Autobauer erhöht Druck auf Zulieferer
Schickt VW den Gerichtsvollzieher?

Hinter Gittern: Aufgrund des Streits zwischen VW und Zulieferern kann es sein, dass Liefertermine für Neuwagen nicht eingehalten werden können. Im Bild Fahrzeuge in den Türmen der Autostadt, fotografiert durch ein Schutzgitter. Archivbild: dpa

VW hat im Streit mit zwei Zulieferern die Justiz bisher auf seiner Seite. Das Landgericht Braunschweig hat die beiden Lieferanten per einstweiliger Verfügung verdonnert, zu liefern. Jetzt könnte sogar der Gerichtsvollzieher anrücken

Wolfsburg. Die Machtprobe zwischen Volkswagen und zwei Zulieferern geht weiter. Der Streit droht Teile der Produktion lahm zu legen. Das Landgericht Braunschweig betonte am Freitag, dass VW alle Voraussetzungen für die Herausgabe fehlender Teile erwirkt habe. Der Autobauer kündigte an, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um ein Ende des Lieferstopps durchzudrücken. Fehlende Sitzbezüge und Getriebeteile zwingen VW zu einem teilweisen Fertigungsstopp und Kurzarbeit.

"Für die Krise bei VW und die dadurch entstandene Kurzarbeit sind wir nicht verantwortlich", sagte der Geschäftsführer der ES Automobilguss, Alexander Gerstung, einer Mitteilung zufolge. ES und die ES-Schwester Car Trim verweigern trotz der einstweiligen Verfügungen dem Autobauer die Lieferung der Teile.

Sitzbezüge und Getriebe


In Emden hatte VW bereits für 7500 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Der Konzern prüft dies auch für die Standorte Braunschweig, Zwickau, Kassel und Wolfsburg. Laut dpa-Informationen ruht die Produktion des Golf vom 22. bis einschließlich 27. August. Die betroffenen Mitarbeiter sollten zunächst Überstunden abbauen Der Boykott lähmt den Autobauer, da Sitzbezüge und Gehäuse für sogenannte Ausgleichgetriebe fehlen. Die genauen Hintergründe des Streits liegen weiter im Dunkeln. Aus Sicht von ES und Car Trim sei die Lage Folge einer frist- und grundlosen Kündigung von Aufträgen seitens VW. Volkswagen habe keinen Ausgleich für die Kündigungen gewährt. Deswegen "sahen sich Car Trim und ES Automobilguss letztlich zum Lieferstopp gezwungen", heißt es in der Mitteilung. Um was für Kündigungen es genau geht, ist offen. Dennoch sei man an einer Einigung interessiert. Auch ein VW-Sprecher sagte, man versuche weiterhin eine gütliche Einigung herbeizuführen.

VW will dennoch alle Möglichkeiten nutzen, um an die fehlenden Teile zu kommen. Der Konzern sei gezwungen, "die zwangsweise Durchsetzung der Belieferung vorzubereiten, und zwar mit den uns zur Verfügung stehenden gesetzlich vorgesehenen Mitteln. Dazu gehören Ordnungsgeld, Ordnungshaft, Beschlagnahme, die über das Gericht beantragt werden", sagte ein VW-Sprecher am Freitag. Beschaffungs-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz hatte den Zulieferern Ende Juni geschrieben, der Autobauer müsse auch bei den "Beschaffungskosten deutlich effizienter werden". Er wolle die Reserven mobilisieren. "Das wollen wir kooperativ erreichen, aber auch mit der notwendigen Konsequenz, um wettbewerbsfähig zu bleiben", kündigte er die Marschrichtung an.

Auslieferungen später


Nach dem angekündigten Produktionsstopp bangen inzwischen auch erste Autokäufer um die Lieferung ihrer Wagen. "Wir haben die ersten Anrufe von Kunden, die sich Sorgen machen, ob ihr Auto pünktlich kommt", sagte VW-Händler Ernst-Robert Nouvertné aus Solingen, der auch im Vorstand des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes sitzt. In einem Schreiben an die Händler hieß es vom VW-Vertrieb zwar, das Unternehmen rechne mit einer Entspannung der Lage. Bei einzelnen Fahrzeugen könne es aber zu Verzögerungen kommen.
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