Bahnchef Rüdiger Grube wird 65
Erst auf halber Strecke

Rüdiger Grube. Archivbild: dpa

Berlin. Die "ersten Erfolge" stellten sich nach einem Jahr Konzernumbau ein, das zeige sich auch in der Bilanz, resümierte Bahnchef Rüdiger Grube das erste Halbjahr 2016. Gute Fahrgastzahlen im Fernverkehr und ein besseres Betriebsergebnis legte er vor, dann aber beschrieb er eine Fülle von Problemfeldern. Heute, an seinem 65. Geburtstag, denkt Grube nicht an Ruhestand. Die Deutsche Bahn steckt im Umbruch, und Grube möchte ihn noch gestalten - wenn man ihn lässt. Bedrohlich ist die Lage des Staatskonzerns nicht, aber er steht längst nicht so gut da, wie man es erwarten könnte. Vom Ziel des "profitablen Marktführers" aus der "Strategie DB 2020" hat sich Grube verabschiedet, jetzt strebt er nur noch an, "profitabler Qualitätsführer" zu werden. Das steht exemplarisch für seine siebenjährige Amtszeit: Grube hat viel angekündigt, aber vieles bislang nicht erreicht.

Der Anfang im Mai 2009 war schwer und leicht zugleich. Er musste die Wunden der Datenaffäre heilen, die sein gestürzter Vorgänger Hartmut Mehdorn aufgerissen hatte. Und er begann bei der Bahn mitten in der Finanzmarktkrise. Andererseits konnte er mit seiner offenen Art den angeschlagenen Ruf der Bahn aufpolieren. Mit Charme und Fleiß gewann er Vertrauen bei Mitarbeitern, Regierenden, Verkehrpolitikern und Kunden. 2010 gelang Grube die Übernahme des Bus- und Bahnbetreibers Arriva, der Jahr für Jahr steigende Gewinne abwirft. Seit diesem Coup fehlt aber das Geld für Zukäufe in ähnlicher Größenordnung.

Grube war mit dem Versprechen angetreten, sich um das "Brot- und Butter-Geschäft" zu kümmern, den Eisenbahnverkehr in Deutschland. Genau dort klemmt es noch immer. Im Regionalverkehr verliert die Bahn weiterhin bei Ausschreibungen Strecken an die Konkurrenz. Die Quote verspäteter Fernzüge lag im ersten Halbjahr klar über der Marke von 20 Prozent, die die Bahn unterschreiten will. Schleichend hat sich sein Bild vom rührigen Macher zum eher glücklosen Konzernlenker gewandelt. Der Jahresumsatz von rund 40 Milliarden Euro kommt kaum noch vom Fleck. Statt Schulden wie geplant abzubauen, kamen neue hinzu. 2015 machte die Bahn erstmals nach zwölf Jahren wieder einen Verlust. Das Minus von 1,3 Milliarden Euro war die Folge einer Abschreibung auf die Güterbahn DB Cargo. Dort gehen die Tranportmengen zurück und Marktanteile verloren. Auch die Misserfolge seiner Managerkollegen färbten auf Grube ab. Beim Milliardenprojekt Stuttgart 21 drohen die Kosten zu steigen. Vorstandsmitglied Volker Kefer kündigte nach Kritik an mangelhafter Information seinen Rückzug an. Vor einem Jahr musste Personenverkehrschef Ulrich Homburg gehen, nachdem die Zahl der Reisenden in ICE und Intercity gesunken war. Grube selbst zeigt sich gelassen: "Mein Fokus liegt auf der Lösung von Sachthemen. Mein Vertrag läuft noch bis Ende 2017. Da muss ich mir heute keine Gedanken machen", sagte er kürzlich.
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