Abschied von großen Plänen
Bahn auf neuem Sanierungskurs

Die Deutsche Bahn soll wieder in allen Sparten profitabel werden. Auf dem Tisch des Aufsichtsrats liegt ein Sanierungsplan, der dieses Ziel verfolgt. Das Konzept enthält mindestens eine umstrittene Richtungsentscheidung.

Berlin. Den Kunden der Deutschen Bahn verspricht das Konzept mehr Qualität und mehr Pünktlichkeit. Über das auf mehrere Jahre angelegte Programm "Zukunft Bahn" befindet am Mittwoch der Aufsichtsrat des Staaatskonzerns. Alle Geschäftsbereiche sollen möglichst bald wieder Gewinn abwerfen. Schon jetzt zeichnet sich ab: Vorstandschef Rüdiger Grube verabschiedet sich von ehrgeizigen Expansionsplänen. Das 2012 ausgerufene Wachstumsziel, den Umsatz bis 2020 auf 70 Milliarden Euro zu verdoppeln, hat Grube zu Beginn dieses Jahres einkassiert. Auch mit der neuen Marke von 50 Milliarden Euro wird es wohl nichts. Aus dem Umfeld des Aufsichtsrats ist zu hören, dass die mittelfristige Planung noch einmal nach unten korrigiert wird. Das schwächere Umsatzwachstum macht auch die Rückkehr in die Gewinnzone schwieriger. In diesem Jahr soll unterm Strich ein Minus von einer Milliarde Euro stehen.

Güterverkehr schwächelt


Mit dem Güterverkehr auf der Schiene verdient die Tochter DB Schenker Rail seit Jahren wenig oder gar kein Geld. Deshalb werden in diesem Jahr rund 1,3 Milliarden Euro an Vermögenswerten abgeschrieben, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Der niedrige Ölpreis stärkt den Lkw als größten Konkurrenten. Schenker Rail hat auch hausgemachte Probleme. Anders ist nicht zu erklären, dass sie in den vergangenen Jahren Marktanteile an die private Konkurrenz verloren hat. Jetzt plant die Bahn unbestätigten Presseberichten zufolge, den Fuhrpark zu verkleinern und Stellen abzubauen.

Das würde jedoch das erklärte Ziel der Bundesregierung torpedieren, für den Klimaschutz mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) warnt deshalb: Die Bahn dürfe die Transportleistung nicht zurückschrauben, wenn der Bund bis zum Jahr 2030 gut 42 Prozent mehr Güterverkehr auf der Schiene erwarte.

Die Fahrgastzahlen im Fernverkehr gingen zuletzt leicht zurück. Die niedrigen Spritpreise haben das Autofahren wieder erschwinglicher gemacht. Auch die Fernbus-Konkurrenz macht der Bahn zu schaffen. Im Frühjahr hat die Bahn mit einem Konzept für den Fernverkehr reagiert. Nach und nach kommen neue Züge auf die Schiene. Es gibt mehr Sonderangebote und keine Preiserhöhung das zweite Jahr in Folge. Und in den nächsten Jahren werden mehr Städte per Intercity erreichbar sein. Das derzeit größte Problem: Eine miserable Pünktlichkeitsquote von unter 70 Prozent - und das ohne Hochwasser, Schnee oder Streiks.

Verlust von Strecken droht


Der Deutschen Bahn droht bei Ausschreibungen der Verlust von mehr und mehr Strecken. Die EVG vermisst für DB Regio ein tragfähiges Konzept des Vorstands. Die Gewerkschaft lehnt es ab, dass bei der Streckenvergabe der Wettbewerb nur über die Personalkosten ausgetragen wird. Im Aufsichtsrat würden ihre Vertreter deshalb "keine Zustimmung zur Bildung von Projektgesellschaften" erteilen, die mit niedrigeren Tarif- und Sozialstandards erfolgreich sein wollten.
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