Abspaltung der Tochter Uniper könnte der Mutter teuer zu stehen kommen
Eon drohen hohe Abschreibungen

Die neue Tochter Uniper könnte dem Mutterkonzern Eon (im Bild Vorstandschef Johannes Teyssen bei der Hauptversammlung im Mai) noch teuer zu stehen kommen. Archivbild: dpa

Eon will seine Kraftwerks- und Handelstochter Uniper abspalten und an die Börse schicken. Doch was ist das Unternehmen wert? Es könnten neue Probleme auf Eon zukommen.

Essen. Dem Energiekonzern Eon droht im Zuge der Neuausrichtung der dritte milliardenschwere Jahresverlust nacheinander. Das Unternehmen stelle sich darauf ein, nach der Börsennotierung seiner Kraftwerks- und Handelstochter Uniper auf dieses Geschäft erneut hohe Abschreibungen vornehmen zu müssen, hieß es am Donnerstag in Finanzkreisen.

Derzeit steht Uniper dem offiziellen Spaltungsbericht zufolge noch mit 15,5 Milliarden Euro in den Büchern. "Das ist völlig unrealistisch", zitierte das "Handelsblatt" einen Konzernmanager. "Uniper dürfte zwischen 4 und maximal 5,5 Milliarden Euro wert sein." Analysten haben ähnliche Schätzungen. Der genaue Preis wird feststehen, wenn Uniper an die Börse geht. Da es sich nicht um einen klassischen Börsengang, sondern eine Abspaltung vom Mutterkonzern handelt, bekommen die Aktionäre dabei automatisch für zehn Eon-Papiere einen Uniper-Anteilsschein.

Eon behält vorerst Anteile


Eon selbst behält zunächst 46,65 Prozent der Anteile, die erst in einiger Zeit veräußert werden sollen. Auf diesen Teil müsste Eon dann die Abschreibungen vornehmen. Derzeit liegt der Nettobuchwert dieser Anteile bei 7,2 Milliarden Euro, gemessen an den Analystenschätzungen ist das Paket tatsächlich aber nur 2 bis 2,5 Milliarden wert. Demzufolge würden sich die Abschreibungen auf fünf Milliarden Euro belaufen. Ein neuerlicher Verlust würde das Eigenkapital weiter aufzehren und eine Kapitalerhöhung wahrscheinlicher machen. Entsprechende Pläne gibt es schon im Konzern. Im Zusammenhang mit den erwarteten Milliardenkosten für den Atomerbe-Staatsfonds hatte Finanzchef Michael Sen die Ausgabe neuer Aktien als eine Möglichkeit für die Finanzierung bezeichnet.

Bei Uniper werden noch höhere Abschreibungen erwartet. Die Tochter hatte erst kürzlich mitgeteilt, den mittelfristigen Finanzierungsbedarf mit Krediten über 4,5 Milliarden Euro gesichert zu haben. Eon hatte 2014 angekündigt, sich angesichts der Energiewende aufzuspalten. Der Mutterkonzern wird sich auf die sogenannten Zukunftsgeschäfte Ökostrom, Netze und Vertrieb konzentrieren. In der Folge schrieb der Konzern 2014 einen Verlust von 3,2 Milliarden Euro, 2015 lag das Minus sogar bei 7 Milliarden Euro. Hauptgrund waren schon da Abschreibungen auf die konventionellen Kraftwerke, die wegen des Ökostrombooms immer weniger Geld einbringen.

Hoffen auf Hilfe vom Bund


Die Aussichten für die Großkraftwerke dürften sich schlagartig verbessern, wenn die Bundesregierung sich zu den von der Branche geforderten Hilfen durchringt. Dabei pochen die Konzerne darauf, dass vor allem Kohle- und Gaskraftwerke noch lange gebraucht werden, um die Stromversorgung auch dann sicherzustellen, wenn nicht genügend Ökostrom zur Verfügung steht. Solche Hilfen lehnt die Bundesregierung bislang ab.
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 07.08.2016 | 23:43  
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