Aufruf zur Geschlossenheit
Volkswagen formt Wolfsburger Wagenburg

Auch Peter Maffay (links, neben ihm Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratsvorsitzender von Volkswagen) war bei der Versammlung in Wolfsburg dabei. Der Rockmusiker ist Mitglied im Kuratorium der Volkswagen-Belegschaftsstiftung, die sich für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche im Umfeld der Standorte des Konzerns einsetzt. Bild: dpa
 
Wir werden in diesem Jahr immer mal wieder mit unangenehmen Nachrichten im Zusammenhang mit "Dieselgate" konfrontiert werden.

Auch zur dritten Betriebsversammlung seit dem Ausbruch der Abgas-Krise im VW-Stammwerk Wolfsburg kamen über 20 000 Mitarbeiter. Sie hörten viele Mut machende Worte. Doch wie sicher sind die Jobs?

Wolfsburg. Ein halbes Jahr nach dem Ausbruch der Abgas-Krise bei Volkswagen sind die Konsequenzen für Konzern und Mitarbeiter weiter nicht absehbar. Die Botschaft von Konzernchef Matthias Müller, Betriebsratschef Bernd Osterloh und Aufsichtsrat Stephan Weil bei der dritten Betriebsversammlung seit Bekanntwerden des Skandals an mehr als 20 000 Beschäftigte im VW-Stammwerk war am Dienstag deshalb klar: aufmuntern, Reihen schließen und aufklären.

"Ich will Ihnen heute Mut zusprechen", sagte Müller. "Volkswagen war in der Vergangenheit immer wieder mit großen Herausforderungen konfrontiert." Es sei aber auch immer wieder gelungen, sich in Krisenzeiten neu auszurichten, "zu restrukturieren und - zum Beispiel durch neue Aufgaben - für sichere Beschäftigung zu sorgen". Er rief alle Verantwortlichen und Mitarbeiter zur Geschlossenheit auf. Mit Blick auf die Medien kritisierte er, dass dort oft zu zugespitzt oder einseitig über die Krise berichtet werde.

Sorgen um Arbeitsplatz


Trotzdem überschatteten Sorgen um die Sicherheit der Jobs die Betriebsversammlung, die in großen Teilen für die Medien zugänglich war. "Sollte die Zukunftsfähigkeit von Volkswagen durch eine Strafzahlung in bislang einmaliger Höhe nachhaltig gefährdet werden, wird dieses auch dramatische soziale Folgen haben - nicht nur an unseren US-amerikanischen Standorten, sondern auch in Europa und anderswo", sagte Osterloh. In den USA drohen dem VW-Konzern Strafen in Milliardenhöhe. Die USA selbst, mehrere Bundesstaaten und viele Zivilkläger gehen dort gegen VW vor. Anders als in Deutschland ist ein Plan für die Nachbesserungen an den etwa 600 000 manipulierten US-Wagen noch nicht unter Dach und Fach.

Der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) betonte, die Zeit schlechter Nachrichten infolge der Krise sei wohl noch nicht vorbei: "Wir werden in diesem Jahr immer mal wieder mit unangenehmen Nachrichten im Zusammenhang mit ,Dieselgate' konfrontiert werden." Details zu seiner Warnung nannte Weil aber nicht. Das Land Niedersachsen ist - nach den Familien Porsche und Piëch - zweitgrößter Aktionär bei Europas größtem Autobauer.

Leiharbeiter müssen gehen


Zur Lage der Leiharbeiter erklärte Weil, dass die Verantwortung von VW nicht mit dem Ausscheiden aus dem Konzern ende. Zuletzt waren die Verträge von Leiharbeitern in den Werken Hannover und Emden nicht verlängert worden.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal den Kreis der Beschuldigten ausgeweitet. Die Zahl habe sich von sechs auf 17 erhöht, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe. Unter den Personen sei aber nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat im Abgas-Skandal ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Betrugs eingeleitet. Drei Ermittlungsrichter verfolgten nun die Vorwürfe gegen den Autobauer, sagte eine Sprecherin der Behörde am Dienstag.
Wir werden in diesem Jahr immer mal wieder mit unangenehmen Nachrichten im Zusammenhang mit "Dieselgate" konfrontiert werden.Stephan Weil, VW-Aufsichtsrat
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