Apple gibt Widerstand gegen größere Smartphones auf
Nichts für kleine Hände

Das I-Phone 6 Plus und das I-Phone 6 sind mittlerweile im Handel. Auf dem größeren Plus-Smartphone (links) lässt sich die Benutzeroberfläche auch quer im sogenannten Landscape-Modus darstellen. Bild: dpa

Lange Zeit hat sich Apple gegen den Trend zu immer größeren Smartphones gestellt. Mit den beiden neuen I-Phone-6-Modellen geben die Kalifornier diesen Widerstand auf. Eine gute Entscheidung, wie der Praxistest zeigt.

Seit 19. September sind die neuen Geräte zu haben, und potenzielle I-Phone-Käufer können aus drei verschiedenen Größen auswählen: Neben den beiden Vorsaison-Modellen 5c und 5s mit einem 4-Zoll-Display stehen künftig das I-Phone 6 mit 4,7 Zoll und das für Apple-Verhältnisse riesige I-Phone 6 Plus mit einer 5,5-Zoll-Diagonale im Programm. Allerdings ist das Gehäuse mit einer Stärke von nur noch 7 Millimetern mit den Jahren viel dünner geworden - was vergangene Woche zu Ärger wegen verbogenen Geräten in den Hosentaschen der Erstkäufer geführt hat.

Sehr helle Displays

Im Praxistest überzeugen beide neuen Modelle mit sehr hellen Displays, die Farben natürlich darstellen - und nicht so quietschbunt wie manche Konkurrenzmodelle. Im Vergleich zum exzellenten Display des I-Phone 5s registrierten wir im Praxistest allerdings nur noch einen kaum spürbaren Fortschritt. Deutlich erkennbar ist aber die höhere Auflösung. Mit 1334 x 750 Pixel beim I-Phone 6 und Full-HD-Auflösung (1920 x 1080) beim 6 Plus passt nun eine zusätzliche Icon-Reihe für Apps auf den Startschirm.

Apps wie Mail oder der Browser Safari wurden von Apple bereits an die höhere Auflösung angepasst. Auf dem Plus-Modell können etliche Anwendungen in einem Quermodus betrieben werden. So sieht man beispielsweise im Mail-Client in einer Art Splitscreen die Liste der Nachrichten sowie die ausgewählte Mail selbst. Damit die beiden Modelle künftig auch mit einer Hand bedient werden können, hat Apple den Ein/Ausschalter von der oberen Gehäuseseite an den seitlichen Rand verlegt.

Außerdem kann man mit einem sanften Doppel-Tippen auf den Home-Button dafür sorgen, dass die obere Hälfte des Bildschirmrands nach unten rutscht, um sie mit dem Daumen zu erreichen. Beim I-Phone 6 funktioniert der Einhandbetrieb noch einigermaßen, beim 6 Plus muss man schon sehr jonglieren.

Bei den Kameras verweigert sich Apple der nur bedingt sinnvollen Jagd nach möglichst hohen Pixelzahlen. Die Kamera auf der Rückseite bleibt bei den acht Megapixel des I-Phone 5s. Die Bilder im Test fielen scharf und detailreich aus, auch dank eines schnellen Autofokus. Bei der Auflösung bieten aber einzelne Spitzenmodelle von Samsung oder Nokia mehr. Der Linse im I-Phone 6 Plus wurde zusätzlich eine optische Bildstabilisierung spendiert, so dass hier Verwackelungen selbst bei wenig Licht kaum noch vorkommen.

Was ist unter der Haube?

Über technische Details "unter der Haube" schweigt sich Apple wie üblich aus. Nach dem Praxistest kann man davon ausgehen, dass der Apple-Chip A8 auf 1,4 Gigahertz getaktet und mit zwei Kernen ausgestattet ist. In der Android-Welt werden zum Teil noch schnellere Chips oder Displays mit höherer Auflösung verwendet, doch in vielen Fällen geht das wie beim Smartphone G3 von LG stark zulasten der Akkulaufzeit. Außerdem werden diese Hochtakt-Boliden im Dauerbetrieb unangenehm heiß.

Da in den größeren Gehäusen mehr Platz für die Akkus zur Verfügung steht, verkürzen die höhere Leistung der Chips und die höhere Auflösung der Displays nicht die vom I-Phone 5s gewohnte Akku-Laufzeit. Das I-Phone 6 machte im Test - wie von Apple versprochen - erst nach über elf Stunden durchgehender Videowiedergabe schlapp und erzielte mit zwölf Stunden beim Surfen über WLAN sogar eine Stunde mehr als von Apple behauptet. Das I-Phone 6 Plus hielt beim Surfen sogar 14 Stunden durch, zwei Stunden länger als von Apple versprochen.

An die größeren Abmessungen des I-Phone 6 gewöhnt man sich schnell, auch wenn man bislang mit einem deutlich kleineren Smartphone unterwegs war. Das I-Phone 6 Plus fällt mit seinen 5,5 Zoll dagegen klar in die gewöhnungsbedürftige Kategorie der "Phablets", einer Mischung aus "Phone" (Telefon) und Tablet-Computer.
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