Bahn kommt ins Rollen

Bahnkunden können hoffen: Die Gewerkschaft EVG und der Konzern nähern sich an. Und nach dem Abbruch des Streiks der kleineren Lokführergewerkschaft GDL normalisiert sich der Bahn-Verkehr zum Pfingstwochenende allmählich. Doch es gibt noch genug Zündstoff.

Millionen Menschen können über Pfingsten ohne Angst vor weiteren Streiks bei der Bahn verreisen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) schloss Warnstreiks für die nächsten Tage aus, obwohl die zwölfte Verhandlungsrunde mit der Deutschen Bahn keinen Abschluss brachte.

Unterdessen läuft nach dem Abbruch des Lokführer-Streiks der kleineren Gewerkschaft GDL der Regional- und S-Bahn-Verkehr nach Bahn-Angaben in vielen Bundesländern fast wieder normal. Im Fernverkehr sei wegen der schwierigeren Einsatzplanung von Personal und Zügen eine Rückkehr zum Normalfahrplan erst an diesem Samstag möglich, teilte der Konzern am Freitag in Berlin mit. Im Güterverkehr dauert die Auflösung des Rückstaus der Züge noch länger. Die Sparte DB Schenker Rail geht davon aus, den Betrieb ab Dienstag wieder in vollem Umfang aufnehmen zu können.

Vertagt auf 27. Mai

EVG und Bahn hatten ihre Gespräche am frühen Freitagmorgen in Berlin auf den 27. Mai vertagt, wie Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber sagte. Es seien Fortschritte erzielt worden. Aber: "Wir haben um halb fünf festgestellt, dass wir Zeit zum Luftholen benötigen und doch noch viele, auch schwierige Fragen anstehen." EVG-Chef Alexander Kirchner sieht Chancen auf eine Einigung in der kommenden Woche. Beide Seiten lägen in dem Tarifkonflikt "nicht mehr so weit" auseinander, sagte er. Die Kernforderung seien sechs Prozent mehr Geld und 150 Euro als "soziale Komponente" sowie eine begrenzte Laufzeit, sagte der EVG-Chef.

Parallel läuft bei der Bahn der Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL, für den ebenfalls am kommenden Mittwoch eine Schlichtung beginnen soll. Das GDL-Verfahren spiele in den Verhandlungen zwischen EVG und Bahn erst einmal keine Rolle, sagte Kirchner. "Da nehmen wir jetzt auch keine Rücksicht auf die Schlichtung." Es müsse aber Tarifeinheit bestehen und dürfe nicht zur Spaltung der Belegschaft kommen, betonte der EVG-Chef.

"Streiks verhindern"

Der Streik der Lokführer, für den die GDL zunächst kein Ende genannt hatte, war am Donnerstag abgebrochen worden, nachdem sich die Bahn und die Gewerkschaft auf eine Schlichtung ab kommender Woche geeinigt hatten. Der von der GDL berufene Schlichter Bodo Ramelow (Linke) will ein mögliches Aufflammen weiterer Streiks unbedingt vermeiden. "Mir ist wichtig, dass es keine neuen Streiks gibt", betonte der thüringische Ministerpräsident. Der Politiker soll zusammen mit einem vom Bahn-Management vorgeschlagenen zweiten Schlichter - Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) - in dem festgefahrenen Tarifkonflikt vermitteln.
Weitere Beiträge zu den Themen: Berlin (7520)Mai 2015 (7904)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.