55-Milliarden-Euro-Coup
Bayer auf riskantem Übernahmekurs

Image-Probleme: Agarchemie-Hersteller Monsanto, den Bayer übernehmen will, ist wegen Genprodukten und Glyphosat umstritten. Bild: dpa

Der geplante 55-Milliarden-Euro-Coup würde Bayer mit einem Schlag zum weltgrößten Agrarchemie-Hersteller machen. Doch der Preis ist hoch und könnte sogar noch steigen. Viele Bayer-Aktionäre bekommen deshalb kalte Füße.

Leverkusen. Gerade drei Wochen ist der neue Bayer-Chef Werner Baumann im Amt. Doch im Eiltempo ist der 53-Jährige dabei, dem 1863 gegründeten Leverkusener Pharma- und Pflanzenschutzkonzern seinen Stempel aufzudrücken. Mit dem Milliarden schweren Übernahmeangebot für den US-Konzern Monsanto will Baumann Bayer zum weltgrößten Agrarchemie-Hersteller machen und zeigt dabei Mut zum Risiko.

"Undeutsche" Strategie


"Deutsche Unternehmen haben in der Vergangenheit im Allgemeinen große Übernahmeangebote vermieden und stattdessen auf ein weniger riskantes, aber langsameres organisches Wachstum gesetzt. Bayer hat sich jetzt von dieser Herangehensweise verabschiedet", urteilt Wirtschaftswissenschaftler John Colley (Warwick Business School). Der Milliardendeal wäre nicht nur die bislang größte Übernahme für Bayer, sondern laut Colley auch das mit Abstand teuerste Übernahmeangebot einer deutschen Firma überhaupt.

Dabei ist Monsanto durchaus kein unproblematisches Übernahmeziel. Zwar gilt der Biotechnologie-Konzern als innovativ und ertragsstark, doch sein Image ist denkbar schlecht - zum einen wegen der gentechnisch veränderten Produkte des Unternehmens. Zudem wird seit Jahren über mögliche gesundheitsschädliche Auswirkungen des Wirkstoffs Glyphosat diskutiert, den Monsanto in seinem weltweit verbreiteten Unkrautvernichter "Roundup" benutzt.

Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) schrillen deshalb angesichts von Baumanns Plänen die Alarmglocken. Wenn Bayer Monsanto am Ende tatsächlich übernehme, sei dies ein Zeichen dafür, dass das Leverkusener Unternehmen trotz allen gesellschaftlichen Widerstandes verstärkt auf Gentechnik setzen wolle, warnt BUND-Expertin Heike Moldenhauer. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter, kritisiert die Fusion werde das Machtgefälle zwischen Bauern und Agrarindustrie weiter verschärfen.

Künftige Aufgabe riesig


Doch Baumann scheint der Gegenwind nicht stören. Er verweist darauf, dass die Agarwirtschaft vor gigantischen Herausforderungen stehe. Bis 2050 müssten drei Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden. Gleichzeitig gelte es, die Folgen der Klimaerwärmung auf die Landwirtschaft in den Griff zu bekommen. Mit kombiniertem Know-how könnten die Unternehmen hier einen entscheidenden Beitrag leisten, meint der Konzernchef.

Sorgen und Ängste der Aktionäre wischt der Manager vom Tisch. Der Zusammenschluss werde zu Einsparungen in Milliardenhöhe führen und große Vorteile bringen. Rückendeckung bekommt Baumann dabei von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Wir finden es richtig, dass Bayer diesen Versuch startet, weil das Unternehmen damit von jetzt auf gleich zum Weltmarktführer werden kann", sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Dabei sei nicht einmal gesagt, dass der Kaufpreis das letzte Wort von Bayer ist. Es könnte durchaus noch teurer werden, meint der Aktionärsvertreter.
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