Angeblich Geständnisse von Mitarbeitern: Abgas-Ziele mit legalen Mitteln nicht zu erreichen - ...
VW weiter im Würgegriff des Abgas-Skandals

Neuwagen von Volkswagen stehen auf einem Platz in Fallersleben bei Wolfsburg. Inwieweit sich der Abgas-Skandal in den Verkaufszahlen von VW in Deutschland niederschlägt, werden angesichts der Lieferfristen erst die Zulassungszahlen von November und Dezember zeigen. Bild: dpa
In der schwersten Krise von Volkswagen kommt heute erneut der Aufsichtsrat des Autokonzerns zusammen. Dabei geht es um die weitere Aufarbeitung des Abgas-Skandals. Ein Thema dürften auch interne Erkenntnisse zu den falschen CO2-Angaben sein. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" geht die jüngste Ausweitung des Skandals auf das Geständnis eines Ingenieurs zurück. Der Mitarbeiter der Abteilung Forschung und Entwicklung habe seinem Vorgesetzten vom großangelegten CO2-Betrug berichtet. Der Konzernrevision lägen zudem Geständnisse weiterer Mitarbeiter vor. Ein VW-Sprecher sagte lediglich: "Bei internen Untersuchungen haben Mitarbeiter angegeben, dass es bei der Ermittlung der Verbrauchswerte Unregelmäßigkeiten gegeben hat. Wie es dazu gekommen ist, ist Gegenstand der laufenden Prüfung."

Dem Zeitungsbericht zufolge hätten die Techniker mit unerlaubten Maßnahmen die Werte manipuliert, etwa durch einen höheren Reifendruck von mehr als 3,5 bar. Die Ingenieure gaben der Zeitung zufolge an, sie hätten die Ziele des inzwischen zurückgetretenen VW-Chefs Martin Winterkorn mit legalen Mitteln nicht erreichen können. Dieser hatte 2012 angekündigt, VW werde den CO2-Ausstoß bis 2015 um 30 Prozent senken.

Abnahme vom Tüv

Der Konzern hat Autos mit falschen CO2-Abgaswerten unter anderem von Tüv-Prüfstellen abnehmen lassen. Bei VW-Modellen übernimmt der Tüv Nord die Abgasmessungen für neue Modelle, für die Konzerntochter Skoda prüft unter anderem der Tüv Süd, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) auflistete. Beide Tüv-Unternehmen bestätigten, dass sie Abgasmessungen durchgeführt hätten. Es habe jedoch keine Hinweise auf Manipulationen gegeben. Die beiden anderen Konzerntöchter Audi und Seat lassen Abgaswerte im Ausland messen. Europas größter Autobauer wird seit September zudem vom Skandal um manipulierte Schadstoffmessungen bei Diesel-Fahrzeugen erschüttert, Millionen Autos müssen deshalb in die Werkstatt. Grünen-Chefin Simone Peter forderte die Zulassung von Sammelklagen in Deutschland nach US-Vorbild. Damit müsste nicht jeder Geschädigte einzeln klagen. Laut "Süddeutscher Zeitung" haben US-Ermittler einem VW-Manager wegen des Dieselskandals den Pass abgenommen. So wollten sie offenbar verhindern, dass er sich einer Befragung oder strafrechtlichen Verfolgung entziehe. Ein Konzernsprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Osterloh verärgert

Für zusätzliche Brisanz vor dem Treffen sorgte Kritik des mächtigen VW-Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh am Kurs der Unternehmensspitze. "Der Vorstand verkündet Sparmaßnahmen einseitig und ohne Grundlage", hatte Osterloh moniert. Der Betriebsrat werde bewusst außen vor gelassen. Der neue VW-Chef Müller hatte wegen der immensen Kosten des Skandals angekündigt, den Sparkurs bei VW zu verschärfen. Als Konsequenz aus der Affäre um falsche Abgas- und Verbrauchswerte bei Volkswagen will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) jetzt streng kontrollieren lassen. "Die Dieselfahrzeuge anderer Hersteller auch aus dem Ausland unterziehen wir gerade strengen Nachprüfungen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Dobrindt kündigte zudem eine Überarbeitung der Abgastests an.
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