Bauern fordern: Russland-Sanktionen überprüfen
"Brutale Folgen"

Mit einer symbolischen Aktion von Joachim Rukwied, Präsident des Deutscher Bauernverbandes, begann am Mittwoch in Erfurt der Bauerntag. BIld: dpa
Bauernpräsident Joachim Rukwied hat "brutale" Folgen durch die Russland-Sanktionen für die Landwirtschaft beklagt und eine Überprüfung gefordert. Das Embargo sei Hauptursache dafür, dass die Preise für Schweine eingebrochen und der Milchpreis unter Druck geraten seien, sagte er am Mittwoch beim Deutschen Bauerntag in Erfurt. Russland hatte als Reaktion auf Sanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise einen Importstopp für Lebensmittel verhängt.

Rukwied zeigte sich offen für das transatlantische Handelsabkommen TTIP. Wegen des hierzulande stagnierenden Marktes müsse der Export ausgebaut werden. Doch müssten europäische Standards etwa bei der Gentechnik erhalten bleiben. Das gelte auch für den Schutz geografischer Herkunftsbezeichnungen wie "Spreewaldgurke" oder "Nürnberger Bratwurst". Laut Bauernverband haben sich die deutschen Agrarexporte in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Sorgen bereiten jedoch gesunkene Milchpreise, die den Angaben zufolge derzeit unter 30 Cent je Kilogramm liegen. "Die Ursache ist nicht das Ende der Quote, die Ursache liegt in schwächelnden Märkten", sagte Rukwied.

Bei den Bauern wächst auch der Unmut über zunehmende Kritik an ihrer Arbeit. Thüringens Verbandspräsident Helmut Gumpert sprach von einer "Schlacht" der Medien und Nichtregierungsorganisationen gegen seinen Berufsstand. Rukwied lehnte schärfere Gesetze, etwa in der Tierhaltung, ab. "Wir als Bauern sind bereit, für noch mehr Tierwohl zu sorgen - das muss aber auch honoriert werden." Er verwies auf die zu Jahresbeginn gestartete "Initiative Tierwohl". Sie müsse auf breitere Basis gestellt werden. Mit der Initiative sei "Pionierarbeit" geleistet worden, heißt es in der "Erfurter Erklärung", die die knapp 600 Delegierten des Bauerntages verabschiedet haben. Darin sprechen sie sich gegen "starre Bestandsobergrenzen" in der Viehhaltung aus, ebenso dafür, dass "ein verantwortungsvoller Einsatz von Antibiotika" möglich bleiben müsse. Auch wird ein schlüssiges Konzept gegen den Flächenverbrauch im Straßen- und Siedlungsbau zulasten der Landwirtschaft gefordert.

Ins Präsidium des Verbandes aufgerückt ist Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl. Der 55-Jährige aus dem Kreis Dingolfing-Landau löst Norbert Schindler aus Rheinland-Pfalz ab.
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