Auf dem Weg zu alter Stärke
Opel hat schwarze Null vor dem Kühler

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann präsentierte im März beim Genfer Autosalon den neuen Opel Astra. Von Journalisten war das Modell zum "Auto des Jahres" gekürt worden. Archivbild dpa

Schafft der Autobauer Opel nach 17 verlustreichen Jahren die Rückkehr in die Gewinnzone? Experten sehen gute Chancen, dass die General-Motors-Tochter dieses selbstgesteckte Ziel 2016 erreicht.

Rüsselsheim. In den vergangenen drei Jahren hat Opel-Chef Karl-Thomas Neumann seine Ausdauer gut gebrauchen können. In seinem wichtigsten Rennen ist der Marathon-Läufer mit einem Ruhepuls von 42 aber noch längst nicht am Ziel, nämlich den einstmals stolzen Autobauer mit dem Blitz wieder profitabel zu machen. Nach dem schon von seinem Vorgänger verkündeten Plan soll Opel 2016 in die Gewinnzone zurückkehren - nach Jahrzehnten des Niedergangs mit Milliardenverlusten und Schrumpfprozessen.

Verkauf gescheitert


1999 hat Opel letztmals schwarze Zahlen zum GM-Konzernergebnis beigetragen, zehn Jahre später wollte die selbst in Schwierigkeiten geratene US-Mutter ihre Europa-Tochter eigentlich loswerden. Trotz höchster politischer und gewerkschaftlicher Rückendeckung scheiterte der Verkauf an das österreichisch-russische Konsortium Magna/Sberbank, und GM nahm das Schicksal der bereits 1929 erworbenen Tochter doch noch in die eigene Hand. Schmerzhaften Einschnitten mit Werksschließungen folgt nun der Wiederaufstieg.

Nach Einschätzung des Auto-Experten Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach hängt einiges an der Persönlichkeit Neumanns, der bei den GM-Managern in Detroit mit Mary Barra an der Spitze Vertrauen erzeugt habe. Unverdrossen tragen die Amerikaner seit Jahren die Verluste mit, stellen Geld für weitere Investitionen zur Verfügung. Ergebnis ist eine mit 2,9 Jahren Durchschnittsalter extrem junge Angebotspalette.

Opel ist bislang auch gut durch die Diesel-Krise gekommen. Nur rund 40 Prozent der derzeit verkauften Opel haben einen Selbstzünder an Bord. Das allerdings wird sich ändern, denn auch Opel setzt bei seiner Modell-Offensive vor allem auf SUV-Modelle in allen Größen, die bevorzugt mit durchzugstarken Diesel-Motoren bestückt werden. Nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer vom Car-Center der Universität Duisburg-Essen profitiert Opel bei weiteren Zukunftsthemen stark von der Mutter GM. "Die ganzen Themen wie Vernetzung, autonomes Fahren, Carsharing und so weiter kommen alle aus den USA und können kostengünstig auf hiesige Verhältnisse übersetzt werden", sagt er.

Rückzug aus Russland


Trotz des politisch bedingten Rückzugs vom russischen Markt, der pro Jahr für rund 80 000 Verkäufe gut war, hat Opel seine europaweite Produktion 2015 auf 1,14 Millionen Autos gesteigert. Im ersten Quartal 2016 zogen die Opel-Verkäufe stärker an als im Gesamtmarkt. Das schafft auch Arbeitsplätze: Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hat die Rückkehr zum Dreischichtbetrieb im Rüsselsheimer Stammwerk angekündigt. Dudenhöffer sieht Opel "sportlich unterwegs" auf dem Weg in die Gewinnzone. 2015 hatten die Europäer allerdings noch einen Verlust von 813 Millionen Dollar in Detroit gemeldet. Doch Opel/Vauxhall habe sich rechtzeitig aus Russland verabschiedet und leide 2016 auch nicht mehr unter den Kosten für die Werkschließung in Bochum. Ein Millionengewinn und damit mehr als die schwarze Null sollte in diesem Jahr drin sein, sagt der Experte.
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