Auch die Modebranche setzt verstärkt auf das Thema Ökologie und Nachhaltigkeit
Bei Kleidung die Natur im Blick

Mehr aus den Ressourcen rausholen: Mode aus recycelten Rohstoffen könnte ein weiterer Weg sein, die Natur künftig zu schonen. So gestaltete Kleider zeigte zum Beispiel die französische Recycling-Designerin Katell Gelebart 2012 in Hamburg. Bild: hfz
Bei Lebensmitteln sind Biowaren längst verbreitet - die Modebranche hinkt da noch hinterher. Zuletzt gab es wieder Skandale über umweltschädliche Stoffe und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen. Mittlerweile wollen viele Firmen ihr Image verbessern oder zumindest dem Verbraucher Alternativen zur üblichen Produktion anbieten. "Mehr und mehr Konzerne erlegen sich mittlerweile einen eigenen Verhaltenskodex auf, was das ökologische Produzieren und faire Handeln ihrer Ware betrifft", hat Melanie Weber-Moritz von der Verbraucher-Initiative in Berlin beobachtet.

Viele Hersteller nähern sich dem Thema über Projekte an: Puma etwa hat eine Ökobilanz erstellt. Darin bilanziert das Unternehmen seine Umweltschäden entlang der gesamten Produktionskette in Euro - vom CO2-Ausstoß über den Wasserverbrauch bis zur Abfallproduktion. Das Ergebnis: Umweltschäden in Höhe von 145 Millionen Euro allein für 2010. Als Konsequenz entwickelte Puma einen Plan, wie bis 2020 die Freisetzung gefährlicher Chemikalien unterbunden werden soll.

Algen und Eukalyptus

Andere Unternehmen bringen grüne Kollektionen auf den Markt. "H&M und C&A etwa sind mittlerweile große Abnehmer von Bio-Baumwolle", erklärt Weber-Moritz. Für die Aufzucht von konventioneller Baumwolle für ein durchschnittliches Shirt werden 2700 Liter Wasser benötigt, für Bio-Baumwolle nur halb so viel, klärt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland auf. Und wiederum andere Firmen entwickeln neue Fasern: Das vegane Label Umasan nutzt beispielsweise Algen und Eukalyptus.

Neben den verarbeiteten Materialien sind Siegel ein Anhaltspunkt, um faire Waren zu erkennen. Doch auch hier gilt Vorsicht: "Einige Unternehmen vergeben Siegel an sich selbst, die keiner Qualitätsprüfung unterliegen", erläutert Christiane Schnura von der Kampagne für Saubere Kleidung. Im Resultat bedeutet das: Verbraucher müssen genau hinschauen und sich im Zweifelsfall selbst informieren. Besonders bekannt ist das Fairtrade-Siegel, das unter anderem Produkte aus Bio-Baumwolle zertifiziert. Der Oeko-Tex Standard 100 sei das Mindestens, worauf der Verbraucher achten sollte, findet Rolf Heimann, Mitglied im Richtlinienausschuss des Internationalen Verbandes der Textilwirtschaft und Leiter der Abteilung Corporate Responsibility von Hessnatur. Kleidung mit diesem Label unterschreiten die Grenzwerte für gesundheitsgefährdende Schadstoffe. Für besonders empfehlenswert erachtet er den Global Organic Textile Standard, kurz GOTS. "Um dieses Siegel zu erhalten, müssen alle Zulieferer, von der Spinnerei bis zur Färberei, zertifiziert sein."

Übersicht über Labels

Die Verbraucher-Initiative gibt unter www.label-online.de im Internet einen Überblick über die gängigen Labels. Besonders empfehlenswert seien unter anderem Fairtrade und GOTS sowie Fair for Life, Der Blaue Engel, Earth Positive und das Europäische Umweltzeichen. Auch einige Herstellerlabels werden empfohlen. Unter www.ecotopten.de bewertet das Öko-Institut in Freiburg Labels.

"Im ökologischen Bereich gibt es bereits diverse Zertifizierungen - anders als im sozialen", erklärt Schnura. Die Arbeitsbedingungen fänden bislang nur wenig Beachtung. "Verbraucher müssen sich bewusst machen: Bio ist nicht gleich fair, und fair ist nicht gleich bio", sagt sie. "Brüstet sich ein Unternehmen damit, etwa in Bangladesch ortsübliche Löhne zu zahlen, bedeutet das noch lange nicht, dass diese auch existenzsichernd sind."

Damit die Umwelt weniger belastet wird, sieht Heimann neben den Produzenten die Konsumenten in der Pflicht: "Wir sollten zweimal überlegen, ob wir das neue Shirt oder die neue Jeans tatsächlich brauchen oder ob unser Kleiderschrank nicht eigentlich schon voll genug ist", sagt der Textilökologe. Denn auch wenn weniger Kleidung produziert wird, sei der Natur bereits geholfen.
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