Arbeitsschützer warnen vor Hast im Job

Eine Frau testet auf der bis 30. Oktober laufenden Fachmesse A+A (Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit) in Düsseldorf ein Schlauchfluchtgerät mit einer Druckluftflasche der Firma MSA Deutschland. Bild: dpa

Stress, Lärm und dauernd Unterbrechungen - für viele Beschäftigte steigt die psychische Belastung. Auch Unternehmen erkennen zunehmend die Notwendigkeit, Fachkräfte zu sichern. Bei der Arbeitsschutzmesse A+A geht es um die Zukunft der Arbeit - und um schönere Ohrstöpsel.

Der Zeitdruck sitzt den Angestellten in Deutschland im Nacken. 56,8 Prozent der Beschäftigten beklagt sich darüber. Der zweitgrößte Stressfaktor am Arbeitsplatz sind Störungen und Unterbrechungen - das zeigt eine Auswertung des unter dem Dach des DGB-Bundesvorstands angesiedelten Instituts "Gute Arbeit". Vorgelegt wurde das Papier am Montag zum Start der Düsseldorfer Arbeitsschutz-Messe.

Auf den weiteren Rängen der Stress-Hitliste für Arbeitnehmer folgen ungünstige Körperhaltungen etwa in gewerblichen Berufen oder auch am Büro-Schreibtisch sowie Lärm. Arbeiten in der Nacht oder eine respektlose Behandlung durch Vorgesetzte, Kollegen oder Kunden spielen dagegen nach der Auswertung nur eine Nebenrolle unter den Stressfaktoren für Arbeitnehmer.

"Bedarf an Aufklärung"

"Es gibt einen großen Bedarf an Aufklärung über psychische Belastungen am Arbeitsplatz", stellte Rolf Schmucker vom Berliner DGB-Institut zum Start der Arbeitsschutzmesse fest. Negative Folgen von Fehlbeanspruchungen können nach den Erkenntnissen der Forscher kurzfristig zu Ermüdung, Erschöpfung und einem erhöhten Unfallrisiko führen. Langfristig drohten körperliche und psychische Erkrankungen.

Einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (Ifaa) zufolge messen auch Fach- und Führungskräfte in der Wirtschaft den Themen Arbeits- und Gesundheitsschutz, Arbeitszeitflexibilisierung und Fachkräftesicherung eine steigende Bedeutung zu. Während unter den aktuellen Themen derzeit noch die Organisation der Arbeitsprozesse im Fokus der Unternehmen stehe, sei die künftige Sicherung von Fachkräften nach Einschätzung der Unternehmenslenker die wichtigste Herausforderung der Zukunft, hieß es.

Datenbrillen und Tablets

Die zunehmende Digitalisierung der Industrie stelle auch neue Anforderungen an den Arbeitsschutz, so bei der Zusammenarbeit mit Robotern, sagte Ifaa-Direktor Sascha Stowasser. Gleichzeitig könne etwa der Einsatz von digitalen Datenbrillen oder Tablets künftig unter anderem die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt erleichtern, da derartige digitale Hilfsmittel problemlos auf jede Sprache einzustellen seien.

Mehr als 1800 Aussteller stellen bei der A+A neue Trends zum Thema Arbeitsschutz vor - vom dynamischen Ohrstöpsel bis zur atmungsaktiven Schutzkleidung für Feuerwehrleute. Berufsbekleidung werde immer modischer und der Outdoor-Kleidung immer ähnlicher, hieß es. Hinzu kämen zunehmend praktische Details wie verlängerte Jacken und hinten höher geschnittene Hosen für Beschäftigte, die oft auf den Knien arbeiten müssten, oder spezielle Pinseltaschen bei der Malerbekleidung.

"Der persönliche Schutz wird auch genutzt", berichtete der Vorsitzende des Aussteller-Beirats Arbeitsschutz-Messe A+A, Klaus Bornack. Von 2004 bis 2014 habe sich der Gesamtumsatz der Branche von 1,28 Milliarden Euro auf 1,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gesteigert. Etwa ein Zehntel des weltweiten Umsatzes mit Arbeitsschutzartikeln werde damit in Deutschland erwirtschaftet. Die Branche profitiere zudem auch von der Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland, da deutsche Unternehmer dort auch die Produkte der Hersteller nutzten, so Bornack.
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