Affäre um Galaxy Note 7
Bewährungsprobe für Chefs bei Samsung

Kurz angebunden verließen die Samsung-Topmanager am Mittwoch das wöchentliche Treffen in Seoul. Das Debakel um das Galaxy Note 7 hatte sich in den vergangenen Tagen zugespitzt. Bild: dpa

Der Produktions-Stopp des Smartphones Galaxy Note 7 wiegt für Samsung schwerer als ein bloßer Rückruf. Nun geht es um das Image des Konzerns insgesamt. Der Druck auf die Samsung-Spitze wächst.

Seoul. Einen Tag nach dem Produktions-Stopp für das Pannen-Smartphone Galaxy Note 7 schweigt die Führungsriege bei Samsung. Hochrangige Manager seien am Mittwoch nach ihrem wöchentlichen Treffen in Seoul den Fragen der Reporter ausgewichen, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Shin Jong Kyun und Koh Dong Jin, die für das Note 7 verantwortlich seien, schienen gar nicht dabei gewesen zu sein. Schon wird in Südkorea spekuliert, ob Manager beim Smartphone-Weltmarktführer zurücktreten müssen.

Marke in Gefahr


Bei einem sind sich die Kommentatoren einig: dass der Fall für Samsung weit schwerer wiegt als ein normaler Produkt-Rückruf. Es gehe nicht nur um den finanziellen Verlust - allein die Kosten für Rückholaktionen werden auf umgerechnet mehr als 1,6 Milliarden Euro geschätzt - sondern um die Marke "Galaxy", das Vertrauen der Kunden und den Ruf des Konzerns insgesamt. Das Debakel wird auch als Bewährungstest für den Vizevorsitzenden Lee Jae Yong gesehen, der als Nachfolger seines schwer erkrankten Vaters Lee Geun Hee für die Spitze des Unternehmens gehandelt wird. "Ich bin am Boden zerstört. Das Galaxy Note 7 war das erste Telefon, auf das ich wirklich stolz war", sagt ein Mitarbeiter aus dem Team, der seit mehr als zehn Jahren bei Samsung arbeitet. Die Probleme haben nicht nur Samsung kalt erwischt, sondern auch Südkorea allgemein geschockt. Die Smartphones des Unternehmens, speziell der Galaxy-Reihe, haben entscheidend geholfen, den Namen Samsung weltweit bekannter zu machen. Samsung ist Südkoreas wertvollste Marke. Der Konzern wird als so einflussreich gesehen, dass die Koreaner manchmal auch von der "Samsung-Republik" sprechen.

Der Konzern wird in Südkorea oft trotz - oder wegen - seiner Bedeutung für die Wirtschaft kritisiert. Im Fall des Note 7 könne die Pannenserie auch auf "einen Mangel an Transparenz und die inflexible Führungsstruktur zurückgeführt werden", kommentiert die linksliberale Zeitung "Hankyoreh". Die hierarchische Struktur, bei der die Angestellten unkritisch Befehle ausführten, könne die Krise um das Note 7 verschärft haben, spekulierte das Blatt.

Hoffnungsträger Note 7


Die Pannen beim Note 7 kommen zu einer kritischen Zeit für den Konzern, der ohnehin wegen wachsender Konkurrenz bei Mobiltelefonen und Halbleitern aus China unter großem Druck steht, neue Unternehmensbereiche zu erschließen. Das Note 7 war zudem ein ehrgeiziges Entwicklungsprojekt, mit dem Samsung mit Apples I-Phones konkurrieren und sich als Innovationsführer etablieren wollte. Jetzt warten die Investoren mit Spannung auf den nächsten Schritt Lees. Nicht ausgeschlossen wird, dass Samsung die Note-Reihe aus dem Programm nimmt - oder den Namen "Galaxy" ersetzt.
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