Bauern in Bedrängnis

Die schlechte Getreideernte trifft die Landwirte in diesem Jahr besonders hart. Denn auch die Preise für Milch und Schweinefleisch sind im Keller. Das wirkt sich auf Investitionen aus.

Hitze, Trockenheit und das Russland-Embargo bringen die deutschen Bauern zunehmend in finanzielle Bedrängnis. "Die Preise sind massiv eingebrochen und zwar in allen Sektoren", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Joachim Rukwied, am Dienstag in Berlin. Der Preisverfall bei Milch, Schweinefleisch, Getreide, Obst und Gemüse habe die Landwirte seit Jahresbeginn im Vergleich zu 2014 schon mehr als drei Milliarden Euro gekostet. Das entspreche etwa einem Drittel des gesamten Einkommens. Die Investitionsbereitschaft wird dadurch laut Rukwied spürbar gedämpft: Im zweiten Halbjahr wollen die Bauern nur vier Milliarden Euro statt üblicherweise etwa sechs Milliarden in die Hand nehmen.

Die Wetterextreme des Frühjahrs und Sommers ließen die Getreideernte im Bundesdurchschnitt um elf Prozent auf 46,5 Millionen Tonnen einbrechen. Dabei gibt es regionale Unterschiede: In der Mitte Deutschlands, wo besonders wenig Regen fiel, müssen manche Betriebe laut DBV Einbußen von bis zu 50 Prozent wegstecken. Feuchter war es im Süden Bayerns und Baden-Württembergs sowie in Schleswig-Holstein, dort fuhren die Bauern eine normale bis gute Ernte ein. Die Rapsernte fällt mit knapp fünf Millionen Tonnen unterdurchschnittlich aus. Mit steigenden Getreidepreisen rechnet der Verband aber nicht. Die Versorgungslage sei nach den Rekordernten des vergangenen Jahres noch insgesamt gut.

Wegen des trockenen und heißen Augusts zeichnen sich auch Einbußen bei Mais und Zuckerrüben ab. In manchen Anbauregionen wie der Rheinebene rechnet Rukwied mit Ausfällen von bis zu 100 Prozent. Die Bauern befürchten, dass deshalb auch das Futter für Rinder im nächsten Winter knapp wird. Denn auch das Grünland sei vertrocknet. Beim Winterweizen, der wichtigsten deutschen Getreidesorte, werden aller Voraussicht nach 24,6 Millionen Tonnen geerntet, 2,8 Millionen Tonnen weniger als 2014. Beim Roggen brachen die Erträge um 15 Prozent ein.

Die Export-Verluste durch das Russland-Embargo bezifferte Rukwied auf 600 bis 700 Millionen Euro. Moskau lässt seit gut einem Jahr keine Lebensmittel aus der Europäischen Union und den USA mehr ins Land, eine Reaktion auf die Wirtschaftssanktionen in der Ukraine-Krise. Russland gehört mit der Schweiz und den USA zu den wichtigsten Exportmärkten für deutsche Bauern außerhalb der EU.
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