte mit seinem Android-System dagegenhalten und das I-Phone bei den Stückzahlen dann sogar hinter sich lassen. Mit dem I-Pad unternahm Jobs 2010 - schon schwer gekennzeichnet von einer Krebserkrankung - seinen letzten Anlauf, einen etablierten Markt aufzumischen. Der Tablet-Computer legte ähnlich wie das I-Phone die ersten Quartale ein enormes Wachstumstempo vor. Doch im Gegensatz zum I-Phone ging dem I-Pad nach drei Jahren Gipfelsturm die Puste aus. So ist Apple bis heute vor allem vom Erfolg des I-Phones abhängig.

Die Welt verändern


Apple-Chef Tim Cook, der kurz vor dem Tod von Steve Jobs im Oktober 2011 den Chefposten übernahm, setzte in seiner Ära bislang andere Akzente. Er kümmerte sich um die politischen Rahmenbedingungen, angefangen von den verbesserungswürdigen Arbeitsbedingungen in den chinesischen Fabriken der Apple-Partner über Themen wie Umweltschutz bis hin zur Debatte um den Schutz der Privatsphäre.

Nach einem bescheidenen Börsenjahr 2015 verlor Apple im diesem Februar für einen Tag lang die Position des wertvollsten börsennotierten Unternehmens an die Google-Muttergesellschaft Alphabet - obwohl Apple in einem Quartal mehr Gewinn macht als der gesamte Google-Konzern in einem Jahr. Ob und wie lange sich Apple an der Spitze behaupten kann, wird vor allem vom Absatzerfolg des I-Phones abhängen. Außerdem muss Apple eine Antwort auf die Frage liefern, ob es noch einmal gelingen kann, einen neuen Markt komplett umzukrempeln.
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