Am 2. September beginnt die IFA
Leitmesse der Elektronikbranche

Die Elektronik-Messe IFA findet vom 2. bis 7. September in Berlin statt. Sie gilt als Schaufenster und Leistungsschau der Branche.
 
Seit 2008 werden auf der IFA auch Haushaltsgeräte gezeigt.
 
Ein Jahr mit sportlichem Großereignis beflügelt traditionell das Geschäft mit Flachbild-Fernsehern. So dürften auf der diesjährigen IFA die neuesten Modelle und Bildschirmtechnologien zu den Publikumsmagneten gehören. Archivbilder: dpa (3)

Die Branche der Unterhaltungselektronik sieht sich kurz vor dem Start der IFA in Berlin wieder leicht im Aufwind. Die Fußball-EM und die Olympischen Spiel in Rio haben wichtige Impulse für den Umsatz vor allem bei TV-Geräten gebracht.

Berlin. Die Branche der Unterhaltungselektronik startet mit Optimismus in die diesjährige IFA in Berlin. Wie jüngste Zahlen zeigen, hält sich das Geschäft im ersten Halbjahr mit einem leichten Minus von 2,3 Prozent relativ stabil. Dabei habe das zweite Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von 2,8 Prozent ergeben, sagt Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender des Branchenverbands GFU. Hinzu komme, dass auch das wirtschaftliche Umfeld derzeit positiv sei. "Der Brexit hat zwar einen kleinen Dämpfer gegeben, aber die Anschaffungsneigung unter den Verbrauchern in Deutschland ist gut."

Seit Monaten ausgebucht


Die IFA will sich erneut als führende Leitmesse für Unterhaltungselektronik, IT und Hausgeräte präsentieren. Seit Monaten ist die Messe ausgebucht. Neben dem neu errichteten City Cube wird in diesem Jahr auch erstmals die Station Berlin als Veranstaltungsort benutzt. Dort findet die "IFA Global Markets" statt, eine Ausstellung für Fachbesucher, in der es um Innovationen wie 3-D-Druck, Robotics und Drohnen gehen wird.

Natürlich werden in diesem Jahr unter dem Funkturm auch die neuesten Modelle und Technologien der führenden Hersteller von Flachbild-Fernsehern zu sehen sein. TV sei weiterhin das größte Einzelsegment der Branche, sagt Kamp. Neben OLED-Displays, Ultra-HD-Auflösung und Techniken wie HDR zur besseren Bilddarstellung wird es auch Informationen rund um den neuen Standard für das terrestrische DVB-T2 HD auf der Messe geben. Damit lassen sich erstmals auch über Antenne TV-Signale in HD-Auflösung empfangen.

Das Institut für Rundfunktechnik will alles Wissenswerte zum Thema auf der Messe zeigen. Seit 31. Mai können Zuschauer in manchen Regionen bereits erste Programme über das neue Antennenfernsehen mit deutlich höherer Bildqualität sehen. Am 29. März 2017 soll die Technik dann in den Ballungsräumen aktiv geschaltet werden.

Es geht auf der Messe aber längst nicht nur um die neueste TV-Technik. Im Fokus wird vom 2. bis zum 7. September auch wieder die Vernetzung der Unterhaltungs- und Hausgeräte stehen. "Es geht um sinnvollen Mehrwert und konkrete Verbesserungen", sagt Martin Börner von Samsung Deutschland. Ins Blickfeld kämen damit kleine Features mit großer Wirkung, etwa eine Waschmaschine mit zusätzlicher Klappe zum Nachlegen von Wäsche. So solle die Bedienung aller Geräte immer intuitiver werden.

Wachsender Markt


Eines der großen Themen wird in diesem Jahr die virtuelle Realität. Anwendungen und neue Headsets, Brillen oder Kameras, die den Nutzer in virtuelle Welten entführen, seien "der nächste Schritt in die Zukunft", sagt Kamp. "Vor neun Jahren hat man auch dem Smartphone nicht eine solche Bedeutung zugesprochen, die es schließlich gewonnen hat." Marktbeobachter erwarten, dass der Markt für VR-Produkte bis 2020 auf 850 Millionen Euro anwachsen wird.

Auch Samsung wird seine neue VR-Brille Gear VR auf die IFA mitbringen. Bei virtueller Realität sei Deutschland Vorreiter, sagte Samsung-Manager Börner. "Deutschland ist VR-Land." Der Konzern verkaufte von der Gear VR inzwischen 200 000 Geräte, europaweit waren es 500 000 Stück. Und zur IFA will Samsung noch einen draufsetzen: mit "olfaktorischer VR 4D". "Wir zeigen mitten in Berlin auf dem Breitscheidplatz, was mit VR möglich ist", sagte Börner. Dabei soll die visuelle Darstellung virtueller Umgebungen mit Elementen wie realistischem Sound und realitätsnahen Düften erweitert werden.

Microsoft groß vertreten


Vor acht Jahren ergänzten die Veranstalter die einstige Rundfunk- und Unterhaltungselektronik-Messe mit der Präsentation von Haushaltsgeräten. Das Konzept ist nach Meinung der Veranstalter aufgegangen. Im Zeichen der Vernetzung aller Geräte erweitert sich seither das Themenspektrum auf der Messe kontinuierlich. Längst hat auch die PC-Branche die IFA für sich entdeckt.

Microsoft etwa wird in diesem Jahr den größten Messeauftritt unter dem Funkturm in der Geschichte des Unternehmens haben und vor allem sein neues Betriebssystem Windows 10 in den Mittelpunkt stellen. Auch für die PC-Hersteller läute die IFA als eine der wichtigsten Messen das Weihnachtsgeschäft ein, sagt Wilfried Thom, der bei dem taiwanesischen PC-Hersteller Acer für das Geschäft in Zentraleuropa zuständig ist.

Auch computergesteuerte Fahrzeuge dürften zu einem Thema werden: Mit Dieter Zetsche gewann die Messe einen wichtigen Vertreter der Automobilindustrie als Keynote-Sprecher: Der Daimler-Chef wird seine Vision vom Autofahren der Zukunft vorstellen, bei der das Fahrzeug zum persönlichen Assistenten des Fahrers wird.

Immer wieder WeltneuheitenDie IFA in Berlin findet seit 2005 nicht mehr alle zwei Jahre, sondern jährlich statt. Im Jahr 2008 kamen auf Wunsch der Hersteller erstmals Haushaltsgeräte hinzu. Anders als die Fachmesse CES in Las Vegas ist die IFA in erster Linie eine Publikumsmesse mit einem umfangreichen Unterhaltungsprogramm. Für den Handel ist sie ein wichtiger Treffpunkt und läutet das Weihnachtsgeschäft ein. Inzwischen nutzen auch viele Hersteller aus der traditionellen PC-Branche die Messe.

Die erste "Große Deutsche Funkausstellung" fand in Berlin im Dezember 1924 mit 268 Ausstellern und 170 000 Besuchern statt. 1930 sprach Albert Einstein ein Grußwort zur Eröffnung, das über Rundfunk übertragen wurde. Während der Nazizeit wurde 1933 der erste Volksempfänger unter dem Funkturm präsentiert, 1935 feierte das erste Tonbandgerät Magnetophon K1 von AEG Premiere.

In der Nachkriegszeit gab es zahlreiche technische Weltneuheiten auf der Messe. 1967 etwa gab der damalige Bundesaußenminister und spätere Bundeskanzler Willy Brandt, den Startschuss für das erste Farbfernsehen mit dem PAL-Standard in Deutschland. 1985 gab es eine erste Demo des hochauflösenden Standards HDTV zu sehen. Seinen Namensgeburtstag feierte das Komprimierungsverfahren MP3 des Fraunhofer-Instituts vor 20 Jahren auf der IFA. Heute bezeichnet sich die Messe nicht mehr als Internationale Funkausstellung, sondern nennt sich offiziell IFA mit dem Zusatz "Consumer Electronics Unlimited".

Die Schau auf dem Messegelände geht heuer vom 2. bis 7. September; bereits am 31. August findet zum ersten Pressetag bereits die Konferenz zur Eröffnung statt. Geöffnet ist die IFA täglich von 10 bis 18 Uhr.

Die Tageskarte kostet 17 Euro, im Vorverkauf 12 Euro, ermäßigt 13 Euro (für Studenten, Lehrlinge etc.); das Schülerticket kostet 9 Euro, das Familienticket (2 Erwachsene, 3 Kinder) 35 Euro. Ab 14 Uhr gilt ein Happy-Hour-Ticket für 13 Euro.

Die IFA empfiehlt, öffentliche Verkehrsmittel zur Anreise zu nutzen, da nur wenige Parkplätze zur Verfügung stehen. Im ICC-Parkhaus kostet ein Parkticket pro Tag 10 Euro. Zudem gibt es 5000 Parkplätze am Berliner Olympiastadion, von dem man per Bus-Shuttle zum Messegelände gelangt. (dpa)
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