Ausländische Ketten entdecken den deutschen Markt für Sport und Fitness
Kampf ums Überleben

Auch ausländische Anbieter wie die schwedische Kette Stadium wollen ein Stück vom Kuchen des Sporthandels in Deutschland. Bild: dpa
Ob Skifahren, Joggen, Wandern, Schwimmen oder Fitnesstraining: Wer Sport treiben will, braucht die richtige Ausrüstung. Dass die Verbraucher in Deutschland im Sportfachhandel inzwischen beheizbare Skischuhe oder gleich Spezialanfertigungen für Sportschuhe bekommen können, ist kein Zufall: "Der Kunde, der uns an seinen Fuß lässt, lässt uns auch an sein Portemonnaie", sagt Intersport-Chef Kim Roether. Und da ranzukommen, ist für deutsche Sporthändler nicht mehr so einfach - denn der Konkurrenzkampf wird härter.

"Der Markt wächst im Moment nicht wirklich", sagt Roether. "Hinzu kommt eine ganze Reihe ausländischer Wettbewerber, etwa aus Österreich oder Skandinavien." Zuletzt eröffnete etwa der schwedische Händler Stadium eine große Filiale in Hamburg, eine zweite soll Ende des Monats folgen. Auch hier stößt man an Grenzen: "In Deutschland gibt es viele etablierte Mitbewerber im Sportmarkt", sagt Stadium-Chef Gustaf Öhrn, "und auch die Standortsuche in Top-Lagen gestaltet sich heutzutage schwierig." Hervis aus Österreich oder Ochsner Sport aus der Schweiz starten derzeit ebenfalls Läden in der Bundesrepublik.

Größter Markt in Europa

Experten überrascht deren Vordringen nicht: "Deutschland ist der größte Sporthandelsmarkt in Europa", sagt Karsten Hollasch von der Unternehmensberatung Deloitte. "Das Fitness- und Gesundheitsbewusstsein der Deutschen ist hoch. Hinzu kommen die wirtschaftlich stabilen Rahmenbedingungen." Derzeit liegt der Markt demnach bei etwa 7 Milliarden Euro - große Sprünge seien aber nicht mehr zu erwarten. Platz für alle gibt also nicht: "Im kaum wachsenden Markt bedeutet das einen Verdrängungskampf", sagt Gunter Ehe von der BBE Handelsberatung.

Zudem machen den Sporthändlern die Hersteller selbst Konkurrenz: "Die großen Marken etablieren immer mehr Mono-Marken-Stores", sagt Experte Hollasch. "Der Trend ist noch gekoppelt an das Phänomen, dass die Marken ihre eigenen Online-Shops haben." Adidas und Nike etwa haben neben dem Internet-Verkauf auch große Vorzeigeläden in Berlin.

Sport2000-Geschäftsführer Andreas Rudolf klagte jüngst, die Industrie suche "den Kontakt zum Kunden zunehmend am Handel vorbei". Auch der Verbundgruppe Intersport macht das zu schaffen: "Teilweise wollen einige unserer Lieferanten 30 Prozent ihres Umsatzes über Eigenvertrieb machen", sagt Roether. "Da hat es die Industrie deutlich überzogen."

Gang in die Nische

Wie die Fachhändler noch gegensteuern können? "Ein Ansatz, den viele Anbieter gegangen sind, ist die Nische", sagt Deloitte-Experte Hollasch. "Da gibt es die Hochpreisigen mit Erlebnischarakter auf der einen und die Discounter auf der anderen Seite."

Beispiele seien der Outdoor-Ausrüster Globetrotter - bei dem Kunden sich etwa in einem Wassersportbecken oder an einer Kletterwand tummeln können - und der Billig-Anbieter Decathlon auf der anderen Seite. Schwer werde es für Anbieter in der Mitte, die durch den Preiswettbewerb unter Druck gerieten. "Wir müssen den Kunden viel besser verstehen, als das in der Vergangenheit der Fall war", betont Intersport-Chef Roether. Dazu zähle neben mehr Service und Beratung auch eine bessere Verknüpfung von Online- und stationärem Handel. Die Konkurrenz aus dem Ausland beobachte man weiter aufmerksam: "Das sind sicher ernstzunehmende Spieler", sagt er. "Jede Pflanze hat klein angefangen." Experte Hollasch gibt zumindest ein Stück weit Entwarnung: "Flächendeckend ist niemand zu sehen, der den Markt komplett umkrempeln wird."
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