Auch Reise-Tochter meldet Insolvenz an
Unister-Pleite zieht weitere Kreise

Das Firmenschild von Unister neben der Eingangstür zum Firmensitz in Leipzig. Bild: dpa

Leipzig. Nach der Insolvenz der Holding des Leipziger Internetunternehmens Unister hat nun auch die Reisetochter Unister Travel Betriebsgesellschaft Insolvenz angemeldet. Unter deren Dach sind die Reisegeschäfte von Unister gebündelt, darunter auch die Betreiberfirma des Portals "ab-in-den-urlaub.de". Ein entsprechender Antrag sei eingereicht worden, teilte Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Donnerstag mit. Wie Flöther weiter mitteilte, könnten bis zu 14 000 Kunden die Auswirkungen zu spüren bekommen. Probleme gebe es mit Reise-Gutscheinen, die vor dem 20. Juli von einem Tochterunternehmen der insolventen Unister Travel, der U-Deals GmbH, erworben wurden. U-Deals informiere die betroffenen Kunden, dass Reise-Gutscheine derzeit nicht einlösbar seien. Es gebe Fälle, in denen Hotels Anreisen von Kunden abgelehnt oder eine doppelte Bezahlung gefordert hätten. Eine Erstattung sei nicht möglich. Die Holding hatte wenige Tage nach dem Tod von Firmengründer Thomas Wagner Insolvenz beantragt. Wagner ist bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, nachdem er zuvor in Venedig Gespräche geführt hatte. Nach Unister-Angaben war Wagner zu Gesprächen mit möglichen Investoren in die Stadt geflogen. Angesichts der Umstände der Reise vermutet Unister-Mitgesellschafter Daniel Kirchhof kriminelle Handlungen und hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Sein Verdacht reiche "bis hin zur Geldwäsche", hatte er gesagt.

Unterdessen hat das Landgericht Leipzig hat zwei Anklagen gegen mehrere Unister-Manager zu einem Verfahren gebündelt. Die Beschuldigten haben bis Ende August Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern, teilte ein Sprecher am Donnerstag mit. Es handele sich um Anklagen der Generalstaatsanwaltschaft Dresden aus den Jahren 2013 und 2016. Im einzelnen geht es um den Vorwurf des unerlaubten Betreibens von Versicherungsgeschäften sowie Steuerhinterziehung. Eine weitere Anklage liegt wegen banden- und gewerbsmäßigen Computerbetrugs in 87 368 Fällen vor. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft sollen Kunden der Internetportale regelmäßig zu viel Geld bei Reisebuchungen gezahlt haben. Unister hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.