Banken-Hochzeit abgeblasen

Bedauern, dass ihre Banken keinen gemeinsamen Weg beschreiten: Die Vorstände Andreas Reindl und Dieter Paintner (Amberg) sowie die Weidener Gerhard Ludwig und Rudolf Winter (von links). Bild: Götz

Es sollte eine "starke neue Bank" mit einer Bilanzsumme von 1,7 Milliarden Euro entstehen. Doch daraus wird nichts. Wegen der "sehr unterschiedlichen Ausrichtung in der Geschäftspolitik" begraben die Volksbank Nordoberpfalz und die VR-Bank Amberg ihre Fusionspläne.

Weiden/Amberg. (cf) Die - anfangs - heitere, entspannte Atmosphäre am Dienstagvormittag täuschte nicht darüber hinweg, dass die Vorstände der beiden genossenschaftlichen Banken getrennte Wege gehen. "Wir haben kein gemeinsames Gerüst für eine Fusion gefunden", bedauerte der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Nordoberpfalz, Gerhard Ludwig. Vorstand Dieter Paintner betonte die "unterschiedlichen Strategien" der beiden Häuser. Bei der Ankündigung der Fusionspläne am 22. Juni (wir berichteten) habe er einen "Konsens für möglich gehalten".

Großes Potenzial

Den Stolperstein bei den Verhandlungen bildete dem Vernehmen nach das Kreditgeschäft. Bei den Vergaben betreibt die Volksbank einen offensiven, expansiven Kurs mit einer hohen Ausleihquote, die vor allem der Mittelstands-Finanzierung dient. Einen zurückhaltenden Weg beschreitet hier die VR-Bank Amberg mit einer relativ niedrigen Ausleihquote.

Gerade auf diesem Feld erhofften sich die beiden Banken erhebliche Synergie-Effekte. Neben Weiden finden sich in der Marktregion der Volksbank zahlreiche Mittel- und Unterzentren von Tirschenreuth über Windischeschenbach bis Vohenstrauß. Die VR-Bank Amberg ist in ihrem Geschäftsgebiet ausschließlich in den Städten Amberg und Vilseck vertreten.

"Diese unterschiedliche Struktur hätte ein großes Potenzial bedeutet", bedauerte Paintner. "Es ist die Aufgabe des Managements, in die Zukunft zu denken." Auf Nachfrage bestätigten Paintner und Ludwig, dass die direkten Fusionsgespräche allein auf Vorstands-Ebene geführt wurden.

Dem Wunsch des Volksbank-Aufsichtsrats für ein Treffen entsprach der VR-Bank-Aufsichtsrat jedoch nicht. "Schön ist es nicht, dass die Fusion nicht zustande kommt", sagte Ludwig. Schließlich wären mit der Verschmelzung zwei "oberzentrale Pfeiler" in der nördlichen und mittleren Oberpfalz gesetzt worden. "Dies wäre der Anfang einer gewaltigen Entwicklung gewesen." Es wäre zu keinerlei Überschneidungen bei den Geschäftsstellen gekommen und Personalabbau hätte nicht gedroht. Paintner und sein Kollege Andreas Reindl schlossen einen kurzfristigen Zusammenschluss mit anderen genossenschaftlichen Banken in der Region aus. Bei einer Fusion müsse auch der Wille da sein. "Vielleicht gibt es in Zukunft noch einmal eine Chance. Man soll niemals nie sagen", unterstrich Vorstand Paintner den "freundschaftlichen, kollegialen Kontakt" zur Volksbank. Dieses gute Verhältnis sei vom Scheitern der Fusionspläne nicht berührt. "Die Banken-Landschaft wird in zehn Jahren nicht mehr so aussehen wie heute", prognostizierte Gerhard Ludwig.
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