Außenhandelskammer-Chef kritisiert Defizite in Tschechien - Deutschland der ...
"Problemfelder" beim Namen genannt

Regensburg. (cf) Zuerst lobten die Verantwortlichen die "neue Qualität der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit" (Generalkonsul Milan Coupek), dann ergriff Bernard Bauer beim Sommerempfang der IHK Regensburg das Wort. Der geschäftsführende Vorstand der Außenhandelskammer (AHK) in Prag sprach die "wirtschafts- und bildungspolitischen Problemfelder" in Tschechien an, die "langfristig die Attraktivität des Investitionsstandorts" gefährden könnten. Bauer nannte die "mangelnde Transparenz der Auftragsvergabe" in Tschechien, auch das System der Berufsschulausbildung müsse dringend reformiert werden.

Ebenso war die (mangelnde) Qualifikation der Arbeitnehmer in Tschechien ein Kritikpunkt: In der Wertschätzung der Investoren dafür rutschte Tschechien innerhalb von vier Jahren von Platz zwei auf Platz sechs. "Dabei gehört der Faktor Human Resources für ein Land ohne nennenswerte natürliche Ressourcen wie Tschechien zum größten Kapital", mahnte Bauer. Das betreffe vor allem die Industrieproduktion und den Bereich Forschung und Entwicklung. "Tschechien muss mehr denn je ein Ort der Innovation sein."

"Wechselhafte" Politik

"Wir" (offenbar die deutsche Wirtschaft) "erachten es für unerlässlich, dass das Thema digitale Vernetzung auch in Tschechien ganz oben auf der Agenda (...) steht", monierte der AHK-Leiter. Ein Seitenhieb galt der Politik im östlichen Nachbarland. Zu "wechselhaft" seien die Bedingungen: "Allein in den letzten acht Jahren habe ich fünf Premiers und sechs Minister für Industrie und Handel erlebt. Routine und Alltag kommen da so schnell nicht auf." Insofern sei er dankbar, dass es nun schon seit eineinhalb Jahren eine "recht stabile Regierung" in Prag gebe.

Der tschechische Generalkonsul hatte zuvor den "positiven, dynamischen Ausbau der Handelsbeziehungen" gewürdigt: Im ersten Quartal 2015 stieg der Export nach Deutschland um 5,5 Prozent, der Import um 3,5 Prozent. Mit 16 Milliarden Euro Umsatz erreichte der tschechisch-bayerische Handel 2014 fast ein Viertel des gesamten tschechisch-deutschen Außenhandels. Milan Coupek nannte die Prioritäten der tschechischen Regierung für den Ausbau der Handelsbeziehungen: u. a. Eisenbahn-Korridor Prag-Pilsen-München und noch engere Zusammenarbeit bei der angewandten Forschung.

Coupek rühmte Deutschland als Schlüssel-Auslandspartner. Der europäische Fonds für regionale Entwicklung gibt übrigens 103,4 Millionen Euro bis 2020 für grenzübergreifende Projekte. (Kommentar)
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