Bahn tief in der Baugrube

Alte und neue Köpfe der Deutschen Bahn: (obere Reihe, von links) Rüdiger Grube, Ulrich Homburg, Karl-Friedrich Rausch, (untere Reihe, von links) Ronald Pofalla, Heike Hanagarth und Gerd Becht. Bild: dpa

Bahnchef Grube erneuert seinen Vorstand. Das verkleinerte Team soll frischen Wind in die lauen Geschäfte bringen. Noch unklar ist, wie radikal der Konzernumbau ausfallen wird. Ein paar Hinweise gibt es schon.

"Vor dem größten Umbruch seit der Bahnreform" vor 20 Jahren stehe das Unternehmen, sagte Vorstandschef Rüdiger Grube vor acht Monaten. Das war auf die digitalen Techniken gemünzt und klang nach einem Schlagwort. Vor drei Wochen dann kündigte Grube einen Umbau des Konzerns Deutsche Bahn an.

Jetzt macht er den Anfang, indem er den Vorstand umbildet. Grube trennt sich von vier Topmanagern, denen er lange vertraute, und gibt Leuten aus der zweiten Reihe eine Chance: Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla, der seit Jahresanfang für die Bahn die politischen Beziehungen pflegt, und Berthold Huber, der seit mehr als vier Jahren an der Spitze der Sparte Fernverkehr steht.

Aus acht mach sechs

Aus acht Vorstandsmitgliedern werden sechs, die Aufgaben werden neu verteilt, ganz neue Gesichter sind nicht dabei. Grubes Team soll schon im August in der neuen Konstellation zusammenarbeiten, heißt es im Umfeld des Aufsichtsrats. Das Kontrollgremium muss dem in einer Sondersitzung am 27. Juli noch zustimmen.

Das Ziel der Operation: Die Bahn soll wettbewerbsfähiger und damit profitabler werden. Die Geschäftszahlen waren zuletzt mäßig. Im Personenfernverkehr läuft es nicht nur wegen der Fernbus-Konkurrenz nicht rund. Im Regionalverkehr hat die Bahn bei Ausschreibungen Marktanteile verloren, der Schienengüterverkehr machte zuletzt Verluste.

Wohin die "neuen Wege" führen, die Grube im Juni im Aufsichtsrat angekündigt hatte, lässt sich noch nicht genau erkennen. Von einer "Neudefinition des Kerngeschäfts und Veränderungen im Portfolio des Konzerns" war die Rede. Es gibt dem Vernehmen nach Überlegungen, bei Dienstleistungen wie Fahrzeugwartung und Reinigung andere Firmen zu beteiligen. Die Gewerkschaft EVG befürchtet, dass ein Sparprogramm droht.

Huber der Gewinner

Die wohl größte Aufgabe fürs Geschäft und fürs Renommee steht Berthold Huber bevor. Er soll den Fern- und Regionalverkehr voranbringen und wohl zusätzlich die Güterbahn aus dem Tal führen. Für den Fernverkehr gibt es seit März ein Konzept, das Huber mitgestaltet hat: Die Züge sollen künftig in viel mehr Städten halten, die ICE auf wichtigen Routen häufiger fahren, die günstigsten Sonderangebote werden auf 19 Euro pro Fahrt gesenkt.

Die Aufgaben der scheidenden Technikchefin Heike Hanagarth müssen ebenso neu vergeben werden wie die des Logistik-Vorstands Karl-Friedrich Rausch, der früher als geplant in den Ruhestand gehen wird. Ulrich Homburg, den Huber ersetzen soll, gehört zu den Verlierern der Personalrochade. Ihm wurde die Berliner S-Bahn-Krise angelastet und vorgeworfen, die Fernbusse als Wettbewerber unterschätzt zu haben. Wie Homburg muss Gerd Becht (Datenschutz und Konzernsicherheit) vorzeitig gehen, obwohl ihm gute Arbeit attestiert wird. Gerade bei Becht, dessen Vertrag noch bis 2017 läuft, droht Kritik. Es sei nicht einzusehen, wieso er Pofalla schon jetzt Platz machen müsse. "Da wird Geld verbrannt", so ein Aufsichtsrat. Der Aufstieg Pofallas in den Vorstand nach nur sieben Monaten bei der Bahn ist ohnehin ein umstrittenes Politikum.
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