Bahn erwartet langsameres Wachstum

In den vergangenen drei Jahren hat sich die Welt aus Sicht von Bahnchef Grube gravierend verändert. Der Staatskonzern steht unter Druck. Das hat nicht nur mit den Fernbussen zu tun.

Die Bahn nimmt Kurs auf langsameres Wachstum. Gründe seien der stärkere Wettbewerb - etwa durch Fernbusse - aber auch steigende Kosten, Rückgänge bei Güterzügen und großer Druck auf die Margen im weltweiten Geschäft. Das sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Donnerstag. 2015 will der Staatskonzern die Marken von 41 Milliarden Euro Umsatz und 1,1 Milliarden Euro Gewinn übertreffen. Das war schon 2014 das Ziel, doch die Bahn verfehlte es aufgrund von Unwettern, der wachsenden Konkurrenz und von Lokführer-Streiks.

2,03 Millionen Fahrten

Reisende in Deutschland legten 2,03 Milliarden Fahrten mit der Bahn zurück, 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr und ein weiterer Rekord. Zuwachs gab es aber allein im staatlich subventionierten Nah- und Regionalverkehr. Der Konzernumsatz stieg um 1,5 Prozent auf 39,7 Milliarden Euro, der Gewinn legte nach einem Einbruch 2013 um gut die Hälfte auf 988 Millionen Euro zu. 700 Millionen davon gehen als Dividende an den Eigentümer, den Bund.

"Natürlich hätten wir gern mehr gehabt", sagte Grube und versicherte: "Wir werden angreifen und wir wollen gewinnen." Der Konzern hatte am Mittwoch ein Programm für mehr Fahrten und Stationen im Fernverkehr angekündigt, um Kunden zurückzuholen, die beispielsweise auf den Fernbus umgestiegen sind. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einer Stärkung des Kerngeschäfts der Bahn in Deutschland.

"Es ist nicht nur der Fernbus", erklärte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg die Probleme im Fernverkehr mit ICE und Intercity, in die Kunden etwas seltener stiegen. 129 Millionen Fahrten entsprachen einem Minus von 1,5 Prozent. "Nach wie vor ist das Auto der Wettbewerber Nummer eins." Wenn der Benzinpreis sinke, würden auch weniger Bahn-Fahrscheine gekauft. Während der sechs Lokführerstreiks und in Folge des Sturmtiefs Ela fuhren weniger Züge. Die Einnahmeverluste durch den Streik bezifferte Finanzvorstand Richard Lutz auf 170 Millionen Euro, die Fernbusse schlugen mit 130 Millionen Euro zu Buche, das Sturmtief mit 60 Millionen Euro.

"Welt hat sich verändert"

Das langfristige Wachstumsziel korrigierte Grube nach unten. Eigentlich sollte der Umsatz bis 2020 auf 70 Milliarden Euro steigen, wovon Zukäufe 14 Milliarden Euro einbringen sollten; das Ziel hatte Grube vor drei Jahren ausgegeben. "Es steht nicht in Abrede, dass sich seit 2012 die Welt gravierend verändert hat", sagte Grube nun. Seine neue Vorgabe lautet, bis 2020 mehr als 50 Milliarden Euro zu erreichen und darüber hinaus nur Unternehmen zu kaufen, wenn sich neue Finanz-Spielräume ergeben.

Grube verteidigte gestiegene Bonus-Zahlungen an die sechs Vorstände, die laut Geschäftsbericht insgesamt nach gut 6,1 Millionen im Vorjahr nun 10,4 Millionen Euro erhielten. Wesentliche Kennzahlen hätten sich verbessert, sagte Grube.
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