Acht Stunden, mehr nicht

Hauen und Stechen um die Stechuhr: Die Arbeitgebervertreter wollen lieber die Wochenarbeitszeit festschreiben, die Gewerkschaft pocht auf ein tägliches Arbeitszeitlimit von acht Stunden. Bild: dpa

Wie viel Arbeit schafft der Mensch am Tag oder in der Woche? Zumindest sollen die Gesetze flexibler werden, meinen die Arbeitgeber. Die Gewerkschaften sehen das jedoch völlig anders.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnt die von den Arbeitgebern geforderte Flexibilisierung der Arbeitszeiten und ein Ende des Acht-Stunden-Tages ab. "Wir wissen, dass Arbeitszeiten über acht Stunden am Tag weder sozial verantwortlich noch ökonomisch sinnvoll sind", sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann der "Passauer Neuen Presse". "Einen längeren Arbeitstag festzuschreiben, machen wir deshalb auf keinen Fall mit. Am Acht-Stunden-Tag wird nicht gerüttelt."

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hatte gefordert, das Arbeitszeitgesetz sollte von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit umgestellt werden, um mehr Spielräume zu schaffen und betriebliche Notwendigkeiten abzubilden.

Flexibilität vorhanden

Hoffmann warf den Arbeitgebern vor, sie wollten ein generelles Aufweichen von Regeln, die sich über viele Jahrzehnte bewährt hätten. "Die Beschäftigten sollen am besten sieben Tage die Woche rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Das geht überhaupt nicht." Bereits heute arbeiteten 60 Prozent der Beschäftigten länger als in Tarifverträgen festgelegt. "Es gibt also eine hohe Flexibilität, die Unternehmen im Ausnahmefall nutzen können."

Ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes BDA konterte, der DGB-Chef argumentiere mit polemischen Unterstellungen. Die Arbeitgeberverbände hätten nie gefordert, die gesetzlich zugelassene Wochenarbeitszeit zu verlängern, oder verlangt, dass Arbeitnehmer rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Es gehe darum, dass der Gesetzgeber die Spielräume der EU-Arbeitszeitrichtlinie besser nutze. "Es ist veraltetes gewerkschaftliches Schablonendenken, jede Flexibilisierung im Arbeitsrecht als Angriff auf Arbeitnehmerrechte zu sehen und reflexartig abzulehnen", sagte der BDA-Sprecher.

Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Rainer Dulger, sagte der "Welt", Beschäftigte sollten beispielsweise selbst entscheiden können, statt täglich starr sieben Stunden heute mal neun und morgen elf Stunden zu arbeiten, dafür dann aber übermorgen zu Hause zu bleiben.

Die Arbeitgeber hatten gefordert, das Arbeitszeitgesetz aus dem Jahr 1994 der digitalisierten und globalisierten Arbeitswelt anzupassen. Konkret setzen sie sich für eine an der EU-Richtlinie orientierte Höchstgrenze für die Wochenarbeitszeit von 48 Stunden ein, die an die Stelle der deutschen Acht-Stunden-Regel für den Einzeltag treten solle. Für die Große Koalition ist das Thema nicht aktuell: Änderungen am Gesetz seien derzeit nicht geplant, so Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD).
Weitere Beiträge zu den Themen: Koalition (5296)Berlin (7520)Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.