Absturz der Aktienmärkte
Angst geht um

Es ist der Horror: Eine kostümierte Aktienhändlerin beobachtet am Dienstag den weiteren Sturz der Kurse. Bild: dpa

Die Aktienkurse fallen und fallen. Viele Anleger brauchen keine konkreten Gründe mehr, um auszusteigen. Nun versucht die Deutsche Bank die Anleger zu beruhigen.

Frankfurt. Am deutschen Aktienmarkt bleibt die Nervosität hoch. Nach dem Ausverkauf zum Wochenstart zeigte sich der Dax am Dienstag enorm schwankungsanfällig. Seit dem Jahresbeginn rutscht der Aktienmarkt fast ohne Unterbrechung ab. Am Montag hatte das Börsenbarometer erstmals seit Oktober 2014 unter der Marke von 9000 Punkten geschlossen. Auch an den Börsen in den USA und Asien sieht die Lage trist aus. So stürzte der japanische Nikkei-Index für 225 führende Werte am Dienstag um 5,40 Prozent ab. "Die Angst ist greifbar, und jedes Argument zu verkaufen wird genutzt", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research am Dienstag.

Zahlungsfähigkeit betont


Angesichts des besorgniserregenden Kurssturzes an den Börsen sah sich die Deutsche Bank zu einem ungewöhnlichen öffentlichen Bekenntnis zu seiner Zahlungsfähigkeit genötigt. Das größte deutsche Geldhaus versicherte, in diesem und im kommenden Jahr voraussichtlich genügend Geld zu haben, um die Zinsen auch auf neue, besonders riskante Schuldscheine leisten zu können. Am Montag waren Deutsche-Bank-Aktien auf den niedrigsten Stand seit Anfang der 1990er Jahre gerutscht.

Die Anforderungen zum Bezahlen der versprochenen Zinsen auf die 2014 ausgegebenen eigenkapitalähnlichen Anleihen könne die Bank aus einer "Position der Stärke" angehen, schrieb Finanzvorstand Marcus Schenck am Dienstag in einer im Internet veröffentlichten Botschaft an die Mitarbeiter. Seit Jahresbeginn hat die Bank an der Börse fast 40 Prozent an Wert verloren. In diesem Jahr werde die sogenannte Ausschüttungskapazität - das für die Bedienung dieser Anleihen zur Verfügung stehende Geld - trotz des Rekordverlusts im vergangenen Jahr bei rund einer Milliarde Euro liegen. Das reiche mehr als aus, um die Ende April fälligen Zinszahlungen von 350 Millionen Euro zu leisten, betonte Schenck.

Auch für 2017 sieht die Bank ausreichend Spielräume. Die Ausschüttungskapazität betrage nach aktuellen Berechnungen 4,3 Milliarden Euro. Allerdings sind darin mögliche neue Verlust im operativen Geschäft oder weitere Kosten für Rechtsrisiken noch nicht enthalten. Unter anderem aber werden laut Deutscher Bank der für dieses Jahr geplante Verkauf der Beteiligung an der chinesischen Privatkundenbank Hua Xia die Puffer für die Ausschüttung stärken. Ein Ausfall der Zinsen auf die neuartigen Anleihen wäre anders als bei normalen Schuldscheinen nicht gleichbedeutend mit der Pleite der Bank. Allerdings würde das Institut damit weiteres Vertrauen an den Märkten verspielen.

Riskante Cocos


Die am Markt Cocos (Contingent Convertible Bonds) genannten Papiere gelten als riskant für Anleger. Zum einen ist die Zinszahlung ähnlich wie eine Dividende auf Aktien nicht garantiert. Zum anderen können die Papiere wertlos werden, wenn die Bank im Krisenfall unter bestimmte Kapitalquoten rutscht. Die Bank hatte bereits angekündigt, in diesem und im kommenden Jahr keine Dividende zu zahlen. Die Bank hatte für 2015 einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro gemeldet.
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