Amarok bereits in der Werkstatt
VW-Rückruf rollt an

Der Rückruf der manipulierten Diesel aus dem VW-Konzern sorgt bis zum Auftakt für Fragezeichen. Nach wochenlanger Wartezeit startete das Mammutprojekt am Ende früher als offiziell genehmigt.

Wolfsburg/Hannover. Im Abgas-Skandal bei Volkswagen hat die größte Rückrufaktion der Konzerngeschichte begonnen. Das Kraftfahrt-Bundesamt erteilte die Freigabe für die Umrüstung der betroffenen Pick-Up-Trucks vom Typ Amarok. Damit könne VW den Rückruf und die Umrüstung dieses Modells beginnen, teilte das KBA am Mittwoch in Flensburg mit. "VW wird die Halter dieser Fahrzeuge entsprechend informieren." Die Freigaben für die weiteren betroffenen Modelle befinden sich beim KBA noch in der Prüfung. Insgesamt will VW in Deutschland rund 2,4 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten holen, um diese nachzubessern. Der Mitteilung war am Mittwoch jedoch ein Frühstart von VW vorausgegangen. Denn anders als vonseiten der Behörden und des Konzerns bekräftigt, lag das dazu benötigte Software-Update bereits seit Tagen in den Werkstätten vor. So erhielt am Vormittag zumindest ein betroffener Amarok das neue Computerprogramm. Mindestens ein weiterer Umrüsttermin wurde bereits vergeben. Und die Amarok-Halter haben offensichtlich schon alle Post erhalten. Den Beginn der Umrüstung bestätigten zu diesem Zeitpunkt aber zunächst weder das KBA noch die VW-Konzernzentrale in Wolfsburg.

Aufsicht ändern


Als Konsequenz aus dem VW-Abgas-Skandal will die EU-Kommission das europäische Aufsichtssystem umkrempeln. "Wir müssen sicherstellen, dass das nie wieder passiert", sagte Kommissions-Vize Jyrki Katainen in Brüssel. Die Kommission verlangt dabei auch das Recht, betrügerischen Autoherstellern Bußgelder aufzubrummen, falls nationale Behörden nicht handeln. Der Einsatz von manipulativer Abgas-Software wie bei VW oder falsche Angaben sollen mit bis zu 30 000 Euro pro Fahrzeug zu Buche schlagen. Die Vorschläge benötigen die Zustimmung des Europaparlaments und der nationalen Regierungen. Für die Kontrolle der Autobauer sind derzeit in der EU allein nationale Behörden wie das KBA zuständig. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigte sich im "Handelsblatt" aufgeschlossen gegenüber den Vorschlägen. "Wir brauchen in Europa eine gleiche Anwendung von optimierten Typgenehmigungsregeln", sagte er. Er warnte aber zugleich vor der Schaffung einer neuen europäischen Behörde.

Funkschlüssel kann VW Caddy startenMitten in den Abgas-Skandal platzen bei VW weiterere Rückrufe. So müssen europaweit 67 000 Fahrzeuge vom Modell Caddy in die Werkstatt. Grund: Beim Aufschließen per Fernbedienung kann der Motor gestartet werden. Das könnte manuell geschaltete Caddys mit eingelegtem Gang in Bewegung setzen. Deutschlandweit seien 20 800 Wagen von dem Rückruf betroffen, sagte ein Sprecher von VW-Nutzfahrzeuge am Mittwoch. Es gehe um den Bauzeitraum Mai 2012 bis Januar 2013. Zur Sicherheit sei es zu empfehlen, betroffene Schaltwagen ohne eingelegten Gang und mit angezogener Handbremse abzustellen. Der Caddy wird in Polen gebaut. Zudem müssen wegen eines Problems mit einem Steuergerät für Airbags weltweit 90 Passat in die Werkstatt. "Der Rückruf läuft bereits seit Dezember, 50 Autos haben wir schon umgerüstet", hieß es von VW. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) warnt in einer Datenbank zu aktuellen Rückrufen mit dem Hinweis: "Durch Metallspäne verunreinigtes Airbagsteuergerät kann unkontrollierte Airbagauslösungen hervorrufen." Ein KBA-Sprecher sagte, die Ermittlung der Halter laufe noch. (dpa)
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