Bahn: Grube kündigt Konzernumbau an

Rüdiger Grube will der Bahn einen neuen Kurs verordnen. Bild: dpa

Streikfolgen, Fernbus-Konkurrenz, immer mehr Rivalen im Nahverkehr: Bahnchef Grube hat gleich an mehreren Fronten zu kämpfen. Ein grundlegender Umbau soll dem bundeseigenen Konzern Luft verschaffen. Mit Spannung wird auch auf das Ergebnis der Schlichtung gewartet.

Die Deutsche Bahn will mit einem Umbau des Konzerns wieder profitabler werden. Als Reaktion auf Schwierigkeiten in mehreren Geschäftsfeldern kündigte Vorstandschef Rüdiger Grube nach Informationen der dpa bei einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch gravierende Änderungen an. Er wolle dem Kontrollgremium "in absehbarer Zeit" Vorschläge zu diesem Umbau unterbreiten, hieß es.

"Neue Wege"

Laut einer Vorlage für den Aufsichtsrat mit der mittelfristigen Finanzplanung bis zum Jahr 2019 will Grube mit der Bahn "neue Wege gehen", um im Wettbewerb zu bestehen, soweit bestehende Geschäftsmethoden "nicht, beziehungsweise nicht mehr zukunftsfähig sind". Das schließe "Veränderungen in der Wertschöpfungstiefe, die Neudefinition des Kerngeschäfts und Veränderungen im Portfolio des Konzerns mit ein", heißt es in dem Papier. Die Bahn steht im Personenfernverkehr wegen der Konkurrenz der Fernbusse unter Druck. Im Regionalverkehr hat sie bei Ausschreibungen verloren. Und im Schienengüterverkehr sollen Medieninformationen zufolge seit Jahresbeginn Verluste statt geplanter Gewinne aufgelaufen sein. Hinzu kommen die finanziellen Folgen der Lokführerstreiks.

Die Schlichtung im Bahn-Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ist am Donnerstag in die letzte Runde gegangen. Es wurde erwartet, dass sich die beiden Schlichter, der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und der frühere brandenburgische Regierungschef Matthias Platzeck (SPD), heute äußern werden. Die Beteiligten hatten den 25. Juni als letzten Tag des Schlichtungsverfahrens festgelegt. Der Ausgang des Verfahrens nach rund vier Wochen blieb auch am Donnerstag offen.

Abweichende Verträge?

Als Hauptproblem gilt das Ziel der GDL, für jede der bei ihr organisierten Berufsgruppen Tarifabschlüsse zu erzielen, die im Zweifel auch von Tarifverträgen mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) abweichen können. Die Bahn strebt dagegen widerspruchsfreie Regelungen an. Die GDL hat für ihre Mitglieder außerdem fünf Prozent mehr Geld bei zwölf Monaten Vertragslaufzeit, eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde und eine Begrenzung der Überstunden gefordert. Mit der EVG hatte die Bahn kurz vor Beginn der GDL-Schlichtung einen Tarifabschluss erreicht. Rund 100 000 Bahn-Beschäftigte, die bei der EVG organisiert sind, erhalten demnach zum 1. Juli eine Einkommenserhöhung um 3,5 Prozent. Am 1. Mai 2016 steigen die Löhne nochmals um 1,6 Prozent.
Weitere Beiträge zu den Themen: Berlin (7520)Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.