Aktionstag der Bauern
Landwirte in Existenznot

"Wir wollen den Verbraucher informieren, dass von seinem Geld, das er an der Ladentheke ausgibt, der große Anteil nicht bei den Bauernfamilien ankommt." Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands

Was Schnäppchenjäger freut, geht bei vielen Bauern inzwischen an die Existenz: Die Preise für Milch, Fleisch und Getreide sind im Keller. Die Landwirte wollen heute Druck machen - und bei den Kunden werben.

Berlin. Die deutschen Bauern befürchten ein länger andauerndes Tief bei wichtigen Produkten wie Milch und dringen auf einen größeren Anteil an den Lebensmittelpreisen im Supermarkt. "Die Preiskrise ist mittlerweile dramatisch", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied vor dem heutigen bundesweiten Aktionstag. "Wir sehen leider kein Licht am Ende des Tunnels." Für Milch, aber auch für Schweinefleisch oder Brotweizen seien die Preise abgestürzt, die Erzeuger erzielen können. Der Verband kritisierte auch die Supermarktketten. Der Handel wies Vorwürfe vehement zurück.

Weltmarktpreise im Keller


Rukwied sagte zum Aktionstag: "Wir wollen den Verbraucher informieren, dass von seinem Geld, das er an der Ladentheke ausgibt, der große Anteil nicht bei den Bauernfamilien ankommt." Heute wollen Landwirte auf mehr als 100 Plätzen, in Fußgängerzonen und vor Supermärkten für höhere Preise werben. Auch Kunden sollten animiert werden, "dass sie bereit sind, ein bisschen mehr auszugeben, um die deutsche Landwirtschaft zu unterstützen", sagte Rukwied. Wenn Verbraucher nun mehr hiesige Produkte kauften, "dann hilft das unseren Bauernfamilien in der derzeit sehr schwierigen Situation".

Die Weltmarktpreise für zahlreiche Produkte sind seit Monaten im Keller. Hinzu kommt ein Importstopp Russlands als Reaktion auf EU-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise. Der Bauernverband kritisiert außerdem gestiegene Margen bei Handel und Lebensmittelwirtschaft, obwohl diese derzeit günstiger Grundstoffe einkaufen könnten.

Handel: Zu viel Milch


Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels wies die Kritik zurück. "Die Ursachen für die niedrigen Milchpreise liegen doch nicht in den Margen des Handels", sagte Hauptgeschäftsführer Franz-Martin Rausch. "Es ist derzeit einfach zu viel Milch am Markt." Die deutsche Milchbranche sei inzwischen auch viel stärker vom Weltmarkt abhängig als vor zehn Jahren. "Geht die Nachfrage dort zurück, kann der stagnierende Inlandskonsum diesen Überschuss nicht auffangen."

Der Handelsverband Deutschland hob hervor, nur 37 Prozent der in Deutschland produzierten Milch gingen an den Einzelhandel. Von einer Abhängigkeit der Milchwirtschaft könne keine Rede sein, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Zwischen 2010 und 2014 seien die Verbraucherpreise bei Frischmilch zudem um 24 Prozent gestiegen.

Der Gewinn der deutschen Bauern war im vergangenen Wirtschaftsjahr 2014/15 im Schnitt um 35 Prozent eingebrochen. Eine baldige Trendwende sei nicht in Sicht, sagte Rukwied. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) betonte, er setze sich für weitere EU-Liquiditätshilfen für Milchbauern ein. Die Krise könne aber nur im Markt gelöst werden.
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