Aufsichtsrat genehmigt erste Schritte
Börsengang der Bahn-Töchter unsicher

Das konjunkturabhängige Geschäft des Logistik-Riesen Schenker könnte potenzielle Aktionäre abschrecken. Bild: dpa

Sieben Jahre nach dem Scheitern eines Börsengangs will die Deutsche Bahn wieder Unternehmensteile verkaufen. Der Aufsichtsrat genehmigte erste Schritte. Wie es gemacht wird, ist längst nicht entschieden.

Berlin. Die volle Kontrolle will die Deutsche Bahn behalten, deutlich mehr als 50 Prozent sollen beim Staatskonzern bleiben. Und doch stellt die geplante Minderheitsbeteiligung von Investoren an zwei internationalen Tochtergesellschaften einen Einschnitt dar.

Die Grünen im Bundestag sprechen von einem Ende des Expansionskurses der Bahn mit Firmenzukäufen in aller Welt. Die Gewerkschaften hoffen durch den Teilverkauf von DB Arriva, die in 14 Ländern Europas Busse und Bahnen fahren lässt, und des globalen Logistikers DB Schenker auf positive Effekte für das "Brot-und-Butter-Geschäft". So nennt Bahnchef Rüdiger Grube den Eisenbahnverkehr in Deutschland.

Plan für Umsetzung


Noch ist es nicht so weit, doch der Aufsichtsrat, in dem Vertreter des Bundes und der Arbeitnehmer das Sagen haben, lässt das Management nun "ein konkretes Umsetzungskonzept für eine Minderheitsbeteiligung Dritter" erstellen. Die "endgültige Entscheidung" über die Operation soll dann im Herbst fallen, heißt es in der offiziellen Mitteilung, in der von einem Börsengang keine Rede ist.

Grube freilich hat solche Börsenpläne, und sie sind ziemlich konkret. Sofern das Umfeld halbwegs normal ist, soll zuerst Arriva bis Mitte 2017 auf den Aktienmarkt gehen und Schenker 2018 folgen. Zumindest Arriva gilt als "schöne Tochter" mit einer Wachstumsstory, die potenzielle Aktionäre gerne sehen. Beim konjunkturabhängigen Geschäft von Schenker ist es nicht ganz so sicher, ob die Anleger anbeißen werden.

Die Bahn hält sich bedeckt. Man will sich dadurch nicht der Chancen auf einen möglichst hohen Verkaufspreis der Aktien berauben. Aber durchgesickert ist doch, dass sich der Vorstand einen Erlös von etwa 4,5 Milliarden Euro erwartet. Dabei ist es eine Art Notprogramm. Die Bahn benötigt dringend Geld, um ihr Schienennetz in Schuss zu halten und neue Züge zu kaufen. Zugleich will sie ihre enormen Schulden von 17,5 Milliarden Euro (Ende 2015) nicht anwachsen lassen. Das Geschäft im Ausland läuft aber auch so gut, dass die Deutsche Bahn sich nicht ganz von den profitablen Töchtern trennen will. Deshalb favorisiert Grube den Börsengang, der bei einer breiten Streuung der Aktien den Vorteil hat, dass kein unbequemer Großinvestor eigene Ziele verfolgen kann.

Die geplanten Börsengänge sind übrigens nicht vergleichbar mit jenem, der 2008 quasi in letzter Minute an den Finanzmarkt-Turbulenzen scheiterte. Den dazu eigens gegründeten Teilkonzern DB Mobility Logistics hat der Aufsichtsrat am Mittwoch wieder mit der Deutschen Bahn AG verschmolzen. Das Ende der Doppelstruktur bedeutet Kostenersparnisse, aber auch, dass das Kerngeschäft nicht mehr an die Börse gehen kann.
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