Abbitte beim Ex-Konzernchef

Doch nicht im Visier der Staatsanwaltschaft: Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstand der Volkswagen AG. Bild: dpa

Erst wollte die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn ermitteln. Jetzt folgt eine förmliche Entschuldigung wegen der "Irritationen".

Entgegen ihren früheren Angaben führt die Staatsanwaltschaft Braunschweig derzeit kein formelles Ermittlungsverfahren gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn persönlich. Zugleich bedauerte die Behörde in einer Mitteilung am Donnerstag die "Irritationen" über ihre Angaben zu dem Verfahren und betonte, dass gegen Winterkorn aktuell kein Anfangsverdacht bestehe. Es werde aber natürlich weiterhin geprüft, ob ein solcher möglicher Anfangsverdacht gegen Winterkorn oder andere - nicht namentlich genannte - VW-Manager besteht, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage.

Bisher werde Winterkorn nicht als Beschuldigter geführt. "Sofern dieser Eindruck entstanden ist, bedauert die Staatsanwaltschaft Braunschweig dies sowie die Irritationen, welche die Pressemitteilungen in diesem Zusammenhang hervorgerufen haben." Die jüngste Erklärung rief die niedersächsische Politik auf den Plan. "Das Justizministerium hat bei der Generalstaatsanwaltschaft Braunschweig unverzüglich einen Bericht über die näheren Umstände dieses Vorgangs angefordert", sagte eine Ministeriumssprecherin. Die oppositionelle CDU vermutet politische Einflussnahme auf die Behörde.

Neuer VW-Finanzchef

Das Personalkarussell in den Top-Etagen bei VW nimmt unterdessen weiter Fahrt auf. Der bisherige Vorstandsvorsitzende der VW-Finanztochter, Frank Witter, soll nach dpa-Informationen neuer Konzernfinanzchef von Volkswagen werden. Witter werde damit Nachfolger von Hans Dieter Pötsch, der wie geplant an die Spitze des VW-Aufsichtsrats wechseln soll. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag aus Konzernkreisen.

Beide Personalien wurden nach dpa-Informationen am Mittwochabend bei der Sitzung des Aufsichtsrats-Präsidiums beschlossen. Das Gremium beriet dabei auch über die Folgen des Abgas-Skandals. Witter ist seit 2008 Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Financial Services. Den Posten an der Spitze des Aufsichtsrates hat seit dem Rücktritt des langjährigen VW-Patriarchen Ferdinand Piëch im Frühjahr kommissarisch der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber inne.

EU will Ein- und Überblick

Vom dem Skandal um manipulierte Abgaswerte ist nach Aussage von EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska bisher nur Volkswagen betroffen. "Ich habe keine Belege, dass ein anderes Unternehmen davon berührt ist", sagte sie am Donnerstagabend in Luxemburg. Dort hatten die für Wettbewerbsfähigkeit und Industrie zuständigen Minister der EU-Staaten über die Affäre beraten. Bienkowska pochte allerdings erneut auf Aufklärung. "Wir brauchen ein sehr gutes Bild davon, was im europäischen Automobilsektor vor sich geht." Bis spätestens Ende November wolle sich ihre Behörde einen Überblick verschaffen.
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